Studium Generale: Prof. Dr. Michael Hüther

Event 05/20/2026 19:00 - Audimax, Tiefenbronner Straße 65

Doppelter Epochenbruch – Wie Geopolitik die Ökonomie beeinflusst
Älterer Herr mit Brille (Michael Hüther) schaut ins Bild

Prof. Dr. Michael Hüther ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (DIW) Köln. Foto: Uta Wagner/ IW.

Europa befindet sich in einem doppelten Epochenbruch, der die historischen Grundlagen der westlichen Ordnung erschüttert. Einerseits endet die acht Jahrzehnte währende Phase sinkender Handelshemmnisse, immer offenerer Märkte und multilateraler Institutionen. Andererseits stellt der von Donald Trump vorangetriebene, jedoch bereits länger andauernde Rückzug der USA als ordnendem Hegemon einen Angriff auf die Einheit des transatlantischen Westens und somit auf die globale Bedeutung der europäischen Moderne dar. Diese tektonische Verschiebung trifft Europa und insbesondere das deutsche Geschäftsmodell mit voller Wucht. Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftliche Liberalität waren lange Zeit in einen stabilen internationalen Rahmen eingebettet, zugleich profitierte Europa von einer starken militärischen transatlantischen Allianz. All dies gerät jedoch zunehmend unter geopolitischen Druck. Handel, Investitionen und technologische Abhängigkeiten werden wieder machtpolitisch definiert, zudem steigen die Kosten für die Sicherheitsarchitektur. Anders gewendet, die Geopolitik dominiert die Geoökonomie.

Vor diesem Hintergrund gewinnen zentrale wirtschaftspolitische Fragen an Bedeutung: Welche Rahmenbedingungen braucht Europa, um die Trias aus Dekarbonisierung, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit erfolgreich auszuführen? Wie lässt sich der geopolitische und technologische Anpassungsdruck bewältigen, ohne das Modell offener Märkte aufzugeben? Und welche industriepolitischen Leitplanken sichern wirtschaftliche Stärke und politischen Zusammenhalt zugleich?