Studium Generale: Prof. Dr. Matthias Glaubrecht
Event 12/02/2026 19:00 - Audimax, Tiefenbronner Straße 65

Dr. Matthias Glaubrecht ist Professor für Biodiversität der Tiere an der Universität Hamburg und Buchautor. Foto: UHH/ Sebastian Engels
Mit dem gegenwärtigen Fokus auf die Klimakrise übersehen wir die existenzielle Bedrohung der Natur insbesondere aufgrund des Artenschwundes. Dabei ist die biologische Vielfalt unsere Lebensversicherung, weil sie zugleich für resiliente Lebensräume sorgt.
In seinem aktuellen Buch „Das stille Sterben der Natur: Wie wir die Artenvielfalt und uns selbst retten“ argumentiert Prof. Glaubrecht, durch den alleinigen Fokus auf die Klimakrise übersehen wir die existenzielle Bedrohung durch das Artensterben – aber beides sei überlebenswichtig: Artenschutz und Klimaschutz.
Der Populationsverlust von Arten ist schleichend, die Klimakrise mit Extremwetterereignissen unübersehbar, deshalb – auch in Wissenschaft und Politik – prioritär. Doch weltweit haben wir in den letzten Jahrzehnten beispielsweise zwei Drittel der Biomasse an Insekten verloren und sehen demographische Verluste in ähnlicher Größenordnung bei vielen anderen Tierpopulationen. Das Problem ist dabei nicht das Aussterben einzelner Arten, sondern der dramatische Schwund der Biodiversität insgesamt.
Wie beim Klimaschutz sind auch beim Artenschutz drei Handlungsebenen erforderlich: Die Politik muss Vorgaben machen, Unternehmen und insbesondere die Landwirtschaft müssen ihren Fokus und wir Individuen unser Verhalten ändern. Im Zuge der Biodiversitätsberichterstattung haben einige Unternehmen bereits Konsequenzen gezogen, aber politische Leitplanken werden nicht gezogen und nicht eingehalten, Schutzgebiete bleiben Inseln, unsere Nahrungssicherheit wird zunehmend gefährdet. Letztlich aber verdanken wir funktionierenden Ökosystemen und einer intakten Natur unsere Lebensgrundlage.