Studium Generale: Dr. Judith Kohlenberger

Event 11/18/2026 19:00 - Audimax, Tiefenbronner Straße 65

Wer ist „Wir“? Über Migration, Identität und die Zukunft des Zusammenlebens
Frau mit Locken schaut in die Kamera

Judith Kohlenberger ist Leiterin des Forschungsinstituts für Migrations- und Fluchtforschung und -management (FORM), WU Wien. Foto: Christian Lendl

Unsere Gesellschaft ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert: Kriege und humanitäre Krisen mit unmittelbaren Auswirkungen auf Europa, steigende ökonomische Ungleichheit, Teuerung und Inflation, Digitalisierung und der Aufstieg der KI, eine sich weiter aufbauende Klimakrise, der einsetzende demografische Wandel und eine weltweite Demokratierezession, die sich auch im Inneren zeigt. Die zunehmende Pluralisierung und Öffnung der Gesellschaft durch Flucht und Migration ist nicht ohne Spannungen und Auseinandersetzungen abgelaufen. Gesellschaftliche Konflikte zwischen Neuankommenden und jenen, die schon länger hier sind, scheinen zuzunehmen, die Fronten zwischen Migrationsbefürwortern und -skeptikern zu verhärten. Mitunter heftige Debatten und Emotionalisierung auf beiden Seiten prägen die mediale Berichterstattung. 

Diese sind jedoch nicht zwingend als Zeichen zu werten, dass die pluralistische, offene Gesellschaft gescheitert ist, so die These des Vortrags. Er plädiert dafür, Debatte und gesellschaftliche Konflikte als „Wachstumsschmerzen des Wir“ zu sehen, als schmerzhafte Symptome des Ausverhandelns und Näherkommens gesellschaftlicher Gruppen unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft. Abgrenzung zwischen uns und „den Anderen“ muss nicht in Ausgrenzung und Abwertung münden, solange die Menschlichkeit und Integrität jedes und jeder Einzelnen im Zentrum steht. Wer aber ist das „Wir“ und wer sind „die Anderen“? Wer gehört dazu und wer nicht? Wie lässt sich ein größeres „Wir“ in einer vielfältigen Gesellschaft entwickeln und welche Rolle spielt (Hochschul-)Bildung dabei? Auf diese und weitere Fragen gibt die.