Das STUDIUM GENERALE

Wir freuen uns, Sie mit dem Programm fürs Sommersemester ab dem 25. März begrüßen zu dürfen! 

Sie möchten keine Informationen verpassen? Dann nehmen wir Sie gerne in unseren Newsletter auf - eine kurze Mail an studium-generale(at)hs-pforzheim(dot)de genügt!
 

Hinweis an unsere Studierenden: Bei entsprechender Reflexion und Dokumentation kann der Besuch der Studium-Generale-Vorträge (ausgenommen das Konzert) mit bis zu 3 Ethikpunkten in Ihrem Ethikums-Zertifikat angerechnet werden. Weitere Informationen finden Sie hier.
 

Mit den besten Grüßen
Ihr STUDIUM GENERALE TEAM
Prof. Dr. Frauke Sander & Prof. Dr. Nadine Walter

In Kürze (Alle Vorträge beginnen um 19 Uhr und finden im Audimax statt):

Achtung diesen Vortrag könnnen Sie NICHT im Nachgang als Aufzeichnung ansehen. Es wird lediglich eine Liveübertragung vom Event selbst geben.

Künstliche Intelligenz – Realität, Chancen und Mythen
 

Kaum ein technologisches Forschungsfeld ist derzeit derart mit gesellschaftlichen Heils- und Bedrohungsankündigungen belegt wie die Künstliche Intelligenz. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch: Ein erheblicher Teil dieser Erwartungen verbleibt im Konjunktiv. Zweifellos wird KI tiefgreifende Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben, sowie militärische Machtverhältnisse verschieben. Die Allgemeine Künstliche Intelligenz (AGI), die menschliches Denken ersetzen und dieses übertreffen soll, ist jedoch auf absehbare Zeit nicht in Sicht. 

Der Vortrag ordnet diese Diskrepanz systematisch ein. Dr. Ralf Otte zeigt, in welchen Bereichen KI bereits heute wirksam ist, wo ihre Grenzen liegen und warum bestimmte Visionen – etwa vollständig autonomer Straßenverkehr oder alltagstaugliche Haushaltsroboter – auch im kommenden Jahrzehnt nicht zu erwarten sind. Dabei wird deutlich, dass diese Grenzen nicht allein in der Unzulänglichkeit der Technik selbst liegen, sondern grundlegenden algorithmischen Restriktionen folgen

Älterer Herr mit weißem Haar (Ralf Otte) lächelt mit verschränkten Armen in die Kamera. Ralf Otte ist Professor für Industrieautomatisierung und Künstliche Intelligenz an der Technischen Hochschule Ulm Foto: Serdar Dogan / QREATE Kreativagentur

Dr. Ralf Otte ist Ingenieur und seit 2015 Professor für Industrieautomatisierung und Künstliche Intelligenz an der Technischen Hochschule Ulm. Er beschäftigt sich seit mehr als drei Jahrzehnten mit KI, nachdem ihn neuronale Netze bereits zu Beginn der 1990er-Jahre faszinierten. Von 1992 bis 2004 war er in einem internationalen Konzern im Bereich Data Mining Center und Business Intelligence tätig, anschließend leitete er von 2005 bis 2015 als Geschäftsführer ein mittelständisches Schweizer Unternehmen. Otte ist Autor zahlreicher Fach- und Sachbücher zur Künstlichen Intelligenz. Sein Lehrbuch „KI für Dummies“ erscheint in 2026 bereits in dritter Auflage und zählt zu den meistverkauften KI-Einführungen im deutschsprachigen Raum. Neben seiner Lehrtätigkeit ist er intensiv in der Forschung engagiert. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der sogenannten „KI der vierten Welle“, insbesondere auf der Implementierung energieeffizienter KI-Architekturen auf Photonenrechnern.

 

Doppelter Epochenbruch – Wie Geopolitik die Ökonomie beeinflusst
 

Europa befindet sich in einem doppelten Epochenbruch, der die historischen Grundlagen der westlichen Ordnung erschüttert. Einerseits endet die acht Jahrzehnte währende Phase sinkender Handelshemmnisse, immer offenerer Märkte und multilateraler Institutionen. Andererseits stellt der von Donald Trump vorangetriebene, jedoch bereits länger andauernde Rückzug der USA als ordnendem Hegemon einen Angriff auf die Einheit des transatlantischen Westens und somit auf die globale Bedeutung der europäischen Moderne dar. Diese tektonische Verschiebung trifft Europa und insbesondere das deutsche Geschäftsmodell mit voller Wucht. Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftliche Liberalität waren lange Zeit in einen stabilen internationalen Rahmen eingebettet, zugleich profitierte Europa von einer starken militärischen transatlantischen Allianz. All dies gerät jedoch zunehmend unter geopolitischen Druck. Handel, Investitionen und technologische Abhängigkeiten werden wieder machtpolitisch definiert, zudem steigen die Kosten für die Sicherheitsarchitektur. Anders gewendet, die Geopolitik dominiert die Geoökonomie.

Vor diesem Hintergrund gewinnen zentrale wirtschaftspolitische Fragen an Bedeutung: Welche Rahmenbedingungen braucht Europa, um die Trias aus Dekarbonisierung, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit erfolgreich auszuführen? Wie lässt sich der geopolitische und technologische Anpassungsdruck bewältigen, ohne das Modell offener Märkte aufzugeben? Und welche industriepolitischen Leitplanken sichern wirtschaftliche Stärke und politischen Zusammenhalt zugleich?

Prof. Dr. Michael Hüther, geboren 1962 in Düsseldorf, ist seit 2004 Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Michael Hüther studierte Wirtschaftswissenschaften und Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Nach seiner Promotion in Volkswirtschaftslehre im Jahr 1991 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dessen Generalsekretär er 1995 wurde. Im Jahr 1999 übernahm er die Position des Chefvolkswirts der DekaBank. Seit 2001 ist er Honorarprofessor an der EBS Business School, und seit 2016 Adjunct Professor an der Stanford University. Neben seiner Tätigkeit am Institut der deutschen Wirtschaft ist Michael Hüther Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Beiräten und Beratungsgremien. Er ist Autor zahlreicher wirtschaftswissenschaftlicher und wirtschaftspolitischer Publikationen.

Älterer Mann schaut freundlich in die Kamera und lächelt. Es ist Michael Hüther. Prof. Dr. Michael Hüther ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (DIW) Köln. Foto: Uta Wagner/ IW.

Diese Vorträge fanden zuletzt statt

Wenn Erinnerungen verblassen: Matthias Jucker gibt Einblicke in den Stand der Alzheimer-Forschung

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Neue Erkenntnisse zeigen: Alzheimer beginnt lange vor den ersten Symptomen
Prof. Jucker (ein älterer Herr mit grauen Haaren und Brille) bei seinem Vortrag im Audimax der Hochschule Pforzheim.

Professor Dr. Matthias Jucker sprach an der Hochschule Pforzheim über neue Erkenntnisse in der Alzheimer-Forschung. Credit: Cornelia Kamper/ Hochschule Pforzheim

Alle 3 Sekunden erkrankt irgendwo auf der Welt ein Mensch neu an Demenz, weltweit sind aktuell ca. 60 Mio. Menschen betroffen und die Weltgesundheitsorganisation benennt Demenz als die siebthäufigste Todesursache weltweit. Damit gehört Demenz, und speziell Alzheimer, das in vielen Fällen Ursache einer Demenz ist, zu den folgenschwersten Erkrankungen des höheren Lebensalters. Zugleich gehört sie auch zu jenen Krankheiten, zu denen trotz intensiver Forschung noch viele Fragen unbeantwortet sind. Aber was wäre, wenn sich Alzheimer schon sehr viel früher erkennen ließe – und wenn es gelänge, die Krankheit noch vor dem Auftreten schwerer Symptome zu verlangsamen?

Im Studium Generale der Hochschule Pforzheim eröffnete Professor Matthias Jucker, Neurowissenschaftler von der Universität Tübingen, dem Publikum einen Blick hinter die Kulissen der Alzheimerforschung. Anschaulich und kenntnisreich erläuterte er, wie Alzheimer entsteht, warum die Krankheit vermutlich Jahrzehnte vor den ersten Symptomen beginnt und welche Hoffnungen mit neuen Diagnose- und Therapieansätzen verbunden sind.

Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Erkenntnis, dass Alzheimer nicht erst mit den ersten Gedächtnisproblemen beginnt. Vielmehr, so Jucker, setzten krankhafte Prozesse im Gehirn oft schon viele Jahre vorher ein. „Alzheimer beginnt mindestens 20 Jahre vor den klinischen Symptomen“, erklärte er. Gerade diese lange Vorphase eröffne neue Möglichkeiten für Forschung, Diagnose und Therapie. Anschaulich schilderte Jucker, wie sich krankhafte Eiweißablagerungen im Gehirn über lange Zeit entwickeln und warum die Wissenschaft heute versucht, genau an diesem frühen Punkt anzusetzen.
 

2 Frauen (Organisatorinnen des Studium Generale), sowie zwei Herren (Rektor der Hochschule und der Referent) lächeln in die Kamera.Prof. Dr. Nadine Walter, Prof. Dr. Ulrich Jautz, Neurowissenschaftler Prof. Dr. Matthias Jucker und Prof. Dr. Frauke Sander. Foto: Cornelia Kamper / Hochschule Pforzheim.

Dabei spannte der Neurowissenschaftler den Bogen von der Diagnose bis zur Therapie. Er erläuterte, wie sich Alzheimer heute deutlich präziser und einfacher diagnostizieren lasse als noch vor wenigen Jahren – und künftig wohl sogar auch durch Bluttests. Besonders eindrücklich war sein Einblick in aktuelle Therapieansätze mit Antikörpern, die gezielt gegen krankhafte Eiweißablagerungen wirken. Diese Medikamente seien ein wichtiger Fortschritt, auch wenn sie noch keine Heilung ermöglichten. „Es gibt noch keine befriedigende Therapie, aber vielleicht bald“, so Jucker.

Zugleich machte der Referent deutlich, dass Forschung selten geradlinig verläuft. Gerade darin lag für viele im Publikum die besondere Stärke des Abends: Jucker zeigte Wissenschaft als offenen, schrittweisen Prozess, in dem neue Erkenntnisse frühere Annahmen verändern und Fortschritte oft in kleinen, aber entscheidenden Schritten entstehen. Immer wieder gelang es ihm, komplexe biomedizinische Zusammenhänge verständlich und mit einem feinen Sinn für Humor zu vermitteln.

Zum Schluss richtete Jucker den Blick auf die Prävention. Neben bekannten Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, sozialer Isolation oder bestimmten Vorerkrankungen verwies er auch auf neuere Forschungsbefunde, etwa zu möglichen Zusammenhängen zwischen Impfungen und einem geringeren Alzheimer-Risiko. Eine einfache Lösung gebe es zwar nicht, doch der Abend machte deutlich, dass die Forschung heute weiter ist als noch vor wenigen Jahren – und dass die Hoffnung berechtigt ist, Alzheimer künftig früher erkennen und wirksamer behandeln zu können

Wenn Argumente keine Keulen sind: Marie-Theres Braun zeigt, wie Überzeugen ohne Rechthaberei gelingt

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Marie-Theres Braun im Studium Generale über die Chancen kooperativer Kommunikation
Drei Frauen und ein Mann (Rektor der Hochschule) schauen in die Kamera. Es handelt sich um die Organisatorinnen des Studium Generale gemeinsam mit der Rednerin des Abends.

Prof. Dr. Christa Wehner, Prof. Dr. Ulrich Jautz, Rhetorikexpertin Marie-Theres Braun sowie Prof. Dr. Frauke Sander (v.l.n.r.) freuen sich über den Auftakt des Studium Generale. Foto: Susanne Materac


Volles Haus, gespannte Aufmerksamkeit und viele Aha-Momente prägten den Abend im Studium Generale der Hochschule Pforzheim. Mit ihrem Vortrag „Menschen überzeugen – Die Stärke der kooperativen Kommunikation“ zeigte Marie-Theres Braun pointiert und unterhaltsam, dass gute Gespräche nicht dort beginnen, wo man am lautesten recht hat, sondern dort, wo man trotz unterschiedlicher Standpunkte im Gespräch bleibt. Im Zentrum ihres Vortrags stand die Frage, wie Verständigung gelingen kann, wenn Positionen verhärtet sind, auch mal die Emotionen hochkochen und das Zuhören zunehmend hinter dem eigenen Rechthaben zurücktritt. 

Als besondere „Brandbeschleuniger“ benannte die Referentin drei Muster: emotional aufgeladene Wertethemen, binäres Denken in Kategorien wie richtig oder falsch sowie ein Gefühl von Ohnmacht. Wo diese Faktoren zusammenkämen, entstünden schnell extreme Kommunikationsformen. Die einen zögen sich zurück, die anderen gingen frontal in den Angriff. Beides, so ihre Botschaft, helfe nicht weiter. „Kommunikation ist kein Kriegsschauplatz“, sagt Rhetoriktrainerin Marie-Theres Braun, „es geht nicht darum, anderen mit schlagfertigen Sprüchen zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat“. Stattdessen lenkte Braun den Blick auf die Zwischentöne: „Es gibt auch einen Raum dazwischen“, sagte sie, „und in diesem Raum liegt unsere Überzeugungskraft.“

 

Besonders anschaulich wurde der Abend dort, wo Braun ihre Methoden mit Beispielen aus Alltag, Beruf und Öffentlichkeit verknüpfte. Eindrucksvoll schilderte sie etwa, wie stark Diskussionen heute von Polarisierung geprägt seien – in Online-Foren, bei der Gender-Frage oder auch in Team-Besprechungen. Im Streit, so ihre Beobachtung, unterstellten die Beteiligten dabei oft der andere sei „dumm, krank oder böse“. Das Gegenüber werde zur Karikatur. Solche Zuschreibungen, so Braun, blockierten jedoch jedes ernsthafte Gespräch. Denn wer sein Gegenüber bloßstellt oder mundtot macht, mag rhetorisch punkten, überzeugt aber niemanden. Entsprechend schlussfolgerte Braun: „Verlierer stimmen nicht zu. Verlierer rüsten auf.“ 

Erst wenn Menschen sich verstanden fühlen, sind sie bereit, ihre eigene Position zu überdenken. Das bedeutet, aktiv zuzuhören, Fragen zu stellen und zu versuchen, die Perspektive des Anderen einzunehmen. Erfolgreiche Kommunikation legt den Fokus daher darauf, Widerstand nicht zu verstärken, sondern zu reduzieren. Zugleich betonte sie, dass kooperative Kommunikation nichts mit Nachgiebigkeit zu tun hat. Es gehe weder um faule Kompromisse noch darum, die Wahrheit automatisch in der Mitte zu suchen. Entscheidend sei vielmehr, die andere Person ernst zu nehmen, ohne den eigenen Standpunkt aufzugeben.

Brauns Kernbotschaft: Wer Menschen gewinnen will, sollte auf kooperative Gesprächstechniken, kluge Wortwahl und eine Haltung setzen, die Unterschiede aushält, statt sie sofort zu bekämpfen. Gerade in polarisierten Zeiten wirkte das wie eine kleine Revolution mit großen Chancen: weniger Schlagabtausch, mehr Bewegung im Denken. Zum Abschluss gab sie den Tipp: „Reden Sie doch mal mit einem Kotzbrocken. Anfangs vielleicht nicht mit dem Größten, fangen Sie klein an, um eine positive Erfahrung zu machen. Am Ende zeichnet sich ein gutes Gespräch auch nicht dadurch aus, dass eine Person zu hundert Prozent recht hat, sondern dadurch, dass hinterher beide ein bisschen anders denken als vorher“.

Frau vor Rednerpult im Audimax der Hochschule Pforzheim.Überzeugen ohne Lautstärke: Marie-Theres Braun machte im Studium Generale deutlich, warum gute Gespräche nicht vom Rechthaben leben – sondern vom Zuhören, Verstehen und Aushalten von Unterschieden. Foto: Susanne Materac

„Wir müssen uns in Zukunft erheblich anpassen, weil wir uns heute nicht ändern wollen.“

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Professor Mario Schmidt im Studium Generale der HS PF über Chancen und Risiken aktueller Klimapolitik
Professor Dr. Mario Schmidt während seiner Präsentation im Studium Generale.

Professor Dr. Mario Schmidt zeigte im Laufe des Abends auf, wie fossile Brennstoffe und das Abschmelzen der Gletscher als Klimakipppunkte die Erde gefährden und was getan werden muss, um diese Prozesse zu verlangsamen. Foto: Cornelia Kamper

Teheran soll verlegt werden – eine Millionenstadt, die wegen Wassermangels ihren Standort aufgeben muss. Für Prof. Dr. Mario Schmidt sind Meldungen wie diese kein absurdes Zukunftsszenario, sondern ein Weckruf der zeigt, wie real der Klimawandel bereits ist. In seinem Vortrag im Rahmen des Studium Generale nahm der Umweltwissenschaftler unter anderem diese aktuellen Entwicklungen zum Anlass, nationale und globale Klimapolitik einzuordnen, historische Linien nachzuzeichnen und zentrale Stellschrauben für die kommenden Jahrzehnte zu benennen.

Historisch betrachtet zeigen sich die ersten deutlichen Veränderungen in der Umwelt etwa ab Beginn der Industrialisierung. Mit dem Abbau von Erdöl und Erdgas stieg deutlich mehr CO2 in die Atmosphäre. „Der Klimawandel ist aktuellen Simulationen zufolge vom Menschen gemacht. Durch die Gewinnung und Verarbeitung von fossilen Energieträgern emittieren wir Treibhausgase, die in die Umwelt abgegeben werden. Die CO2 Konzentration ist so hoch wie zuletzt vor zehn Millionen Jahren“, sagt Mario Schmidt im gut gefüllten Audimax der Hochschule Pforzheim. 

Mit dem Pariser Klimaabkommen 2015 einigen sich die EU und 197 Länder weltweit auf das 1,5 Grad Ziel und damit verbunden auf die Halbierung der CO2-Emissionen bis 2030. Dass dieses Ziel nahezu unerreichbar sein wird, weiß Professor Schmidt: „Wenn der Mensch weitermacht wie bisher, erwärmt sich die Erde bis 2100 um etwa vier bis fünf Grad. Das klingt erst einmal nicht dramatisch, aber was damit einhergeht, ist es. Der Meeresspiegel kann bis 2100 bis zu einem Meter ansteigen. Aber es gibt einen Nachlauf, der noch einige Hundert, ja sogar einige Tausend Jahre anhält. Nehmen wir beispielsweise New York City. Der Sockel der Freiheitsstatue würde dann vollständig im Wasser stehen, die 5th Avenue würde überflutet. Und was das für Städte wie Venedig bedeutet, können Sie sich selbst ausmalen.“ 

Doch der Experte malt keinesfalls schwarz. Er lobt im Laufe seines Vortrags auch die bisherigen Maßnahmen. Durch beispielsweise die Förderung regenerativer Energien, Elektroautos, E-Fuels und den Verzicht auf fossile Brennstoffe kann der Klimawandel verlangsamt werden, wenn auch nicht vollständig aufgehalten. 

Die Organisatorinnen des Studium Generale lächeln gemeinsam mit dem Hochschulrektor und dem Referenten Mario Schmidt in die KameraAbschluss des Studium Generale im Wintersemester 25/26 mit den Professor*innen (v.l.n.r.) Dr. Frauke Sander, Rektor Dr. Ulrich Jautz, Dr. Mario Schmidt und Dr. Nadine Walter. Foto: Cornelia Kamper

Eine der größten Herausforderungen sieht der Umweltwissenschaftler jedoch darin, dass die Probleme nur global gelöst werden können. Blickt man nach China, wird man feststellen, dass das Land Vorreiter in der Installation von Photovoltaikanlagen ist. Das Land baut aber nicht nur Photovoltaik aus, sondern weiterhin die fossile Energiegewinnung. „Das absolute Ziel Chinas ist das Wirtschaftswachstum. Dieses kann nur erreicht werden, wenn man auf verschiedene Energiequellen setzt. Gleichzeitig führt China mit 34% der weltweiten CO²-Emissionen auch die Liste der größten Umweltsünder an, gefolgt von den USA. Selbst wenn man also in Deutschland, welches mit etwas mehr als einem Prozent der weltweiten Emissionen eher ein kleines Licht ist, die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen würde, stehen dem gegenüber andere Länder, die sehr viel mehr ausstoßen“, so Schmidt.

Das Fazit seines Vortrages, den der Wissenschaftler wie ein Drama in fünf Akten aufgebaut hatte, bleibt zwar ernüchternd, aber keinesfalls pessimistisch. Die aktuellen Maßnahmen, die in Deutschland, Europa und der Welt bereits umgesetzt werden, seien ein wichtiger Schritt. Um die Treibhausgase maßgeblich zu reduzieren brauche es weniger fossilen Kohlenstoff und einen globalen Ansatz, der weltweite Klimaschutz-Initiativen stärkt, Flexibilität bei Gesetzgebungen ermöglicht und eine starke Wirtschaft, die es gestattet, an umweltfreundlichen Lösungen zu forschen. 

„Es braucht ad-hoc Maßnahmen, die den Menschen besser vor Umweltkatastrophen schützen. Außerdem werden wir uns in Zukunft ganz erheblich anpassen müssen, weil wir uns im Jetzt nicht ändern wollen“, beendet Schmidt seinen Vortrag unter schallendem Applaus.

Sicherheit neu denken: Warum Europa stärker zusammenrücken muss

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Christoph Heusgen über Russland, China, die USA – und die Grenzen deutscher Außenpolitik

Prof. Dr. Frauke Sander, Dr. Christoph Heusgen, Rektor Prof. Dr. Ulrich Jautz sowie Prof. Dr. Nadine Walter freuen sich auf den bevorstehenden Vortrag im Audimax (v.l.n.r.). Foto: Cornelia Kamper / Hochschule Pforzheim.

Mit einem klaren Blick auf die weltpolitische Lage und eindringlichen Appellen für eine gemeinsame europäische Sicherheitspolitik gastierte Christoph Heusgen, Diplomat und jahrelanger außenpolitischer Berater von Angela Merkel, an der Hochschule Pforzheim. In seinem Studium Generale Vortrag schilderte er die Verschiebungen globaler Machtverhältnisse und leitete daraus ab, welche Konsequenzen Europa – und insbesondere Deutschland – für die Zukunft ziehen muss. Das Audimax war bis auf den letzten Platz gefüllt, was eindrucksvoll das große Interesse an der aktuellen Weltlage zeigte.

Die internationale Ordnung befindet sich im Wandel. Während die globalen Einflusszonen der USA und Russlands historisch tief verwurzelt sind, hat China seine geopolitischen Ambitionen erst vergleichsweise spät, dafür aber äußerst strategisch ausgebaut. Der Referent machte deutlich, dass diese drei Akteure die weltpolitische Bühne neben der Europäischen Union entscheidend prägen – oft jedoch mit gegensätzlichen Interessen und unzuverlässigen Partnerschaften.

Für Europa bedeutet das: Sicherheit kann nicht länger ausschließlich auf globalen Bündnissen basieren. „Die großen Player bewegen sich nach ihren eigenen Prioritäten“, so Heusgen. „Europäer müssen darauf vorbereitet sein, dass sich die USA zurückhält, auch im Falle eines Angriffes“. Und das würde bedeuten, dass die EU stärker zusammenrücken müsse: mehr Kooperation und Einigkeit auf allen Ebenen, von Freihandelsabkommen über militärische Zusammenarbeit bis hin zur Immigration. Vor einer wachsenden Nationalisierung warnte der Experte ausdrücklich. Er verwies darauf, dass viele europäische Staaten historisch, politisch und wirtschaftlich eng verbunden seien und damit über ein Potenzial verfügten, das in weltpolitischen Dimensionen oft unterschätzt werde. Dieses Potenzial müsse jedoch durch klare Strukturen, abgestimmte Entscheidungen und gemeinsames Handeln gestärkt werden.
 

„Ich glaube, dass wir am längeren Hebel sitzen aber wir brauchen Durchhaltevermögen“

Besonders eindrücklich analysierte der Referent den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die dahinterliegenden strategischen Beweggründe. Heusgen erklärte, dass es eine entscheidende Wende in Putins Politik gegeben habe: Nachdem klar wurde, dass Russland wirtschaftlich nicht die geplante Größe erreichen könne, habe der Kreml-Chef begonnen, aggressiver vorzugehen, um seine Macht auszubauen und Russland zu alter Größe zurückzuführen. „Putins Ziel ist heute klar: die ehemalige Sowjetunion in gewisser Weise wiederherstellen“, sagte Heusgen. 

Er warnte vor den Konsequenzen, falls Russland seine militärischen Ziele in der Ukraine erreicht: „Dann wird er keinen Halt machen und sich nicht zufriedengeben.“ Ein eindrückliches Beispiel für die provokative Inszenierung russischer Machtpolitik zeigte Heusgen aus einem Gipfeltreffen in Alaska: Außenminister Lawrow erschien vor den Gesprächen in einem Pullover der UdSSR, was als ein bewusstes Signal gegenüber dem Westen gedeutet werden kann. 

Für die Ukraine zieht Heusgen daraus konkrete Lehren: Die Verteidigungsfähigkeit des Landes muss langfristig gestärkt werden, sowohl durch militärische Ausbildung als auch durch Ausrüstung, um künftigen Aggressionen standhalten zu können. Nur eine glaubwürdige Abschreckung könne verhindern, dass der Konflikt weiter eskaliert oder die Sicherheitsarchitektur Europas untergraben wird. Der ehemalige Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz ist jedoch optimistisch, dass Putin den Krieg nicht gewinnen werde, es sei nur eine Frage der Zeit bis ihm die Ressourcen ausgehen würden. 

 

Persönlicher Einblick – und überraschender Optimismus

Doch nicht nur Russland, auch die USA sind aus seiner Sicht als verlässlicher Partner nur eingeschränkt zu sehen. China sowie die USA würden sich mehr auf sich selbst besinnen. Nicht nur eine persönliche Geschichte baute Heusgen im Laufe des Abends ein: Für das erste Aufeinandertreffen von Trump mit Bundeskanzlerin Merkel beispielsweise bereitete Heusgen im Hintergrund einiges vor. Dafür sprach er u.a. mit Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, der ihm sagte: „Wir sind Geschäftsleute – ein Tag ist man Feind, ein Tag Freund.“ Diese Haltung würde sich bis heute in den Handlungen Trumps widerspiegeln. 

Der Vortrag machte deutlich: Die kommenden Jahre verlangen sicherheitspolitische Weichenstellungen, die über nationale Interessen hinausgehen. Der Aufbau einer gemeinsamen europäischen Verteidigungsfähigkeit, die langfristige Unterstützung der Ukraine und die stärkere politische Geschlossenheit der EU sind dafür zentrale Pfeiler. Trotz vieler Krisen bleibt die Grundbotschaft des Referenten optimistisch: Wenn Europa zusammenarbeitet, kann es mehr Stabilität schaffen, als viele derzeit glauben.

 

4 Menschen, davon zwei Frauen (Organisatorinnen des Studium Generale) sowie zwei Männer (Hochschulrektor und Vortragender Christoph Heusgen) lächeln in die Kamera.Christoph Heusgen zog das Publikum mit zahlreichen Anekdoten aus seiner Zeit mit Angela Merkel in den Bann. Foto: Cornelia Kamper / Hochschule Pforzheim.

Diese Vorträge liegen bereits länger zurück:

Rückblick

Organisatorinnen des Studium Generale lächeln gemeinsam mit Speaker des Abends sowie Prorektorin in die Kamera.

"Kein wilder Krieg“: Wie Ermittler organisierte Kriminalität bekämpfen

Die beiden Organisatorinnen des Studium Generale Prof. Dr. Nadine Walter (links) und Prof. Dr. Frauke Sander gemeinsam mit Düzen Tekkal (Mitte).

„Wo kein Dialog stattfindet, stirbt Demokratie“

stehen nebeneinander im Audimax und lächeln: Die Professorinnen Dr. Frauke Sander, Dr. Elsbeth Stern und Dr. Nadine Walter freuten sich über das große Interesse am Thema Intelligenz.

Warum Intelligenz nicht alles ist – aber vieles leichter macht

Prof. Dr. Frauke Sander, Maximilian Steinbeis, Rektor Prof. Dr. Ulrich Jautz sowie Prof. Dr. Nadine Walter nahmen die Besucher*innen des Studium Generale freudig in Empfang.

„Die Gesellschaft muss die Verfassung schützen“ – Weckruf von Maximilian Steinbeis

Gruppenbild der Organisatorinnen des Studium Generale gemeinsam mit Prof. Dr. Bernd Kleine-Gunk

„Altern ist die Mutter aller Krankheiten“

New Work“: Auf dem Weg zu einer sinnstiftenden Arbeitswelt

Nahostkonflikt: „Von Frieden kann noch lange nicht die Rede sein“

„Verbraucher können die Qualität von Lebensmitteln schlichtweg nicht erkennen“

Studium Generale: Tiefe Einblicke in die Denkweise der Amerikaner*innen

Klassik im Hörsaal: Besonders stimmungsvoller Abschluss des Studium Generale

Karriere wichtiger als Kinder: Studium Generale Vortrag über heimliche Hürden der Gleichstellung

Den Vernunftbegabten zuhören

Von Zukunftskunst und Herausforderungen: Uwe Schneidewind im Studium Generale

„Vergleich ist der Anfang vom Unglück: Was uns wirklich glücklich macht“

Aus dem Kopiergerät ist ein Innovations-Labor geworden

Studium Generale: Faszinierende Einblicke in die menschliche Psyche

Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim verwandelte den Audimax der Hochschule Pforzheim beim „Campus Classic Concert“  in einen Konzertsaal

STUDIUM GENERALE endet mit einem „Paukenschlag“

Das Studium Generale Team posiert stolz vor einem vollen Hörsaal.

„Es ist kein Kopftuchprotest – es geht um das große Ganze“

Organisatorinnen der Studium Generale Veranstaltungsreihe stehen mit Redner und Rektor der Hochschule vor gefülltem Saal

„Diplomatie ist dafür da, auch in unmöglicher Situation das Gespräch zu suchen“

„Ohne Kommunikation ist alles nichts“

Der Referent Heiner Bielefeldt zusammen mit den Organisatorinnen des Studium Generale und dem Rektor der Hochschule.

Religionsfreiheit: Ein Menschenrecht, das verkannt wird?

Der Referent mit den Organisatorinnen

Pforzheim ist nicht nur Gold- sondern auch Recyclinghauptstadt

Der Referent mit den Organisatorinnen

Hass im Netz: Trotz Hetze ist das Glas halb voll

„Man muss nicht vertrauen. Sich verlassen auf etwas reicht völlig“

Von Sinfonien, die gar keine sind, bis zur ganz großen Sinfonia

Alle Facetten von Luxus

Sven Plöger im Studium Generale / Foto: Axel Grehl, HS PF

Sven Plöger zu Gast im Studium Generale an der Hochschule Pforzheim

Ernst Ulrich von Weizsäcker begeistert das Publikum im Studium Generale

Aufzeichnungen: (Achtung - einige Aufzeichnungen sind nur zeitlich begrenzt verfügbar).

Historie des STUDIUM GENERALE

Seit 1985 lädt die Hochschule Pforzheim Studierende, Professoren, Mitarbeiter und interessierte Gäste aus der Stadt und der Region zu einem anspruchsvollen STUDIUM GENERALE-Programm ein. Die Referenten sind renommierte Wissenschaftler, Unternehmer, Politiker, Künstler und Menschen, die Außergewöhnliches geleistet haben. Hunderte von interessierten Zuhörern nutzen immer wieder die Chance zur Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Themenfeldern, um ihren Horizont zu erweitern, Neues, Anregendes, manchmal auch Irritierendes zu erfahren und interessante Persönlichkeiten aus der Nähe zu erleben. Seit Oktober 2020 können alle Vorträge im Live-Stream über den YouTube-Kanal des STUDIUM GENERALE auch bequem von zu Hause aus oder von überall verfolgt und die Aufzeichnung noch etwa vier Wochen lang angeschaut werden. Sie alle sind herzlich eingeladen zum STUDIUM GENERALE an Ihrer Hochschule!

Die wissenschaftlichen Leiterinnen sind die Professorinnen Dr. Frauke Sander und Dr. Nadine Walter.

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