Rückblick

Business meets Science: Erneut großes Interesse an Zukunftsthemen der Personalarbeit

Im Rahmen der neunten Ausgabe der Veranstaltungsreihe „HR-Trends der Zukunft – Business meets Science“ konnten an der Hochschule Pforzheim am 31. Mai 2016 wieder zahlreiche interessierte Personalverantwortliche begrüßt werden. Organisiert wird die halbjährliche Veranstaltung vom Institut für Personalforschung an der Hochschule Pforzheim. Im Mittelpunkt der aktuellen Tagung standen die beiden Themen „Agiles HR“ und „Führung 4.0“.

André Häusling, Prof. Dr. Stephan Fischer (v. l. n. r.)

Zunächst begrüßte Prof. Dr. Stephan Fischer, Direktor des Instituts für Personalforschung, die rund 85 Anwesenden und freute sich über die erneut sehr gute Resonanz. Er wies darauf hin, dass die Themen der Veranstaltungsreihe jeweils Interessen und Wünsche der Teilnehmenden der vorausgegangenen Tagung aufnehmen. Prof. Dr. Katja Rade, Prorektorin der Hochschule Pforzheim, unterstrich den Beitrag der etablierten Veranstaltungsreihe zum Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis in der Wirtschaftsregion Nordschwarzwald und darüber hinaus.

Prof. Dr. Stephan Fischer eröffnet mit seinem Vortrag das Thema „Agiles HR: wie HR die Agilität in Unternehmen unterstützen kann“. Agilität als eine Anpassungsform an veränderte Organisationsumwelten sei kein Allheilmittel, sondern mache dann Sinn, wenn die Organisation mit disruptivem Wandel konfrontiert sei. Aufgabe des HR sei es, agilitätsförderliche Kompetenzen der Mitarbeitenden zu fördern und so eine konsequente agile Ausrichtung der Organisation zu sichern. Eine wichtige Rolle als entsprechende Stellhebel könnten dabei u. a. Eignungsdiagnostik, Kompetenzmodelle, aber auch Vergütungsmodelle spielen. André Häusling, Geschäftsführer der HR Pioneers GmbH, stellte in seinem Vortrag dar, in welchen Bereichen ein Unternehmen auf dem Weg vom „klassischen Unternehmen“ hin zum „agilen Unternehmen“ eine Transformation durchlaufen müsse. Zentral sei hierbei, die Mitarbeitenden „mitzunehmen“, weswegen für das agile Unternehmen neben der Kundenorientierung die Mitarbeiterorientierung entscheidend sei. Als Basis dafür dient das entwickelte Reifegradmodell agiler Organisationen.

Als neues Format im Rahmen der Tagung wurde anschließend Raum zur Vorstellung einer ausgewählten HR-Innovation gegeben. Dr. Simon Werter, Geschäftsführer der HRinstruments GmbH, gab einen Einblick in agiles Feedback. So können digitale Lösungen dazu betragen, schlaglichtartig mit ein oder zwei Fragen schnelle Rückmeldung der Mitarbeitenden zu aktuellen Themen im Unternehmen zu erhalten.

Corinna Thumm

Im Rahmen des bewährten Formats „Ausgezeichnete studentische HR-Abschlussarbeiten“ stellte dann zunächst Corinna Thumm, Absolventin des Masterstudiengangs „Human Resources Management“ an der Hochschule Pforzheim, ihre Abschlussarbeit vor. Diese beschäftigte sich mit der Frage, wie Komplexität – die z. B. durch Industrie 4.0 ansteigt – bzw. der Umgang mit Komplexität als Maßstab in die Potenzialanalyse von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Eingang finden kann. Nach der Mittagspause berichtete Hannah Wössner, Bachelorabsolventin des Studiengangs Personalmanagement an der Hochschule Pforzheim, aus ihrer Abschlussarbeit. Darin setzte sie sich mit der Frage auseinander, wie ein agiles Führungsmodell aussehen könnte. Welche Kompetenzen brauchen Führungskräfte um agil erfolgreich führen zu können?

Zum Auftakt des zweiten Themas der Veranstaltung, „Führung 4.0: von der Hierarchie zur verteilten Führung“, gab Prof. Dr. Stephan Fischer einen Überblick über Führungstheorien und -ansätze und grenzte laterale Führung, transformationale Führung und Empowering Leadership vom Ansatz des „demokratischen Unternehmens“ ab. Einen spannenden Einblick in die Praxis dieses Ansatzes gab im Anschluss Axel Singler, Chief Customer Success Officer und gewählte Führungskraft bei der Haufe-umantis AG. Dort wurde der Ansatz des demokratischen Unternehmens aus betriebswirtschaftlichen Gründen bzw. aufgrund veränderter Marktbedingungen verwirklicht. Der Ansatz des demokratischen Unternehmens könne als „Betriebssystem“ für agile Organisationen äußerst hilfreich sein, da er auf Transparenz, Vertrauen, Einbezug und Fehlertoleranz basiere. HR spiele dabei als „Player“ eine zentrale Rolle.

In der nachmittäglichen Diskussionsrunde zum Thema „Agiles HR“ konnten die Teilnehmenden beim „Ball Point Game“ Agilität direkt erleben. Im Anschluss standen insbesondere mögliche konkrete Ansatzpunkte für HR, um agile Prozesse durch eine entsprechende Struktur und verändertes Führungsverständnis unterstützen zu können, im Mittelpunkt. Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang u. a. die vielfach bestehende Praxis der Vereinbarung von (individuellen) Zielen, die „Silodenken“ beförderten, weniger jedoch die für agile Organisationen grundlegende (cross-funktionale) Kundenorientierung belohnten.

Die Diskussionsrunde zum Thema „Führung 4.0“ drehte sich insbesondere darum, wie viele Regeln und wie viele Freiheiten der Ansatz des demokratischen Unternehmens benötige und wie mit Konflikten und abgewählten Führungskräften umgegangen werden könne. Das demokratische Unternehmen könne als Paradebeispiel der lernenden Organisation aufgefasst werden; die Beteiligung im demokratischen Unternehmen sei zudem nicht nur eine Bringschuld (der Führungskräfte), sondern auch eine Holschuld (der Mitarbeitenden).

Die Tagung schloss mit einer Ergebnispräsentation der beiden nachmittäglichen Diskussionsrunden zu „Agiles HR“ und „Führung 4.0“ im Plenum; anschließend bestand noch Gelegenheit zu Gespräch und Austausch. Die nächste Tagung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „HR-Trends der Zukunft - Business meets Science“ wird im November 2016 stattfinden.

09:30 Uhr Empfang
10:00 Uhr Begrüßung Prof. Dr. Katja Rade (Prorektorin der Hochschule Pforzheim) und Prof. Dr. Stephan Fischer (Direktor Institut für Personalforschung, Hochschule Pforzheim).
10:15 Uhr Agiles HR: Wie HR die Agilität in Unternehmen unterstützt Vorträge von Prof. Dr. Stephan Fischer (Direktor Institut für Personalforschung, Hochschule Pforzheim) und André Häusling (Geschäftsführer, HR Pioneers GmbH) mit anschließender Diskussion.
11:30 Uhr HR-Innovation (Vorstellung einer ausgewählten HR-Innovation) Vortrag von Dr. Simon Werther (Geschäftsführer, HRinstruments GmbH)
11:50 Uhr Ausgezeichnete studentische HR-Arbeit Vortrag von Corinna Thumm
12:15 Uhr Mittagspause
13:15 Uhr Ausgezeichnete studentische HR-Abschlussarbeit Vortrag von Hannah Wössner
13:35 Uhr Führung 4.0: Von der Hierarchie zur verteilten Führung Vorträge von Prof. Dr. Henning Schulze (Deggendorf Institute of Technology) und Hermann Arnold (VR-Präsident & Ermutiger, Haufe-umantis AG) mit anschließender Diskussion.
14:45 Uhr Diskussionsrunde 1 (Agiles HR: Wie HR die Agilität in Unternehmen unterstützt)
14:45 Uhr Diskussionsrunde 2 (Führung 4.0: Von der Hierarchie zur verteilten Führung)
16:15 Uhr Ergebnispräsentation der Diskussionsrunden im Plenum
Ab 17:00 Uhr Get-together
Moderation Prof. Dr. Stephan Fischer (Direktor Institut für Personalforschung, Hochschule Pforzheim)

Agiles HR: wie HR die Agilität in Unternehmen unterstützen kann

Wissenschaft: Prof. Dr. Stephan Fischer

Agilität ist die Fähigkeit einer Organisation, sich kontinuierlich an ihre komplexe, turbulente und unsichere Umwelt anzupassen. Das ist in vielen Fällen auch nötig, denn aktuell sehen sich viele Organisationen mit dem Megatrend der Digitalisierung konfrontiert, der sie vor ganz neue Herausforderungen und die Notwendigkeit zum disruptiven Wandel stellt: So werden etablierte Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen aufgrund der Digitalisierung und damit einhergehenden Entwicklungen – z. B. Industrie 4.0 oder auch die sog. Share Economy („teilen/leihen statt besitzen“) – grundlegend hinterfragt und ganze Wirtschaftsbranchen transformiert.

Dazu gibt es aber auch innerhalb der Organisationen aktuelle Trends, die eine Veränderung hin zu mehr Agilität bedingen. So spielen z.B. veränderte Interessen „der Generation Y“ eine wichtige Rolle, der die Flexibilität bei der Arbeit und die Work-Life-Balance, die permanente und mitbestimmte Weiterbildung und die vielseitigen Entwicklungsmöglichkeiten, eine Kommunikation auf Augenhöhe, ein kohäsives, teamorientiertes, kollegiales Arbeitsumfeld und schließlich die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit und Selbstverwirklichung wichtig ist.

Für Organisationen entsteht so nun die existentielle Notwendigkeit, die Fähigkeit zu entwickeln, diese internen und externen Veränderungen rechtzeitig zu antizipieren, selbst innovativ und veränderungsbereit zu sein, ständig als Organisation zu lernen und dieses Wissen allen relevanten Personen zur Verfügung zu stellen.

Wirtschaft: André Häusling

„Mythos Agilität? – Wie HR die Agilität in Unternehmen beeinflussen kann“

Agilität ist aktuell in aller Munde. Sowohl auf Konferenzen als auch in vielen Praxisforen ist sie eine der aktuellen Top Themen, mit der sich viele Unternehmen beschäftigen. Auf einmal wird alles agil oder vielmehr alle wollen irgendwie agil werden. Zumeist wird dieses Ziel verbunden mit dem Hinweis auf immer komplexere Märkte, Industrie 4.0 und aktuelle Treiber wie die Digitalisierung. Aber was bedeutet Agilität eigentlich? Und was hat HR damit zu schaffen? Dr. Stephan Fischer beleuchtet im Vortrag die geschichtlichen und wissenschaftlichen Aspekte von Agilität während André Häusling aus der Praxis heraus auf die Rolle von HR als Katalysator agiler Transformationen eingeht. Er führt auf, wie HR sich weg vom Administrator hin zum entscheidenden Initiator und Unterstützer der Agilisierung entwickeln kann. So wird aus dem Mythos Agilität eine notwendige Realität!

Führung 4.0: von der Hierarchie zur verteilten Führung

Wirtschaft: Axel Singler

„Führung 4.0: Von Hierarchie zu verteilter Führung. Entmachtete Chefs – und trotzdem für alles verantwortlich“

Die neue Art der Führung ist scheinbar führungslos. Selbstorganisation und Agilität scheinen wichtiger als konsistente Führung und klare Ansagen. Hermann Arnold berichtet von den Erfahrungen bei Haufe-umantis, über unerwartete Erfolge und enttäuschende Misserfolge mit Unternehmensdemokratie – und über den langen aber vielversprechenden Weg, der vor uns allen liegt.

Ausgezeichnete studentische HR-Arbeiten

Corinna Thumm

„What did you simplify today? HR als show stopper im Umgang mit organisationaler Komplexität“

Komplexität in Unternehmen ist lebensnotwendig. Aufgrund mangelnder wissenschaftlich fundierter und umsetzungsorientierter Alternativen reagieren Unternehmen jedoch weiterhin mit Instrumenten, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, um Komplexität zu reduzieren. Diese vergangenheitsorientierten Instrumente von gestern können jedoch keine Wettbewerbsvorteile von morgen generieren. Da Unternehmen nur so gut wie ihre Mitarbeiter sind, schlägt sich dies im Personalmanagement der Zukunft nieder. Insbesondere mit Potenzialträgern, die die steigende Komplexität beherrschen statt reduzieren, sind Wettbewerbsvorteile realisierbar. Im Vortrag werden diese Ansätze zur Beherrschung von Komplexität aufgezeigt und ein Konzept zur Optimierung der Identifikation und Kompetenzentwicklung von Potenzialträgern bei steigender Komplexität dargestellt.

Agiles HR: wie HR die Agilität in Unternehmen unterstützen kann

Prof. Dr. Stephan Fischer lehrt an der Hochschule Pforzheim in den Studiengängen BWL/ Personal (BA), MSc Human Resources Management sowie an der Universität Heidelberg. Er bildet mit einigen Kollegen das Human Resources Competence Center. Als Direktor des Institut für Personalforschung im HRCC der HS Pforzheim forscht er im Bereich nachhaltiges HRM. Zudem ist er Aufsichtsrat der O&P Consult AG in Heidelberg. Vor seiner Tätigkeit in Pforzheim war er Gründer und Vorstand der O&P Consult AG sowie Verantwortlicher für das Personalmanagement und die Personal- und Organisationsentwicklung bei einem weltweit agierenden Unternehmen der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik.

André Häusling ist Gründer und Geschäftsführer der HR Pioneers GmbH. In seiner Position als Head of HR bei der ehemaligen WEB.DE AG hatte André Häusling 2005 das erste Mal Berührung mit Scrum und begann sich mit agiler Personal- und Organisationsentwicklung zu beschäftigen. Nach seiner Wirkungszeit bei der ehemaligen WEB.DE AG leitete er das unternehmensübergreifende HR-Competence Center der IT-Outsourcing Anbieter Fujitsu Services GmbH und TDS AG. Seit 2010 ist er Geschäftsführer der HR Pioneers GmbH, die sich auf agile Personal- und Organisationsentwicklung spezialisiert hat. Er ist Initiator der Agile HR Conference. In 2015 wurde André Häusling zu einem der 40 führenden Köpfe des Personalwesens ausgezeichnet.

Führung 4.0: von der Hierarchie zur verteilten Führung

Axel Singler versteht sich als Erforscher, Entdecker, Erfinder und Ermutiger neuer Formen der Zusammenarbeit und der Unternehmensführung. Er studierte Strategie und Organisation an der Universität St. Gallen, geprägt vom Verständnis der Unternehmen als „produktive, soziale Systeme“https://blog.hs-pforzheim.de/institut-personalforschung/referenteninnen-2/#_ftn1. Bekannt wurde er als Mitgründer und langjähriger Geschäftsführer von Haufe-umantis, einem der weltweit führenden Anbieter von Software und Expertise im Bereich Talentmanagement. Er und seine Kollegen erproben im eigenen Unternehmen und mit Kunden Ansätze wie Vorgesetztenwahlen und Unternehmensdemokratie, teamverantwortete Mitarbeitergewinnung und spiralförmige Karriere als Führungskräfteentwicklung. Er ist Berater internationaler Unternehmen, Vortragender bei Fachkonferenzen und an Universitäten sowie Autor von Fachartikeln, Blogs und Buchbeiträgen.

Ausgezeichnete studentische HR-Arbeiten

Corinna Thumm ist nach einem exzellenten Abschluss im Jahr 2015 als Master of Science (Human Resources Management) an der Hochschule Pforzheim als HR Businesspartnerin und HR Expertin im Bereich des Talent Relationship Management bei der Robert Bosch GmbH am Standort Stuttgart-Feuerbach eingestiegen. Der Standort Feuerbach zählt mit ca. 13.000 Mitarbeitern zu einem der größten Standorte der Robert Bosch GmbH. Frau Thumm ist verantwortlich für (rechtliche) Grundsatzthemen sowie insbesondere die Konzeption und Umsetzung von Maßnahmen zur langfristigen Identifikation, Entwicklung und Bindung der notwendigen Potenziale zukünftiger Mitarbeiter in den strategisch relevanten Bereichen der Robert Bosch GmbH.

Zum Download der Präsentationen zur Veranstaltung vom Mai 2016 bitte hier.

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