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Auf einen Kaffee mit Prof. Dr. Claus Lang-Koetz

Mit einer Verspätung von fünfzehn Minuten – dem klassischen akademischen Viertelstündchen – trifft Professor Dr. Claus Lang-Koetz in unserem Büro ein. Seinen Kaffee trinkt er mit etwas Milch.

Julia Budei: Schön, dass Du da bist! Lass uns direkt mit der ersten Frage starten: Beschreibe Dich in drei Worten.

Claus Lang-Koetz: Neugierig, hibbelig und optimistisch, würde ich sagen.

Budei: Würdest Du das Wort hibbelig noch kurz für diejenigen erklären, die nicht aus Baden-Württemberg kommen?

Lang-Koetz: Hibbelig ist, wenn man nicht still sitzen kann, immer aktiv ist, unruhig, vielleicht auch ein bisschen getrieben.

Budei: Merkt man das bei Dir im Arbeitsalltag, das Hibbelige? Können es Deine direkten Kollegen ertragen, mit Dir in einem Büro zu arbeiten?

Lang-Koetz: Ja, ich lass mich dann auch gerne daran erinnern, dass man sich auch mal ein bisschen Ruhe gönnen kann. Das geht dann schon.

Budei: Wie sieht denn der Arbeitsalltag bei Dir generell aus?

Lang-Koetz: Ich habe ja zwei Schwerpunkte, das sind Forschung und Lehre, vielleicht noch einen dritten, kleineren, die Beratung. Lehre bedeutet klassisch Vorlesungen halten, Folien vorbereiten, das ist ein Teil eines ganz typischen Arbeitstages – wie heute zum Beispiel. Dann ist ein anderer Teil – auch heute – einen Forschungsantrag zu schreiben, zusammen mit anderen Instituten und Unternehmen zusammen, um Geld für Projekte zu akquirieren, die wir hier an der Hochschule bearbeiten können. Dann gehören natürlich auch Besprechungen dazu oder – wie heute – eine Gastrednerin zu begrüßen, die einen Vortrag zur frugalen Innovation halten wird. Es ist auf jeden Fall sehr vielseitig.

Budei: Das hört sich nach sehr vollen Arbeitstagen an! Die Arbeitswoche ist ja glücklicherweise auch irgendwann einmal vorbei und man darf/soll sich entspannen. Wie sieht bei Dir ein typisches Wochenende aus?

Lang-Koetz: Ich unternehme vor allem etwas mit meiner Familie. Samstags sind oft Erledigungen zu machen, einkaufen, Sachen in der Stadt besorgen. Und danach sitzen wir – vor allem jetzt im Sommer – gerne draußen. Ich habe zwei kleine Töchter: die ältere ist fast fünf, die jüngere drei. Das heißt, das Thema Neugierde, das ich vorhin erwähnt habe, kommt hier nochmal in einem anderen Aspekt zum Tragen. Es wird oft „warum?“ gefragt und ich muss viel erklären. Dabei lerne ich aber auch eine Menge, z.B. wie man an Sachen ganz anders heran geht. Ansonsten machen meine Töchter, meine Frau und ich viel zusammen, Ausflüge oder auch mal relaxen. Das ist aktuell so ein typisches Wochenende.

Budei: Führt Deine Neugierde dann dazu, dass du auch gerne neue Länder entdeckst?

Lang-Koetz: Ja, allerdings ist das momentan nicht so ausgeprägt, da das Reisen mit den zwei Kleinen nicht ganz so einfach ist. Aber Reisen ist auf jeden Fall das Haupthobby von meiner Frau und mir.

Budei: Gibt es ein Land, das Du gerne sehen würdest?

Lang-Koetz: Ja, ich würde gerne nach Japan oder auch nach Korea. Also Südkorea (lacht). Wobei, ich habe auch einen Freund, der war mal in Nordkorea. Da hab ich jetzt nicht so das Interesse daran. Auf jeden Fall sind das zwei total spannende Länder, sowohl kulturell als auch von der Natur her. Alle beiden Länder sind uralte Kulturen mit langen Traditionen, aber auch unglaublich Innovativ. Da passiert unglaublich viel, was Innovationen und neue Produkte angeht, vor allem im Elektronikbereich. Das will ich mir auf jeden Fall noch anschauen – sowohl privat als auch beruflich.

Budei: Was war bisher das spannendste Land, das du besucht hast?

Lang-Koetz: Tendenziell würde ich USA sagen, aus bekannten Gründen: Der Spirit ist etwas anders. Die Art, Neues anzugehen auch. Die Einstellung „ich will weiter kommen und neue Ideen finden“, „ich will Neues ausprobieren“ und das ohne lange zu überlegen, was für negative Seiten es haben könnte. Das sehe ich auch durchaus kritisch. Aber dieser besondere Spirit bewegt schon etwas und ich denke, dass wir in Deutschland davon lernen können. Vor allem in Unternehmen.

Budei: Ein klassisch deutsches Verhalten – zumindest dem Klischee nach. Aber bei so vielen Reiseberichten bekomme ich Fernweh. Wir sollten das Thema wechseln. Lass uns über Geschichte sprechen. Gibt es eine historische Persönlichkeit, die Du gerne einmal persönlich kennenlernen würdest?

Lang-Koetz: Ich würde gerne mal einen alten Erfinder treffen: Robert Bosch, Thomas Edison oder auch Albert Einstein. Leute, die heute als Genius gelten. Ich würde gerne wissen, was dahinter steckt, denn oft zeigt sich, dass es doch Teams waren und nicht einzelne Personen. Man denkt auch bei James Watt – der die Dampfmaschine erfunden hat – aber streng genommen hat er nur das, was da war, weiterentwickelt und es dann zum Erfolg gebracht.

Budei: Wenn Du so begeistert von den alten Erfindern bist, wolltest Du dann Erfinder oder etwas in der Art werden, als Du jünger warst?

Lang-Koetz: Ich war schon immer ein wenig „bastelmäßig“ unterwegs und habe dann auch Ingenieurwesen studiert. Als Jugendlicher habe ich mit einem Freund einen Roboter entwickelt, der es dann leider nie zur Marktreife geschafft hat (lacht). Und eigentlich wollte ich als Jugendlicher immer Informatik oder Physik studieren. Ich habe dann auch zwei Semester Informatik studiert, habe aber dann schnell festgestellt, dass das für mich zu einseitig ist und habe dann auf Umwelttechnik gewechselt. Die technische Faszination – also auch Mathe, Physik – war für mich immer da. Ich habe auch mal kurz überlegt, ob ich Diplomat werden will, da mich das Internationale sehr gereizt hat.

Budei: Sehr ambitioniert! Woran ist es gescheitert?

Lang-Koetz: Ich weiß es gar nicht genau. Ich glaube, dann hätte ich Politikwissenschaften studieren müssen. Aber dann hat es mich eher zur technischen Seite gezogen.

Budei: Gab es in deinem Studium etwas, das Du dir mehr von deinen Professoren gewünscht hättest?

Lang-Koetz: Nun, es gab ein paar Professoren, die haben begeistert und die konnten auch gut erklären. Und bei denen haben einige von uns – und auch ich – die Vertiefung gewählt. Obwohl es ein sehr spezielles Fach war (es ging um Strömungslehre im Wasserbereich). Schwierige Sachen einfach erklärt, das habe ich bei vielen vermisst. Nicht, weil ich zu faul war, mir das Wissen selbst anzueignen, sondern eher die Begeisterung fürs Thema. Und praxisrelevante Projekte habe ich auch vermisst.

Budei: Also versuchst Du deine Inhalte einfacher zu erklären?

Lang-KoetzJa, das versuche ich. Allerdings ist das auch ein Spannungsfeld, denn wenn es nur noch banal und einfach ist und man die dahinterliegenden Theorien nicht versteht, dann fehlt etwas Grundsätzliches. Zum Beispiel lehre ich, wie man Ideenfindung im Unternehmen organisieren und welche Methoden man hierbei einsetzten kann. Das ist aktuell, allerdings kann das in zehn bis fünfzehn Jahren alles anders sein und wenn ich dann die Theorie nicht verstanden habe, dann wäre das auch nicht das richtige.

Budei: Was willst Du denn deinen Studenten mit auf den Weg geben?

Lang-Koetz: Speziell im Bereich Innovationsmanagement ist mir wichtig, dass man sich – vor allem wenn man dann im Unternehmen steckt – die Neugierde bewahrt. Ich denke, dass viele Menschen von Natur aus neugierig sind, aber in einer optimierten Firma dann in ein Arbeitskorsett eingezwängt werden. Und dass es nicht unbedingt erwünscht ist, ständig mit neuen Ideen zu kommen. Trotzdem muss man sich die Neugierde bewahren, ausleben und immer wieder mit in die Firma bringen und sich auch nicht demotivieren lassen. Das wäre eine Grundeinstellung. Auch das kritische Denken ist wichtig. Die meisten Firmen sagen, sie wollen kritische Denker, stellen diese dann aber nicht ein. Da muss man ein bisschen aufpassen, was passt in der Firma und wo die Grenzen sind. Und das kommunizieren können ist auch wichtig. Ich kann die Methoden noch so gut kennen: Wenn ich nicht mit Leuten sprechen kann, bringt das nichts.

Budei: Neugierde, kritisches Denken und Kommunikation, das sind wichtige Eigenschaften. Das möchte ich gleich aufgreifen und neugierig eine Frage stellen: Kam der Freund aus Nordkorea wieder zurück?

Lang-Koetz: Ja (lacht), der kam wieder zurück. Und er hat tolle Fotos mitgebracht. Manche auch illegal, das hätte ich ihm nicht empfohlen, aber gut. Neugier eben.

Claus Lang-Koetz lehrt im Weitebildungsprogramm das Modul Innovationsmanagement. Und er lehrt nicht nur, sondern lernt immer wieder Neues von seinen beiden Töchtern. Vor allem, dass man immer neugierig sein sollte.