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Gold aus Amazonien

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Nachhaltigkeit des Goldabbaus auf den Prüfstand gestellt

Nachhaltigkeit des Goldabbaus auf den Prüfstand gestellt

Die Deutschen würden „zu viel Jack London und Karl May mit einer Prise Greenpeace“, in die Lebensweise der Bewohner des Amazonas – Gebietes interpretieren. Professor Dr. Mario Schmidt machte sich anlässlich des 6. Deutsch-Brasilianischen Umweltsymposiums Anfang Oktober 2013 selbst ein Bild von der Lage der Goldgräber in Brasilien. Diese Erfahrungen gibt der Pforzheimer Professor an die Studierenden des Studiengangs für Ressourceneffizienz-Management weiter. Außerdem plant er eine Zusammenarbeit mit der brasilianischen Universität in Santarem.

„Bei uns existieren viele Klischees über das Leben in der Wildnis“ so Mario Schmidt. Der Professor für Ressourceneffizienz an der Hochschule Pforzheim nutzte seine Teilnahme am Symposium, um sich vorab über den „einfachen“ Goldabbau in Brasilien durch die sogenannten Garimpeiros zu informieren. In Deutschland würde ein Konflikt zwischen den „guten“ indigenen Bewohnern und den „bösen“ Holzfällern und Goldgräbern aufgebaut. „In der Realität geht es ums nackte Überleben“, erklärte der Pforzheimer Professor. „Die Armut ist die wesentliche Triebfeder für viele Fehlentwicklungen.“ Schmidt nannte in diesem Zusammenhang etwa die Abholzungen oder die Freisetzung von Quecksilber durch die Goldgewinnung.

„Die Probleme im Regenwald lassen sich nur vor dem schwierigen sozialen Hintergrund Brasiliens verstehen.“ Schmidt betont deshalb die Notwendigkeit, ökologische Tragfähigkeit und soziale Anforderungen als zwei Seiten ein und derselben Medaille zu betrachten.

Das 6. Deutsch-Brasilianische Umweltsymposium wurde von der baden-württembergischen Ministerialdirektorin des Wissenschaftsministeriums, Simone Schwanitz, in Santarem eröffnet. Die Amazonasstadt liegt zwischen Manaus und Belem. „Fim do mundo“ – am Ende der Welt, so erklären die Bewohner von Santarem ihre Lage selbst, dabei wohnen sie in der Mitte der naturreichsten Gegend der Welt. Bei Santarem mündet der Rio Tapajos in den Amazonas. Für die junge Universität UFOPA in Santarem war das Umweltsymposium ein wichtiger Impuls für Bildung und Wissenschaft in der Amazonasregion und für die Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern aus Baden-Württemberg.
„Wir werden unseren Kontakt nach Santarem verstärken und die Bedingungen vor Ort gemeinsam untersuchen“, meinte Professor Schmidt. Schmidt besuchte gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Bernhard Peregovich von der UFOPA die Garimperios, die 500 Kilometer tief im Regenwald leben und arbeiten. Gold biete sich als Studienobjekt besonders an, weil man in Deutschland nur das Ende der Verarbeitungskette sehe. „In den Gebieten wie Amazonien nimmt die Produktion aber ihren Anfang, mit allen sozialen und ökologischen Problemen“, so Mario Schmidt.