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Studium Generale

Seit 1985 lädt die Hochschule Pforzheim Studierende, Professoren, Mitarbeiter und interessierte Gäste aus der Stadt und der Region zu einem anspruchsvollen STUDIUM GENERALE-Programm ein. Die Referenten sind renommierte Wissenschaftler, Unternehmer, Politiker, Künstler und Menschen, die Außergewöhnliches geleistet haben. Hunderte von interessierten Zuhörern nutzen immer wieder die Chance zur Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Themenfeldern, um ihren Horizont zu erweitern, Neues, Anregendes, manchmal auch Irritierendes zu erfahren und interessante Persönlichkeiten aus der Nähe zu erleben.
Sie alle sind herzlich eingeladen zum STUDIUM GENERALE an Ihrer Hochschule!

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Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19 Uhr im Walter-Witzenmann-Hörsaal in der Tiefenbronner Straße 65.

Prof. Dr. Rafaela Hillerbrand Hillerbrand,HumTec,RWTH

Dr. Dr. Rafaela Hillerbrand  ist Professorin für Technikethik und Wissenschaftsphilosophie am ITAS, dem Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des KIT (Karlsruhe Institut für Technologie). Ihr Arbeitsgebiet verbindet Erkenntnistheorie und Ethik. Es geht ihr zentral um die Frage, wie ethische Überlegungen in naturwissenschaftliche Forschung und technisches Gestalten integriert werden können.

Frau Hillerbrand hat nach ihrem Studium an der Universität Erlangen und der University of Liverpool sowohl in Physik als auch in Philosophie jeweils mit „summa cum laude“ promoviert. Bevor sie ans KIT kam, arbeitete sie als Associate Professor an der TU Delft sowie als Juniorprofessorin an der RWTH Aachen, wo sie die Forschungsgruppe „eet – ethics for energy technology“ am Human Technology Centre (HumTec) leitete. Rafaela Hillerbrand war nach ihrer  Promotion mehrere Jahre als Senior Research Fellow an der Universität Oxford tätig. Eine umfangreiche Publikationsliste unterstreicht ihr wissenschaftliches Engagement.

In ihrem Vortrag wird Rafaela Hillerbrand der Frage nachgehen, was die Energiewende mit dem guten Leben zu tun hat. Unter „gutem Leben“ wird in diesem Zusammenhang verstanden, dass das Wohlergehen einer Person eng mit ihrer Lebensweise und mit der Freiheit verbunden ist, sich für eine Lebensweise  entscheiden zu können. Zentral ist dabei für Hillerbrand der  sogenannte „Capability Ansatz“. Das „gute Leben“ für einen Menschen wird nicht daran festgemacht, was unter sozialen, ökologischen oder ökonomischen Gesichtspunkten für den Menschen gut ist, dieser Ansatz geht viel mehr vom einzelnen Menschen aus und fragt nach seinen Fähigkeiten und seinen Verwirklichungschancen.

In diesem Sinne muss die Energiewende zu einem Energiesystem führen, das diese Bedürfnisse der Menschen beachtet und erfüllt. 

Dr. Volker Lüdemann ist Professor für Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht an der Hochschule Osnabrück und Wissenschaftlicher Leiter des Niedersächsischen Datenschutzzentrums. Der Rechtswissenschaftler und Volkswirt hat nach seinem Studium mehrere Forschungsaufenthalte in Russland absolviert. Von 1999 bis 2008 war er in verschiedenen Führungspositionen bei Volkswagen Financial Services tätig, bevor er 2009 den Ruf an die Hochschule Osnabrück annahm. Er beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit datenschutzrechtlichen Fragestellungen. Sein Spezialgebiet ist das Recht der Digitalisierung. Im Vordergrund stehen das autonome Fahren, Connected Car und Smart Home. Volker Lüdemann ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen. Seit 2014 ist er zudem Vorsitzender der Ethikkommission der Hochschule Osnabrück. Im Jahre 2017 war er Sachverständiger im Gesetzgebungsverfahren der Bundesregierung zum vernetzten und automatisierten Fahren.

Professor Lüdemann beschäftigt sich in seinem Vortrag mit der Frage: „Warum interessieren sich Google, Apple und Co. plötzlich für das selbstfahrende Auto?“ Aus seiner Sicht ist der Haupttreiber des vernetzten Fahrens nicht die klassische Automobilindustrie, sondern die Digitalwirtschaft. Ziel ist das vollvernetzte selbstfahrende Auto. Der Vortrag wird der Frage nachgehen, welche tiefgreifenden Auswirkungen dies auf unsere Wirtschaft, unsere Städte und unseren Alltag haben wird, aber auch mit welchen Herausforderungen unser Rechts- und Wertesystem in diesem Zusammenhang konfrontiert sein wird.

Doris Hess hat an der Universität Mannheim Soziologie und Geschichte studiert und am renommierten Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin gearbeitet, bevor sie in den 80er Jahren zum Bonner infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft kam, wo sie den Geschäftsbereich Sozialforschung leitet.

Doris Hess war bei infas für die große Vermächtnisstudie verantwortlich, welche DIE ZEIT, infas und WZB gemeinsam initiiert haben. Über 3.000 Menschen in Deutschland sind für diese repräsentative Studie in einem persönlichen Interview sehr ausführlich dazu befragt worden, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen.

Kennen wir uns eigentlich selbst? Wissen wir, was wir wollen, was wir schätzen an unserem Leben und was wir gerne nachfolgenden Generationen mit auf den Weg geben würden? Worauf könnten wir verzichten? Was ist uns wichtig? In welchem Verhältnis stehen für uns Beruf und Privates, persönliche Erfüllung und materieller Wohlstand, Selbstbestimmtheit und Familienwunsch? Welche sinnlichen Eindrücke nehmen wir als Schatz mit in die Zukunft? Um all diese Fragen geht es in der großen Vermächtnisstudie, und Doris Hess wird die wichtigsten Ergebnisse dieser Zukunftsstudie in ihrem Vortrag vorstellen.

Dr. Martin Korte ist Professor für Zelluläre Neurobiologie an der TU Braunschweig und geschäftsführender Leiter des Zoologischen Institutes. Er hat an den Universitäten Münster und Tübingen Biologie studiert. Nach der Promotion war er von 1998 bis 2004 Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Neurobiologie, München-Martinsried und habilitierte sich an der LMU in München. Seine Arbeitsgebiete sind vor allem die zellulären Grundlagen von Lern- und Gedächtnisvorgängen, die Gehirnentwicklung und plastische Vorgänge im Säugetiergehirn. Außerhalb der akademischen Welt ist er durch seine Fernsehauftritte und Publikationen bekannt. Der Titel seines jüngsten Buches ist auch der Vortragstitel im Studium Generale: „Wir sind Gedächtnis: Wie unsere Erfahrungen bestimmen, wer wir sind.“

Korte geht davon aus, dass wir in unseren Gehirnen ungeheure Datenmengen abgespeichert haben, wahrscheinlich sogar mehr als die größten Computer dieser Welt. Wie effektiv wir mit diesen Informationen umgehen, warum gerade der Geruchssinn einen schnellen Zutritt zum Gehirn hat oder wie die "Kindliche Amnesie" funktioniert - mit diesen Fragen beschäftigt sich der Hirnforscher und nimmt sein Publikum mit auf eine Reise ins Epizentrum des Ich-Bewusstseins. Er zeigt, wie vielfältig das Gedächtnis unser Denken und Handeln bestimmt - und wie wandelbar unsere Erinnerungen sind, die bei jedem Abrufen neu konstruiert werden. Er erläutert die unbewussten Seiten des Gedächtnisses, die etwa unsere Intuition und Routinehandlungen steuern, und erklärt, warum Schlaf und Vergessen so essentiell für unsere Gedächtnisprozesse sind. Kortes These ist: Erinnerungen sind nicht nur eine Anhäufung von Wissen und Einzelheiten unserer Autobiographie, sondern der Stoff, aus dem unsere Identität gemacht wird. Anders gesagt: Wir Menschen sind unser Gedächtnis - und unser Gedächtnis sind wir.