Wie sicher bremsen Radfahrende in Deutschland?

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Studie des Instituts for Smart Bicycle Technology zeigt Wissenslücken und Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr

Mit dem Fahrrad sicher unterwegs: Studien des Instituts für Smart Bicycle Technology beschäftigen sich mit dem Bremsverhalten von Radfahrenden in Deutschland

Viele Radfahrende in Deutschland kennen ihr eigenes Bremssystem nicht genau, das hat Folgen für die Verkehrssicherheit. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Forschungsprojekts „KombiABS“ an der Hochschule Pforzheim. Die Ergebnisse machen deutlich: Neben technischer Innovation braucht es vor allem mehr Aufklärung über sicheres Bremsverhalten. Im Rahmen einer bundesweiten Online-Befragung wurden 1.000 Radfahrende zu ihrem Wissen über Fahrradbremsen und ihrem Bremsverhalten befragt. Das Forschungsprojekt „KombiABS“ wird federführend am Institute for Smart Bicycle Technology der Hochschule Pforzheim durchgeführt. Unter der Schirmherrschaft des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) und mit Unterstützung der ARCD Verkehrssicherheit GmbH untersucht das Projekt, wie Fahrrad- und Pedelec-Bremsen sicherer gestaltet werden können.

Im Fokus stehen dabei sogenannte Kombibremssysteme und Antiblockiersysteme (ABS). Anders als bei herkömmlichen Fahrrädern, bei denen Vorder- und Hinterradbremse getrennt bedient werden, ermöglicht eine Kombibremse das gleichzeitige Bremsen beider Räder über nur einen Bremshebel. Die Studie zeigt jedoch: Viele Radfahrende wissen nicht genau, wie ihr eigenes Bremssystem funktioniert. Nur etwa ein Drittel der Befragten wusste korrekt, dass in Deutschland üblicherweise der linke Bremshebel die Vorderradbremse betätigt. Auch beim verbauten Bremstyp, etwa Scheiben-, Felgen- oder Rücktrittbremse, herrscht häufig Unsicherheit.

Besonders kritisch wird dies in Gefahrensituationen. Zwar nutzen knapp zwei Drittel der Befragten bei einer starken Bremsung beide Bremsen gleichzeitig. Fast jede fünfte Person bremst jedoch nur mit einem Bremshebel,  häufig ausschließlich mit der Hinterradbremse, die allein nur eine eingeschränkte Bremswirkung bietet. Hinzu kommt: Viele Radfahrende sind im Alltag regelmäßig nur mit einer Hand am Lenker unterwegs, etwa beim Abbiegen oder Geben von Handzeichen. In solchen Situationen kann oft nur eine Bremse genutzt werden, was einen zusätzlichen Risikofaktor darstellt.

Auch grundlegendes Wissen über das Verhalten des Fahrrads bei starken Bremsungen fehlt vielen Befragten. Nur ein Teil wusste, dass je nach Untergrund entweder das Vorderrad blockieren oder das Hinterrad abheben kann. Besonders ältere Radfahrende zeigten dabei größere Unsicherheiten. Technische Assistenzsysteme könnten helfen, kritische Situationen zu entschärfen. Fahrrad-ABS etwa verhindert weitgehend das Blockieren des Vorderrads und reduziert so die Gefahr eines Überschlags. Allerdings kennen bislang nur rund 40 Prozent der Befragten solche Systeme überhaupt. Die Forschenden sehen daher nicht nur in technischen Lösungen großes Potenzial, sondern auch in besserer Aufklärung. Bremssysteme müssten so gestaltet sein, dass sie intuitiv und sicher bedient werden können – unabhängig von Erfahrung oder technischem Vorwissen. „Ziel ist eine stabile und kontrollierte Verzögerung in jeder Situation“, fasst Professor im Ruhestand Jürgen Wrede die Forschungserkenntnisse zusammen. 

Ein Artikel von Professor Wrede zu diesem Thema wurde auch in der aktuellen Ausgabe des Reports des Deutschen Verkehrssicherheitsrats veröffentlicht