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Wichtigster Preis der deutschen Textilindustrie

Die Hochschule Pforzheim räumt ab: Beim wichtigsten Preis der deutschen Textilindustrie erhielten zwei Mode-Absolventen sowie der Pforzheimer Studiengang Accessoire Design eine Auszeichnung. Zusammen mit den Professoren Johann Stockhammer und Sibylle Klose nahmen am vergangenen Mittwochabend, 11. Mai 2016, die beiden Absolventen Amelie M. Gaydoul, und Timo Schuster den Förderpreis der Wilhelm-Lorch-Stiftung entgegen. Die Auszeichnungen wurden im Rahmen des 58. Forums der TextilWirtschaft in der Print Media Academy in Heidelberg vergeben. In den vergangenen sechs Jahren gehörten die Pforzheimer Absolventen immer zu den Preisträgern.

Sie will das starre System der Geschlechtergrenzen aufbrechen – so das erklärte Ziel von Amelie M. Gaydoul. Mit ihrer Abschluss-Kollektion „NO MAN LAND“ entwarf sie daher ein Bekleidungskonzept für beide Geschlechter. Bewusst entschied sich die Pforzheimer Absolventin gegen eine sogenannte Unisex-Kollektion, denn diese „gleichen sich immer der männlichen Kleidung an“, sagt die Designerin. So nutzt sie männliche und weibliche Kleidungselemente und setzt darauf, dass der Träger sie seiner Person anpasst. Mit Wickeleffekten lassen sich die Längen und Silhouetten verändern.

Die Männermode von Timo Schuster ist dagegen eine Art Kuriositätenkabinett. In seiner Abschlusskollektion „PANOPTIKA” experimentiert er mit dem Prinzip des Sammelns, der Vielfalt und dem Facettenreichtum von Stilen und Gegenständen. Wie im Kuriositätenkabinett kann sich der Betrachter wundern: über Jackets und Sakkos, die die Form eines Hemdkragens haben, über Reißverschlüsse, die auf einem T-Shirt angebracht sind und an Outdoor-Kleidung erinnern. „Das Studium in Pforzheim hat uns in vielen Bereichen ‚großes Denken’ beigebracht. Die Mischung aus Theorie, Design-Praxis und künstlerischer Arbeit in den Ateliers gab uns immer die Möglichkeit, neue Einflüsse zu erhalten. Diese sind für das konzeptionelle Arbeiten an einer Kollektion sehr wichtig“, sind sich beide Preisträger einig. Beide Designer sammeln derzeit Praxiserfahrung und planen ein Masterstudium.

Mit den Auszeichnungen der Lorch-Stiftung wird das Studienkonzept der Hochschule Pforzheim erneut bestätigt. Neben den Absolventen des Studiengangs Mode, die seit Jahren zu den Preisträgern zählen, wurde im Mai 2016 auch der gesamte Studiengang Accessoire Design prämiert. Der bundesweit einzigartige Studiengang ging im Wintersemester 2011/12 an den Start und seine Absolventen genießen in der Branche große Aufmerksamkeit. Die Studierenden kreieren Taschen, Schuhe, Gürtel und Schals für ein sehr umsatzstarkes Segment in der Mode. Der Studiengang schließt damit eine Lücke in der Ausbildung. „Heutige Accessoire Designer kommen aus der Mode oder dem Industriedesign und ihnen fehlt oft die Erfahrung im Umgang mit Materialien wie Leder“, sagt Studiengangleiter Professor Johann Stockhammer. Mit dem Geld des Förderpreises baut die Hochschule die Werkstätten weiter aus. So erhält die Lederwerkstatt Spezialmaschinen wie eine Spaltmaschine. „Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, visionäre Design-Ideen nicht nur zeichnerisch oder animiert darzustellen, sondern uns sehr stark mit Machbarkeit, Umsetzbarkeit, Trage- und Materialkomfort auseinanderzusetzen. Die Fördersumme unterstützt uns darin“, freute sich Johann Stockhammer.

Die Wilhelm-Lorch-Stiftung zeichnete in diesem Jahr zum 27. Mal den Branchen-Nachwuchs aus. Zweck der Stiftung ist die Förderung der Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe sowie die Förderung von Wissenschaft und Forschung. Aus allen Bereichen der gesamten Textilwirtschaft werden nach Maßgabe des Stiftungszwecks begabte Nachwuchskräfte in der Aus- und Fortbildung gefördert. Die Gesamtsumme der Fördermittel belief sich dieses Jahr auf 100.000 Euro.

 

Fotos der Verleihung: Thomas Fedra