Wenn Argumente keine Keulen sind: Marie-Theres Braun zeigt, wie Überzeugen ohne Rechthaberei gelingt
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Prof. Dr. Christa Wehner, Prof. Dr. Ulrich Jautz, Rhetorikexpertin Marie-Theres Braun sowie Prof. Dr. Frauke Sander (v.l.n.r.) freuen sich über den Auftakt des Studium Generale. Foto: Susanne Materac
Volles Haus, gespannte Aufmerksamkeit und viele Aha-Momente prägten den Abend im Studium Generale der Hochschule Pforzheim. Mit ihrem Vortrag „Menschen überzeugen – Die Stärke der kooperativen Kommunikation“ zeigte Marie-Theres Braun pointiert und unterhaltsam, dass gute Gespräche nicht dort beginnen, wo man am lautesten recht hat, sondern dort, wo man trotz unterschiedlicher Standpunkte im Gespräch bleibt. Im Zentrum ihres Vortrags stand die Frage, wie Verständigung gelingen kann, wenn Positionen verhärtet sind, auch mal die Emotionen hochkochen und das Zuhören zunehmend hinter dem eigenen Rechthaben zurücktritt.
Als besondere „Brandbeschleuniger“ benannte die Referentin drei Muster: emotional aufgeladene Wertethemen, binäres Denken in Kategorien wie richtig oder falsch sowie ein Gefühl von Ohnmacht. Wo diese Faktoren zusammenkämen, entstünden schnell extreme Kommunikationsformen. Die einen zögen sich zurück, die anderen gingen frontal in den Angriff. Beides, so ihre Botschaft, helfe nicht weiter. „Kommunikation ist kein Kriegsschauplatz“, sagt Rhetoriktrainerin Marie-Theres Braun, „es geht nicht darum, anderen mit schlagfertigen Sprüchen zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat“. Stattdessen lenkte Braun den Blick auf die Zwischentöne: „Es gibt auch einen Raum dazwischen“, sagte sie, „und in diesem Raum liegt unsere Überzeugungskraft.“
Besonders anschaulich wurde der Abend dort, wo Braun ihre Methoden mit Beispielen aus Alltag, Beruf und Öffentlichkeit verknüpfte. Eindrucksvoll schilderte sie etwa, wie stark Diskussionen heute von Polarisierung geprägt seien – in Online-Foren, bei der Gender-Frage oder auch in Team-Besprechungen. Im Streit, so ihre Beobachtung, unterstellten die Beteiligten dabei oft der andere sei „dumm, krank oder böse“. Das Gegenüber werde zur Karikatur. Solche Zuschreibungen, so Braun, blockierten jedoch jedes ernsthafte Gespräch. Denn wer sein Gegenüber bloßstellt oder mundtot macht, mag rhetorisch punkten, überzeugt aber niemanden. Entsprechend schlussfolgerte Braun: „Verlierer stimmen nicht zu. Verlierer rüsten auf.“
Erst wenn Menschen sich verstanden fühlen, sind sie bereit, ihre eigene Position zu überdenken. Das bedeutet, aktiv zuzuhören, Fragen zu stellen und zu versuchen, die Perspektive des Anderen einzunehmen. Erfolgreiche Kommunikation legt den Fokus daher darauf, Widerstand nicht zu verstärken, sondern zu reduzieren. Zugleich betonte sie, dass kooperative Kommunikation nichts mit Nachgiebigkeit zu tun hat. Es gehe weder um faule Kompromisse noch darum, die Wahrheit automatisch in der Mitte zu suchen. Entscheidend sei vielmehr, die andere Person ernst zu nehmen, ohne den eigenen Standpunkt aufzugeben.
Brauns Kernbotschaft: Wer Menschen gewinnen will, sollte auf kooperative Gesprächstechniken, kluge Wortwahl und eine Haltung setzen, die Unterschiede aushält, statt sie sofort zu bekämpfen. Gerade in polarisierten Zeiten wirkte das wie eine kleine Revolution mit großen Chancen: weniger Schlagabtausch, mehr Bewegung im Denken. Zum Abschluss gab sie den Tipp: „Reden Sie doch mal mit einem Kotzbrocken. Anfangs vielleicht nicht mit dem Größten, fangen Sie klein an, um eine positive Erfahrung zu machen. Am Ende zeichnet sich ein gutes Gespräch auch nicht dadurch aus, dass eine Person zu hundert Prozent recht hat, sondern dadurch, dass hinterher beide ein bisschen anders denken als vorher“.
Überzeugen ohne Lautstärke: Marie-Theres Braun machte im Studium Generale deutlich, warum gute Gespräche nicht vom Rechthaben leben – sondern vom Zuhören, Verstehen und Aushalten von Unterschieden. Foto: Susanne Materac