VIA Impulse mit Jean Hamacher
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„Sie bekommen hier den Werkzeugkasten für Ihre Zukunft.“
Wie im Studium läuft auch bei der Organisation von Veranstaltungen nicht immer alles nach Plan A. „Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum“, witzelte Prof. Dr. Markus-Oliver Schwaab zu Beginn des VIA Impulse Vortrags am 21. September 2026 im voll besetzten Audimax der Hochschule Pforzheim, als der ursprünglich vorgesehene Referent kurzfristig absagen musste. Ein Glücksfall für die anwesenden Erstsemester: In Jean Hamacher, Chairman of Advisory Board bei der Objektkultur Software GmbH und Alumnus der Business School Pforzheim, fand sich spontan ein würdiger und mitreißender Ersatz. Offen, humorvoll und nahbar nahm er die Studierenden mit auf eine Reise durch seinen schulischen wie beruflichen Werdegang und teilte wertvolle Ratschläge aus den Höhen und Tiefen seiner Karriere.
„Mein Interesse am Lernen war null“: Ein ungewöhnlicher Weg ins Studium
Dass sein Weg ihn einmal an die Spitze eines erfolgreichen IT-Unternehmens führen würde, war zu Schulzeiten nicht abzusehen. „In der Waldorfschule war ich ein lausiger Schüler. Mein Interesse am Lernen war null“, bekannte Hamacher ehrlich. Erst über eine Berufsausbildung und das nachgeholte Abitur begriff er, dass es sich lohnt, zu lernen. Sein Studium an der Hochschule Pforzheim trat er schließlich mit einer völlig neuen Einstellung an. Den Erstsemestern gab er direkt schmunzelnd ein Learning für die kommenden Semester mit auf den Weg: „Wenn Sie frühmorgens im Bett liegen, denken Sie an diese Worte: Es ist immer leichter in der Vorlesung zu sitzen, als sich den Stoff danach mühsam anzulesen.“
Schon während des Studiums spürte Hamacher seinen unternehmerischen Drang. Als er bereits nebenher auf Auftragsbasis für die Siemens AG arbeitete, faszinierte ihn der Gedanke der Selbstständigkeit: „Ich fand die Vorstellung, selbstständig zu sein, in den Spiegel zu sehen und nur mir selbst Rechenschaft schuldig zu sein, sehr attraktiv.“ Als die Nebentätigkeit so erfolgreich wurde, dass er problemlos davon leben konnte, dachte er kurzzeitig sogar über einen vorzeitigen Abbruch des Studiums nach. Sein damaliger Chef machte ihm aber deutlich, wie wichtig ein akademischer Abschluss für seine weitere Entwicklung sei. Zum Glück, wie Hamacher rückblickend betont. Nicht nur sei ein akademischer Titel wertvoll, vor allem das methodische, strukturierte Lernen habe er erst an der Hochschule Pforzheim gelernt.
Der Werkzeugkasten fürs Leben: Praxis, Teamgeist und Auslandssemester
Seinen Zuhörerinnen und Zuhörern machte der Wirtschaftsinformatik-Alumnus Mut für den vor ihnen liegenden Weg: „Sie bekommen hier den Werkzeugkasten“, um im späteren Berufsleben zu bestehen. Um diesen Kasten optimal zu füllen, empfahl er den Studierenden, früh Praxiserfahrungen zu sammeln und sich zu vernetzen.
Neben der Praxis hob Hamacher immer wieder die Bedeutung von Gemeinschaft und Netzwerken hervor: „Schauen Sie mal nach links und rechts und knüpfen Sie Kontakte! Im Team lernen macht sehr viel Spaß und ist schlichtweg effizienter.“ Freunde und Studienkollegen seien auch in späteren Jahren unverzichtbare Stützen für wichtige Projekte gewesen. Auf die Frage aus dem Publikum, ob sich ein Auslandssemester während des Studiums lohne, gab er eine ebenso kurze wie eindeutige Antwort: „Machen Sie es! Ein halbes Jahr in einem anderen Land ist später nicht mehr so leicht umzusetzen.“
Von „nah dran an der Garage“ zum Unicorn
Mit dem Abschluss als Diplom-Betriebswirt in der Tasche wagte Hamacher schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete das Softwareunternehmen Objektkultur Software GmbH. Die Anfänge waren bescheiden: „Es war keine Garage, aber es war nah dran“, erinnerte er sich. Aus dem Start-up entwickelte sich schnell ein florierendes Unternehmen, doch Hamacher blieb auch von weltwirtschaftlichen Erschütterungen nicht verschont. „Katastrophen wie der 11. September 2001 sind ein Riesendämpfer für die Wirtschaft“, betonte er. In solchen Zeiten sei eine solide finanzielle Aufstellung überlebenswichtig.
Gleichzeitig beschrieb er, wie aus Krisen Chancen erwachsen können: Als während der Pandemie viele hochqualifizierte Fachkräfte ihren Arbeitsplatz verloren, nutzte er die Gelegenheit und stellte gezielt Talente ein. Der Mut zahlte sich aus: „Wir sind in dem Jahr nach Covid um mehr als 30 Prozent gewachsen.“ Auch beim späteren Verkauf seines Unternehmens profitierte er direkt von den Grundlagen seiner Studienzeit: „Da habe ich ganz viel von meinem alten BWL-Wissen gebraucht, was ich hier gelernt habe. Das Lesen von Bilanzen und das Verstehen der steuerlichen Belange eines Unternehmens zum Beispiel.“ Bei der Kommunikation des Firmenverkaufs setzte er auf ein klares Führungsverständnis: „Wir haben es den Mitarbeitern gegenüber sehr transparent gemacht, und das war auch richtig.“
KI als Tool der Zukunft
In der anschließenden Fragerunde ging Hamacher intensiv auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt ein. Insbesondere beim Thema Künstliche Intelligenz riet er den Studierenden zu Offenheit und kontinuierlicher Beschäftigung: „Wir wollen, dass Studierende KI nutzen. Setzen Sie sich immer wieder damit auseinander, denn Sie werden es nie vollkommen beherrschen, weil es sich immer verändert.“
Zum Ende seines Vortrags war dem Referenten die Begeisterung für das Unternehmertum in jeder Faser anzumerken. Jean Hamacher schloss seine inspirierenden Ausführungen und gab den Studierenden noch eine Prise Pioniergeist mit auf den Weg: „Wenn mir mal ganz langweilig ist, gründe ich wieder ein Startup, denn ich finde, das ist ein ganz toller Werdegang.“ Ein Schlusswort, das das Audimax mit anhaltendem Applaus quittierte.


