VIA Impulse mit Gunjan Bhardwaj
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„Die beste Zeit meines Lebens war mein Bachelor-Studium. Ich wünschte, ich könnte jetzt dort sitzen, wo ihr gerade sitzt.“
Mit diesen Worten hieß Gunjan Bhardwaj, Alumnus der Business School Pforzheim und heutiger CEO von Partex.AI N.V., die internationalen Erstsemester der englischsprachigen Bachelorstudiengänge am 21. Septemer 2026 auf dem Campus willkommen. In seinem mitreißenden Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe VIA Impulse im Audimax der Business School Pforzheim nahm er die neuen Studierenden mit auf eine beeindruckende Reise: von seinen Anfängen in Indien über seine prägende Studienzeit an der Hochschule Pforzheim bis hin an die Spitze eines innovativen Tech-Unternehmens.
Von Atomreaktoren und 14.000 Sitzsäcken
Bhardwaj wuchs in Indien auf und entwickelte schon früh eine große Leidenschaft für Mathematik. Angetrieben von ehrgeizigen Zielen bewarb er sich für das renommierte Indian Institute of Technology (IIT) in Mumbai, dessen Aufnahmetest jedes Jahr von Millionen Bewerbern absolviert, aber nur von einigen Tausend bestanden wird. Dass Gunjan Bhardwaj selbst den Test erfolgreich bestand, schrieb er rückblickend jedoch nicht nur dem eigenen Fleiß zu: „Ich hatte großartige Freunde, die ihr Wissen mit mir geteilt und mich unterstützt haben.“ Das gemeinsame Lernen im Team zieht sich seither als roter Faden durch seine Bildungslaufbahn. Die Aufnahme am IIT war für ihn zudem nicht das Ziel, sondern „lediglich der Anfang und der Beginn einer wundervollen Zeit“. Den internationalen Pforzheimer Erstsemestern riet er, ihren Studienabschnitt ebenso intensiv zu nutzen: „Ihr habt alle Zeit der Welt, um so viel Wissen wie möglich aufzusaugen.“
Schon während der Studienzeit erwachte in Bhardwaj und seinen Kommilitonen der Unternehmergeist. Im Alter von gerade einmal 18 Jahren entwickelten sie Pläne für ein spezielles Druckluftventil für Kernreaktoren und präsentierten ihre Idee stolz einem erfahrenen Geschäftsmann. Dieser schmunzelte über die ambitionierten Pläne der Jugendlichen und schlug ihnen stattdessen vor, Sitzsäcke herzustellen. Die Nachwuchsunternehmer ließen sich nicht entmutigen, analysierten Maße und Kosten, entwickelten Produktionsprozesse und verkauften am Ende zwar keine Ventile für Atomkraftwerke, dafür aber 14.000 Sitzsäcke.
Schwäbisch im Steuerrecht und der Mut, zu fragen
Sein nächster großer Lebensabschnitt führte Bhardwaj schließlich an die Business School Pforzheim, wo er den MBA in International Management und Marketing studierte. Sein Wissensdurst war ungestillt: In einem einzigen Semester belegte er 16 verschiedene Kurse gleichzeitig, was bei seinen Professoren für erhebliches Erstaunen sorgte. Doch für Bhardwaj hatte diese Fülle System: „Die Kurse, die ich hobbymäßig besuchte, waren genau die, in denen ich am meisten gelernt habe.“
Als sei das Kurspensum nicht schon ausfüllend genug gewesen, bewarb er sich parallel auf eine Stelle im deutschen Steuerrecht bei EY. Das Besondere daran: Bhardwaj hatte weder Vorkenntnisse im Steuerrecht noch sprach er zu diesem Zeitpunkt Deutsch. Neben den Vorlesungen lernte er also in Rekordzeit die deutsche Sprache und die Kniffe des Steuerrechts. Mit einem Lachen erinnerte er sich an die anfänglichen Sprachhürden im Alltag: „Die Leute, die mir die steuerlichen Fachbegriffe beigebracht haben, waren alle Schwaben.“
Neben Fleiß und Zielstrebigkeit betonte Bhardwaj auch, wie wichtig Eigeninitiative auf dem Karriereweg sei. So berichtete er, wie er sich einst traute, den Chairman von EY direkt anzusprechen, um ihn als Mentor zu gewinnen. Sein Credo dabei: „Wer nicht fragt, bekommt nichts. Man hat nur ein Leben und eine einzige Gelegenheit, zu fragen.“
Revolution in der Medizin und der richtige Umgang mit KI
Heute steht Gunjan Bhardwaj an der Spitze von seinem eigenen Unternehmen Partex.AI N.V. und verfolgt die Vision, die Pharma- und Medizinbranche mithilfe von Künstlicher Intelligenz nachhaltig zu verändern. „Wir durchbrechen veraltete Strukturen“, erklärte er. Um im Zeitalter der Digitalisierung erfolgreich zu sein, gab er den Studierenden wertvolle Ratschläge zur Nutzung neuer Technologien mit auf den Weg: „Versteht die Grundprinzipien und lernt, KI richtig einzusetzen.“
Gleichzeitig ermutigte er sie zu kritischem Denken und ständiger Neugier. Man solle sich nie mit dem Status quo zufriedengeben: „Akzeptiert nicht einfach alles, was man euch sagt. Versucht zu verstehen, wie die Dinge funktionieren, an der Hochschule, im Leben, überall.“ Um stets neugierig zu bleiben, sei es entscheidend, sich immer wieder tiefgehend mit unterschiedlichsten Themen zu beschäftigen: „Genauso wie man seinen Körper trainieren muss, muss man auch seinen Geist trainieren.“
„Feuer im Herzen“: Streben nach Exzellenz statt Ruhm
In der anschließenden Fragerunde wollten die Studierenden wissen, wie Bhardwaj sein gewaltiges Arbeitspensum bewältige und woher er die unaufhörliche Energie nehme. Der Schlüssel liege in Selbstdisziplin, erläuterte Gunjan Bhardwaj. Er trinke keinen Alkohol, gehe nicht feiern, schlafe selten mehr als vier Stunden pro Nacht und finde seinen Ausgleich in regelmäßiger Meditation. Das Wichtigste sei jedoch die innere Einstellung: „Habt Feuer im Herzen!“
Auf die Frage nach den wichtigsten Erkenntnissen seines Lebens fand er klare, prägnante Worte: „Das Leben ist kurz. Nehmt nichts als selbstverständlich hin.“ Man solle sich bei Rückschlägen nie entmutigen lassen, sondern kontinuierlich an den eigenen Träumen arbeiten: „Macht einfach immer weiter und setzt euch die richtigen Ziele.“ Für Bhardwaj sollte der Antrieb im Leben nicht im Erreichen äußerer Anerkennung liegen, sondern im Streben nach Exzellenz und persönlicher Weiterentwicklung: „Strebt nach Exzellenz, nicht nach Geld oder Ruhm, das ist am Ende nur ein Nebenprodukt.“

