„Unsere Stimmen zählen genau so viel wie die des Rektors"
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Annika Bölle engagiert sich neben ihrem Studium in der Hochschulpolitik. (Foto: Susanne Materac/ Hochschule Pforzheim)
Im Studierendenrat entscheidet sie mit. Ein Gespräch über Studi-Ticket, Hitzeschutz und die Frage, warum sich so wenige Studierende engagieren.
Annika Bölle studiert im siebten Semester Wirtschaftsrecht an der Hochschule Pforzheim und ist Vizepräsidentin des Studierendenrats und Präsidentin der Initiative European Law Students Association Pforzheim, kurz ELSA.
Was passiert hinter den Kulissen?
Sehr viel. Es ist spannend, was im Fakultätsrat und im Senat besprochen wird. Das bekommt man als Student nicht mit, wenn man nur zur Vorlesung kommt und wieder geht. Im letzten Semester haben wir zum Beispiel über einen Hitzeschutzplan diskutiert. Nach der großen Hitzewelle im Sommer waren sich Professoren und Studierende einig, dass es zu heiß zum Lernen ist. In manchen Büros hatte es über 40 Grad. Das Thema ist weiterhin sehr aktuell – wir müssen wissen, wie wir im nächsten Sommer damit umgehen. Klimaanlagen sind in den Gebäuden nicht so einfach nachzurüsten.
Welches Thema liegt dir besonders am Herzen und warum?
Im Studierendenrat ist das Studi-Ticket für den ÖPNV ein großes Thema, das viele Studierende betrifft. Wir alle profitieren davon, wenn im Studierendenrat mögliche Vergünstigungen besprochen werden. Ein weiteres großes Thema sind die Qualitätssicherungsmittel, kurz QSM. Das sind 250.000 Euro, die das Land zur Verfügung stellt und die wir zwischen den drei Fakultäten aufteilen dürfen. Alle Hochschulangehörigen können beim Studierendenrat Anträge stellen. In unserem Studiengang werden davon zum Beispiel die Tutorien und die Online-Bibliothekszugänge bezahlt. Wir müssen das Geld sinnvoll verteilen, denn davon profitieren alle.
Wie hilft dir dein außerstudentisches Engagement im Studium – und umgekehrt?
Im Studium habe ich gelernt, mit komplexen Sachverhalten umzugehen. Oft sind in den Gremiensitzungen aber auch rechtliche Aspekte wichtig, die ich dann besser einordnen kann.
Wie gehst du damit um, wenn jemand deine Meinung nicht teilt?
Ich bin kompromissbereit und beharre nicht auf meiner Meinung. Es gibt eben verschiedene Blickwinkel. Ich gehe gelassen damit um, versuche aber natürlich, die andere Person zu überzeugen oder gemeinsam einen Kompromiss zu finden.
Was würdest du jemandem raten, der sich engagieren möchte?
Viel zu wenige Studierende engagieren sich. Die Wahlbeteiligung liegt in unseren Gremien bei unter 4 Prozent. Auch wer nicht selbst kandidieren möchte, sollte zumindest diejenigen unterstützen, die sich einsetzen. Der Sinn der Sache ist ja, die Probleme der Studierenden in die Gremien zu tragen. Rektorat und Dekanat wollen unsere Meinung hören und nehmen sich unser Feedback zu Herzen. Unsere Stimmen zählen gleich viel wie die des Rektors oder des Dekans. Viele Studierende bekommen Info-Mails zu den Gremien und fragen mich trotzdem: „Was machst du da eigentlich? Was sind das für Sitzungen?" Das finde ich schade. Engagiert euch!