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Une année à Pforzheim

Professor Dr. Véronique Goehlich, Geneviève Cooper und Christina de Lange (von links). Foto: Michael Karalus

Professor Dr. Véronique Goehlich, Geneviève Cooper und Christina de Lange (von links). Foto: Michael Karalus

Die Beziehungen ins Nachbarland Frankreich werden an der Hochschule Pforzheim auf vielfältige Weise gepflegt. Einen besonderen Beitrag leisten dabei die jungen Französinnen und Franzosen, die sich für einen Freiwilligendienst entscheiden. Seit 2016 kann dieser auch auf dem Pforzheimer Campus absolviert werden. Ermöglicht wird dieser durch das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) – in Frankreich das Office franco-allemand pour la Jeunesse (OFAJ) –, das sich seit 1963 für die Zusammenarbeit der beiden Nachbarländer engagiert. Eine Möglichkeit, die die 21-jährige Geneviève Cooper aus Nantes ergriffen hat. Nach ihrem Studium an der Universität Straßburg entschied sie sich für einen Auslandseinsatz. Seit September vergangenen Jahres arbeitet sie im Sprachenzentrum unter dessen Leiterin Christina de Lange sowie im Studiengang International Business mit Professorin Dr.-Ing. Véronique Goehlich und hat dabei auch Gelegenheit, selbst virtuelle Hörsaalluft zu schnuppern.

Frau Cooper, Sie sind nach Pforzheim gekommen, um Deutschland und den Hochschulbetrieb kennenzulernen – und haben mitten in der Pandemie gestartet. Wie haben Sie das erlebt?  

Cooper: Ich fand es tatsächlich gar nicht schlimm, weil ich in Frankreich ja dieselbe Situation erlebt habe. Am Ende meines Studiums gab es einen Lockdown und ich musste die Prüfungen online machen. Hier in Deutschland finde ich es zwar schade, dass ich nicht so viele Kontakte zu den Studierenden aufbauen kann, aber ich bin deswegen ja nicht alleine. Es gibt Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, Online-Treffen und in meinem Studentenwohnheim leben ja auch Menschen. Klar, es ist nicht immer einfach, aber ich fühle mich trotzdem nicht isoliert.

Wieso haben Sie sich für Pforzheim entschieden?

Cooper: Ich hatte mich auf eine Stelle als Freiwillige im Hochschulbereich beworben – und Pforzheim hatte sich zuerst gemeldet. Ich fand die Stelle hier einfach super, weil ich hier durch meine Mitarbeit sowohl im Sprachenzentrum als auch bei International Business viele verschiedene Tätigkeitsfelder habe.

Was gefällt Ihnen an Pforzheim neben der Hochschule?

Cooper: Die Stadt hat den Vorteil, nahe an der französischen Grenze zu liegen, was die Region unter interkulturellen Aspekten sehr interessant macht. Mir gefällt, dass die Stadt am Wald liegt, und dass sie eher klein ist im Vergleich zu Nantes, wo meine Familie lebt, und Straßburg, wo ich Interkulturalität und die Sprachen Deutsch, Niederländisch und Schwedisch studiert habe.

Wie sieht Ihr Alltag hier aus?

Cooper: Unter der Woche arbeite ich an der Hochschule, die Abende verbringe ich zurzeit meist im Studentenwohnheim. Ansonsten schaue ich mir die Stadt an oder wandere im Schwarzwald. Ich bin ja noch bis Ende Juni in Pforzheim und hoffe sehr, dass ich bis dahin vielleicht auch noch mehr vom kulturellen Leben hier entdecken kann.

Welche Aufgaben haben Sie hier an der Hochschule?

Cooper: Für das Sprachenzentrum leite ich die beiden Sprachkurse „Französisch für Mitarbeiter“. Außerdem unterstütze ich Frau de Lange bei den Französischkursen, indem ich Korrekturen oder Transkriptionen übernehme. Im Sprachenzentrum arbeite ich am Aufbau des eTandems mit. Die Idee ist, dass die Studierenden, die in Pforzheim Französisch lernen, in Kontakt mit Studierenden der französischen Partnerhochschulen kommen.

de Lange: Das eTandem-Projekt ist neu und soll ab dem Sommersemester starten. Zunächst für Französisch, später dann auch für Englisch und Spanisch. Beim Anmeldeformular wählt man die gewünschte Tandemsprache und das Niveau aus. Und wir versuchen, die infrage kommenden Partnerinnen und Partner dann zu matchen. Es gibt auch einen Moodle-Kurs mit didaktischem Material, um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer didaktisch zu unterstützen. Die Studierenden können so nicht nur ihre Sprache ausbauen, sondern auch das Land kennenlernen oder den eigenen Auslandsaufenthalt vorbereiten.

Goehlich: Doch das ist noch nicht alles. Geneviève spricht zudem fließend Englisch und ist eine außergewöhnlich gut qualifizierte Freiwillige. Dadurch hat sie jetzt – und das ist das erste Mal, dass ich das mit einer Freiwilligen machen kann – wissenschaftlich an meinem Forschungsprojekt zum Thema „Kultur von Deutsch-französischen Ehepaaren“ mitgearbeitet. Das ist eine Besonderheit und sie hatte so die Möglichkeit erhalten, einen Einblick in die Welt der Forschung zu bekommen.

Cooper: Das ist ein absolutes Plus, die Stelle bietet mir die Chance, einen Einblick in verschiedene Bereiche der Hochschule zu bekommen. Der Forschungsaspekt ist besonders interessant, denn als Studierende hatte ich nur eine theoretische Vorstellung davon, was man in der Forschung macht. Nun konnte ich die Interviews von Frau Professor Dr. Goehlich lesen, mit ihr darüber diskutieren und versuchen, mit der Anwendung verschiedener Methoden etwas aus dem Material herauszuholen.

Wie viele Franzosen studieren denn in Pforzheim – und wie viele Studierende der Hochschule Pforzheim gehen nach Frankreich?

Goehlich: Die Tendenz ist auf jeden Fall steigend, in den vergangenen Jahren sind es immer mehr geworden. Aufgrund von Corona sind Fernreisen ja immens schwierig geworden, weshalb die Studierenden eher in der EU bleiben. Hinzu kommt, dass Frankreich immer mehr englischsprachige Lehrveranstaltungen anbietet und dadurch ist es nicht erforderlich, dass die Studierenden im Auslandsemester oder jene im Doppeldiplom Französisch beherrschen. Denn nur noch auf Französisch zu studieren reicht nicht mehr, gerade im Businessbereich. Da müssen die Franzosen ihr Englisch aufbessern, wenn sie später international tätig sein möchten.

Ergibt es dann überhaupt noch Sinn, Französisch zu lernen?

Goehlich: Gerade mit der Pandemie merken wir, dass die Globalisierung gewisse Nachteile mit sich bringt und ich glaube, es gibt weltweit Überlegungen, die Dinge wieder lokaler anzugehen. Lokal schließt für uns hier in Deutschland auch Frankreich mit ein. Für die EU ist der deutsch-französische Motor wichtig, insofern denke ich schon, dass das Interesse an der deutsch-französischen Zusammenarbeit wieder aufflammt. Ich sehe die Pandemie in dieser Hinsicht als eine große Chance für die EU, die sich jetzt unbedingt als weltweit agierende Kraft gegenüber den USA und China etablieren muss. Und wenn man da mit den Menschen mehr zusammenarbeiten möchte, dann ist es immer vorteilhaft, wenn man die Sprache des Ansprechpartners beherrscht. Man kann viel auf Englisch regeln, aber das wird nie die gleiche Intensität haben, als wenn man die Muttersprache des anderen spricht.

de Lange: Und es geht einiges an Kultur verloren wie das zum Beispiel auch in französischen Komödien der Fall ist. Bei der synchronisierten Version muss ich nicht lachen, ohne die Originalsprache geht da wahnsinnig viel verloren, was ich bedauerlich finde. Deshalb ist es absolut wichtig, dass wieder mehr Schüler*innen dazu motiviert werden, in der Schule Französisch zu lernen. Mit Englisch allein erschließt sich nicht die ganze Welt. Wenn man die Menschen richtig kennenlernen möchte, muss man deren Sprache sprechen.

Goehlich: Persönlich war ich, ehe ich an die Hochschule kam, lange Zeit als Managerin in deutschen Firmen tätig und da habe ich realisiert, wie wichtig es ist, Deutsch sprechen zu können. Als Führungskraft wird man nur bis zu einem gewissen Grad akzeptiert, wenn man die lokale Sprache nicht beherrscht. Doch gerade beim Krisenmanagement ist es wichtig, die Sprache der Menschen vor Ort zu sprechen. Und das versuchen wir unseren Studierenden zu vermitteln. Außerdem muss man ganz klar sagen: Wer heutzutage im Business nur Englisch kann, hat nichts Besonderes vorzuweisen, das können alle. Man muss also zusätzliche Qualifikationen mitbringen, zum Beispiel eine zweite Fremdsprache.

Und inwiefern helfen da Freiwillige wie Frau Cooper?

de Lange: In Präsenzzeiten vor der Corona-Pandemie habe ich unsere Freiwillige direkt mitgenommen und unseren Studierenden als Ansprechpartnerin vorgestellt. Sie war dann auch bei mir im Unterricht dabei und hat sich bei bestimmten didaktischen Settings eingebracht – das war ein Gewinn für alle. Gerade für die IB-Studierenden, ist es gut zu wissen, dass es eine Muttersprachlerin an der Hochschule gibt, an die sie sich bei Fragen wenden können.

Wie groß ist denn das Interesse der Studierenden an den deutsch-französischen Beziehungen?

Goehlich: Aufseiten der Franzosen ist das Interesse auf jeden Fall höher, diese sind nach wie vor sehr daran interessiert, in Deutschland zu arbeiten. Und das ist ein Pluspunkt für Pforzheim. Der Reiz besteht in der Nähe zu großen Unternehmen wie Daimler, Porsche oder Bosch. Die Studierenden wissen ganz genau, dass sie auf diese Weise eventuell Zugang zu einer großen deutschen Firma bekommen können. Ich habe viele IB-Studierende, die für ein Doppeldiplom oder ein Auslandssemester nach Frankreich gehen, aber außer denjenigen, die sich dort verlieben und heiraten – und davon gibt es immer welche - kommen eigentlich alle deutschen Studierenden wieder zurück. Das hat wohl damit zu tun, dass die französischen Firmen in Puncto Hierarchien und Corporate Culture mit wenigen Ausnahmen doch noch sehr französisch sind.

Der Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg zieht also noch immer?

Goehlich: Auf jeden Fall. Und davon profitiert die Hochschule Pforzheim. Zum einen haben wir einen guten Ruf. Die Franzosen achten sehr auf Rankings, das ist für sie das Wichtigste. Die Hochschule Pforzheim ist immer ganz oben in den Rankings. Und zum anderen profitieren sie von der Nähe zu potenziellen Top-Arbeitgebern und bleiben trotzdem unweit von Frankreich.

Das bedeutet also, die französische Ära an der Hochschule Pforzheim ist noch nicht zu Ende?

Goehlich: Auf keinen Fall, ich glaube sogar, dass wir Chancen haben, dass es noch mehr wird. Vor einiger Zeit gab es einen großen Trend nach Asien zu gehen und jetzt gibt es wieder ein echtes Interesse in der EU zu bleiben. Das hat vielleicht auch mit dem gesteigerten Umweltbewusstsein der jungen Menschen zu tun, die das Thema Nachhaltigkeit ernster nehmen. Ich glaube das ist im Kommen, worüber ich mich freue, denn das ist eine echte Chance für die EU.

de Lange: Jetzt müssen nur noch die Schulen daran arbeiten, dass das Französische für die Schüler wieder interessanter wird. Dann gibt es vielleicht auch wieder mehr Interesse an gemeinsamen Projekten mit dem Partner Frankreich.

Frau Cooper, Sie haben jetzt die Hälfte Ihrer Zeit hier hinter sich. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Cooper: Es ist eine tolle erste Berufserfahrung, weil ich hier viel selbstständig und in verschiedenen Bereichen arbeiten kann, aber dennoch eine gute Unterstützung bekomme. Ein Plus dieser besonderen Zeit ist, dass ich an der Hochschule Pforzheim meine digitalen Fähigkeiten ausbauen kann, weil ich ja vieles online machen muss, zum Beispiel die Sprachkurse. Ich kann dieses Freiwilligenjahr auf jeden Fall weiterempfehlen.  

Hat die Erfahrung an der Hochschule Pforzheim Einfluss auf Ihre Zukunftspläne?

Cooper: Ich wusste schon, dass ich Interesse an internationalen Austauschen und der Vermittlung von Kultur habe, aber das Jahr hier in Pforzheim hat dazu beigetragen, dass ich mir jetzt wirklich sicher bin, dass ich später in diese Richtung gehen möchte. Die Frage ist nur, welcher Master-Studiengang es genau werden soll.