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Narrativ der versiegenden Rohstoffquellen ist falsch

Kupfer ist ein zentraler Rohstoff für eine weltweite umweltfreundliche Energieversorgung und wird meistens im Tagebau gewonnen © Gary Whitton – Fotolia

Der Klimaschutz werde weltweit große Mengen an Rohstoffen erfordern, meint Professor Dr. Mario Schmidt vom Institut für Industrial Ecology (INEC) der Hochschule Pforzheim und weist damit auf den Zusammenhang zwischen der Klima- und Ressourcenproblematik hin. In einem jüngst veröffentlichten Interview des Magazins „UmweltDialog“ verlangt er einen effizienteren und umweltschonenderen Umgang mit den Rohstoffen, lässt aber keinen Zweifel daran, dass der Klimaschutz wesentlich von der Bereitstellung der erforderlichen Rohstoffe abhängt.

„Für die Energiewende, die weltweit erfolgen muss, brauchen wir einen deutlichen Ausbau der Versorgungsinfrastruktur, denn die Energiedichte der regenerativen Energien ist viel geringer als die der fossilen Energieträger. Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Menschheit weiter anwächst und der Großteil von ihr noch auf einen gewissen materiellen Wohlstand wartet. Hier einen sinkenden Rohstoffbedarf zu prognostizieren, ist weltfremd“, führt Professor Schmidt aus.

Von der pessimistischen Einschätzung, uns könnten die Rohstoffe ausgehen, hält er hingegen nichts. Zwar habe das Narrativ der versiegenden Rohstoffquellen wesentlich zum Erstarken der Umweltbewegung beigetragen, aber seiner Meinung nach sei es falsch. Diese uralte Angst der Menschheit habe sich so bisher nicht bewahrheitet (DOI:10.3390/resources8010002). Im Übrigen führe sie auch zu falschen politischen Schlussfolgerungen.

„Wenn ein Rohstoff, den wir zwingend für unsere Zivilisation brauchen, versiegt, dann müssten wir alles tun, um ihn nahezu vollständig zu recyceln, also quasi im Kreis zu fahren“, so Schmidt. Entgegen weitläufiger Ansicht erfordere ein solches perfektes Recycling aber einen hohen Energieaufwand und führe damit zu weiteren Umweltbelastungen. Deshalb ergebe die Forderung „Closing the Loop“ in ihrer Absolutheit keinen Sinn. Die vielfach geforderte Circular-Economy-Strategie sei deshalb kein Selbstzweck, sondern bedürfe klarer umweltpolitischer Ziele, resümiert Schmidt.

Was die versiegenden Rohstoffquellen angeht, gibt Professor Schmidt Entwarnung. Aktuelle Forschungsergebnisse hätten gezeigt, dass in absehbarer Zeit noch genügend Rohstoffe auf der Erde gefördert werden können. Häufig zitierte Indizien, wie etwa der sinkende Erzgehalt, seien Artefakte des technischen Systems und der Economy of Scale (DOI:10.3390/resources7040088). Aber der Bergbau müsste umwelt- und sozialverträglicher betrieben werden. Recycling und ein schonender Umgang mit Ressourcen seien selbstverständlich auch geboten, wenn sie zu einer Umweltentlastung führen.

Das Interview mit Mario Schmidt im Magazin „UmweltDialog“: https://www.yumpu.com/de/document/read/62658551/die-greta-frage-wie-haltst-du-es...