Mit Weitblick aus der Werkshalle: Herbert Emmerich geht in den Ruhestand

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Prodekan Prof. Dr. Daniel Metz (l.) verabschiedet seinen Kollegen Prof. Dr. Herbert Emmerich in den Ruhestand.

Es gibt Professoren, die Produktionssysteme erklären. Herbert Emmerich hat sie gebaut, verantwortet und verändert, lange bevor er sie im Hörsaal lehrte. Als er 1999 an die Hochschule Pforzheim wechselte, brachte er nicht nur wissenschaftliche Expertise mit, sondern Erfahrungen aus Fertigungshallen, Entwicklungsabteilungen und Vorstandsetagen. Diese Verbindung von Industrie und Wissenschaft prägte seine Lehre über mehr als 26 Jahre. Nun verabschiedet sich Professor Dr. Herbert Emmerich in den Ruhestand.

Produktions- und Automatisierungstechnik, Fabrikplanung oder Lean Management: In seinen Vorlesungen standen konkrete Herausforderungen aus der industriellen Praxis im Mittelpunkt. Es ging um reale Fabriken, echte Entscheidungen und die Frage, warum gute Technik immer auch gute Organisation braucht. Theorie und Praxis waren für Herbert Emmerich keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille.

Dabei hatte sein eigener Berufsweg nahezu alle Perspektiven der Produktion durchlaufen. Nach dem Maschinenbaustudium an der Universität Stuttgart arbeitete er zunächst als Projektingenieur bei Stihl, anschließend am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), wo er promovierte und für seine Forschung unter anderem mit dem Joseph-von-Fraunhofer-Preis ausgezeichnet wurde. Es folgten leitende Funktionen bei der Vossloh-Gruppe – vom Leiter eines Technologiezentrums bis zur weltweiten Produktionsverantwortung – bevor er an die Hochschule Pforzheim wechselte.

Dort prägte er den Maschinenbau weit über die Lehre hinaus. Als Prodekan gestaltete er die Neustrukturierung des Studiengangs Maschinenbau und den Ausbau der Labore. In zahlreichen Gremien wirkte er an der Weiterentwicklung der Fakultät mit. Gleichzeitig baute er als Leiter des Steinbeis-Zentrums „Produktion & Organisation“ eine enge Brücke zwischen Hochschule und Industrie. Mit seinem Team unterstützte er Unternehmen bei Fabrikplanungen, Prozessentwicklungen und Automatisierungsprojekten und trug dazu bei, wissenschaftliche Erkenntnisse in die industrielle Praxis zu überführen. Sein berufliches Wirken spiegelt sich auch in 54 Patentanmeldungen sowie zahlreichen Auszeichnungen wider. 

Mindestens ebenso wichtig wie Forschung und Praxis war ihm die Arbeit mit jungen Menschen. Sein Leitsatz „Der Fleiß und Einsatz von heute ist der Erfolg von morgen“ begleitete viele Studierende durch ihr Studium. Über seine Rolle als Hochschullehrer sagt Herbert Emmerich „Professor sein zu dürfen, ist eine Berufung und gleichzeitig ein Privileg. Junge Menschen fit für das Leben zu machen, ist unsere Aufgabe. Neben der fachlichen Ausbildung darf aber die Persönlichkeitsentwicklung nicht fehlen.“ Dieses Verständnis prägte seine Lehre über mehr als zwei Jahrzehnte. Fachliche Exzellenz und persönliche Entwicklung gehörten für ihn untrennbar zusammen, ganz im Sinne seines Grundsatzes: „Fördern und Fordern“.

„Herbert Emmerich hat die Studiengänge des Maschinenbaus in einer entscheidenden Phase mit aufgebaut und weiterentwickelt. Viele Strukturen, die heute selbstverständlich sind, gehen auf seine Initiative zurück. Vor allem aber war er ein Professor, der Studierende ernst genommen und ihnen vermittelt hat, was verantwortungsvolles Ingenieurhandeln bedeutet“, sagt Prof. Dr. Daniel Metz, Prodekan des Bereichs Maschinenbau, Biomechanik und Produktentwicklung.

Auch Rektor Prof. Dr. Ulrich Jautz würdigt seinen langjährigen Einsatz: „Herbert Emmerich hat Wissenschaft, industrielle Praxis und Lehre auf besondere Weise miteinander verbunden. Sein Wirken zeigt, welchen Unterschied Persönlichkeiten machen können, die ihre Erfahrung mit Überzeugung weitergeben. Für sein außergewöhnliches Engagement und seine langjährige Verbundenheit mit der Hochschule Pforzheim danken wir ihm sehr herzlich. Für den neuen Lebensabschnitt wünschen wir ihm alles Gute, Gesundheit und viele erfüllende Momente.“

Mit dem Eintritt in den Ruhestand endet für Herbert Emmerich eine mehr als 26-jährige Hochschullaufbahn. Seine Impulse für Lehre, Studiengangentwicklung und den Wissenstransfer zwischen Hochschule und Industrie werden die Hochschule Pforzheim noch lange prägen.