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Mit der Seilbahn in den Hörsaal?

Ideenwettbewerb des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst: Hochschule konzipiert emissionsfreien Campus 

Als eine von elf Hochschulen des Landes ist die Hochschule Pforzheim vom Baden-Württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst für die Teilnahme am Ideenwettbewerb „Mobilitätskonzepte für den emissionsfreien Campus“ ausgewählt worden. Eine Forschungsgruppe um Jörg Woidasky, Professor für Nachhaltige Produktenwicklung, erarbeitet innerhalb dieses Jahres Maßnahmen, die den derzeitigen mobilitätsbedingten CO2-Ausstoß der Hochschule Pforzheim bis 2030 um die Hälfte reduzieren sollen. Externe Projektpartner sind die Stadt Pforzheim, die Regionalbusverkehr Südwest GmbH (RVS), die Nahverkehrsgesellschaft BW mbH (NVBW), der Eigenbetrieb Pforzheimer Verkehrs- und Bäderbetriebe (EPVB), der Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis GmbH (VPE) sowie die
e-mobil BW GmbH. Das Ministerium unterstützt die Entwicklung zunächst mit 200.000 Euro. Im Oktober 2019 werden insgesamt drei der elf Hochschulprojekte für eine Anschlussfinanzierung zur Konkretisierung der Konzepte ausgewählt – „die Seilbahn über den Dächern der Stadt hat also langfristig durchaus eine Chance auf Realisierung“, so Jörg Woidasky.

Und bis es soweit ist – was könnten erste Schritte auf dem Weg zum emissionsfreien Campus sein? Shuttle-Busse ohne Zwischenhalte, E-Bike-Stellplätze, Mitfahrbänke – Ideen für das Pforzheimer Konzept wurden im Rahmen des ersten Hochschul-Mobilitätstags generiert, den das Forschungsteam um Jörg Woidasky Ende 2018 erstmals initiierte. Das campusweite Brainstorming von Professoren, Studierenden und Mitarbeitern ergab die Optimierung des öffentlichen Nahverkehrs, die Schaffung von Mitfahrmöglichkeiten innerhalb des Stadtgebiets und auf dem Hochschulgelände, die Förderung der Radnutzung sowie die Entwicklung einer Mobilitäts-App als erste Konzept-Pfeiler. Diese und weitere Verbesserungsansätze werden nun im Rahmen studentischer Arbeiten und Workshops ausgearbeitet. Das Konzept soll schließlich im Rahmen des zweiten Mobilitätstags im Herbst 2019 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Baden-Württemberg will die Mobilität der Zukunft im eigenen Land voranbringen. Sie soll möglichst lokal emissionsfrei sein und das Klima schonen. „Ein Campus ist wie eine Stadt im Kleinen und deshalb ideal geeignet, um innovative Konzepte in der Praxis zu erproben. Die wissenschaftliche Dynamik und wachsende Studierendenzahlen erfordern einen wachsenden Flächenbedarf. Damit einher geht ein entsprechendes Verkehrsaufkommen. Deshalb brauchen wir intelligente, ökologische Mobilitätslösungen, die im Idealfall auch spannende Herangehensweisen für die Städte als Ganzes aufzeigen“, so Wissenschaftsministerin Theresia Bauer in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Das Pforzheimer Projektteam „Systementwicklung für eine klimaneutrale Mobilitätsnutzung zur Nahverkehrs-Anbindung des Hochschulcampus Pforzheim”, kurz „SEILBAHN PF”, hat nun neben der Identifikation konkreter, kurzfristiger Verbesserungen die Verbindung des Hochschulgeländes in der Tiefenbronner Straße mit dem Schienenverkehr durch ein straßenungebundenes öffentliches Transportsystem zum Thema. „Die Seilbahn zur Hochschule ist zweifelsohne eine ungewöhnliche Vision, aber nach unseren bisherigen Studien nicht abwegig“, so Projektleiter Jörg Woidasky. „Direkt neben der Hochschule liegen mit dem Wildpark und dem Stadtwald attraktive Ausflugsziele, die mit einer Seilbahnverbindung zusätzlich aufgewertet werden könnten.“

Hochschulintern findet „SEILBAHN PF“ Unterstützung durch das EU-Forschungsprojekt „AVENUE“ zu autonomer E-Mobilität unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Guy Fournier sowie die fachliche Expertise von Prof. Dr.-Ing. Henning Hinderer, an der Fakultät für Technik verantwortlich für das Themenfeld „Ökosystem der Mobilität“. „Das Projekt ‚SEILBAHN PF‘ unterstreicht unseren hohen gesellschaftlichen Anspruch und ist Teil des Nachhaltigkeitsschwerpunkts der Hochschule Pforzheim“, so Prof. Dr.-Ing. Matthias Weyer, Dekan der Fakultät für Technik. Fragen der Unternehmensverantwortung und -ethik sind fester Bestandteil der Pforzheimer Lehre. Die Studierenden sollen als künftige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entscheidungsträger kompetente und verantwortungsbewusste Entwicklungen gestalten. Als eine der ersten Hochschulen weltweit hat die Hochschule Pforzheim sich bereits 2007 zur Umsetzung der „Principles for Responsible Management Education (PRME)“ der Vereinten Nationen verpflichtet.