Künstliche Intelligenz – zwischen Realität und Hype
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(v.l.n.r.) Prof. Dr. Nadine Walter, Prof. Dr. Ralf Otte, Rektor Dr. Ulrich Jautz und Prof. Dr. Frauke Sander. Foto: Susanne Materac / Hochschule Pforzheim
„Wir sprechen immer darüber, was alles möglich ist mit Künstlicher Intelligenz. Lassen Sie uns heute auch darüber sprechen, was nicht möglich ist“, beginnt Dr. Ralf Otte seinen Vortrag am Mittwochabend. Er ist Professor für Industrieautomatisierung und Künstliche Intelligenz an der Technischen Hochschule Ulm und sprach im Studium Generale über die aktuelle Realität der Technologie, mit der hohe Erwartungen verbunden sind. Das Publikum – begeistert.
Bereits in den 1950er Jahren begann die Geschichte der Künstlichen Intelligenz. Sie ist ein Forschungsgebiet der Informatik und beschäftigt sich seit den Anfängen mit algorithmischen Problemlöseverfahren. „Wir befinden uns heute bereits in der dritten Welle der Künstlichen Intelligenz. Die Chatbots, die bereits 65 Prozent der Deutschen nutzen, basieren auf sogenannten Large Language Models, die darauf trainiert werden, menschliche Sprache zu verstehen“, erläuterte Otte. „Die Weiterentwicklung von KI hat zur Vermenschlichung der Technologie geführt. Wir nutzen sie im Alltag und haben das Gefühl, sie versteht uns. Doch sie hat Grenzen.“
Prof. Dr. Ralf Otte ist Professor für Industrieautomatisierung und Künstliche Intelligenz an der Technischen Hochschule Ulm.
Fotos: Susanne Materac/ Hochschule Pforzheim
Der Experte stützte seinen Vortrag vor allem auf den Vergleich von Künstlicher Intelligenz und dem menschlichen Gehirn. Mit vielen Alltagsbeispielen machte er seinen Vortrag lebendig und sorgte für den einen oder anderen Lacher im Audimax. „KI hat kein Bewusstsein und da liegt der große Unterschied zum Menschen. Denken Sie zum Beispiel an kleine Kinder, die sind lernfähig. Sie handeln logisch. Sie fassen einmal auf eine heiße Herdplatte und verstehen, dass das wehtut“, sagte Otte und betonte, dass die KI genau dort ihre zentrale Grenze habe: Sie habe keine Fähigkeit, aus vorhandenen Daten verlässlich in die Zukunft zu schließen. Vor diesem Hintergrund sei eine technologische Revolution kurzfristig nicht zu erwarten.
Die Fehlerquote ist hoch, deswegen sei der Mensch auch unersetzlich, so Otte. Man versuche seit Jahren, Künstliche Intelligenz in Bereichen wie der Strafverfolgung zu nutzen. Bei einer Gesichtserkennung an Flughäfen aber beispielsweise, die potenzielle Straftäter*innen identifizieren könnte, haben aktuelle KI-Tools eine Fehlerquote von einem Prozent. „Das sind bei einer Million geprüfter Gesichter zehntausend fälschlich verdächtigte Personen. Nicht auszumalen, welche Auswirkung das auf die Anzahl der Falschverurteilungen hätte“, sagte Otte.
Das Fazit des Experten am Ende des Abends: KI nehme den Menschen nicht die Arbeit weg, sie verändere Arbeit lediglich. Kenntnisse in KI-Tools seien dabei, vor allem auf dem Arbeitsmarkt, die Zukunft. Die KI-Revolution, die den Menschen und seine Komplexität ersetzen könne, sei aber in weiter Ferne.
Am Ende des Vortrags nutzten die Zuschauer*innen die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit Prof. Dr. Otte ins Gespräch zu kommen.