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Ein Plädoyer für das Polymorphe: Master-Thesis von Vanessa Ohlhausen

Folgt man den objektiven Lehren der spirituellen Strömung des Tantrismus, vereint jeder menschliche Körper als integraler Bestandteil des Universums sowohl weibliche als auch männliche Prinzipien in sich. Genau diesen Prinzipen hat sich Vanessa Ohlhausen, Absolventin des Masterstudiengangs „Design & Future Making“ der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim, in ihrer Thesis gewidmet. In ihrer Arbeit „Tantra“ setzte sie sich kritisch mit der Binarität auseinander und schuf ein Plädoyer für das Polymorphe, das heißt für die Vielgestaltigkeit. In dieser praktischen Umsetzung arbeitete sie mit Film und Tanz, bei der die Illusion einer festen Idee von Körpern problematisiert wird.

„Das westliche Denken ist stark von binär-kategorischen Vorstellungen geprägt. Das bedeutet, dass feste Ideen von Frau und Mann existieren. Dabei wird der Mensch aufgrund seines Geschlechts sexuell bestimmt und kann einer Reihe gesellschaftlicher Regulierungen unterworfen werden“, erklärt Vanessa Ohlhausen. „In der westlichen Gesellschaft wird die Menschheit folglich in stärkere und schwächere Hälften geteilt, in Beschützer und Beschützte und in Beherrschende und Beherrschte. Mit meinem Lebensgefühl als Cis-Frau spüre ich die Konfrontation vorgeschriebener Vorstellungen über Femininität. Eine große Dringlichkeit sehe ich darin, sich bewusst zu werden, dass das ‚Frau sein‘ keine gemeinsame Identität beschreibt, sondern dass das biologisch, binär gedachte Geschlecht sowie die Geschlechterrollen sozial konstruiert sind“, so Vanessa Ohlhausen weiter.

In der praktischen Arbeit Tantra wird der Mensch als ein in Verbundenheit mit dem Kosmos existierendes Wesen definiert. Dabei zeichnet sich das Menschsein vor allem darin aus, dass nichts zeitlos oder beständig ist. Die Arbeit Tantra soll dazu motivieren, dass sich der Mensch als etwas vollkommen Polymorphes anerkennt. Dadurch wird dem Menschen ermöglicht, sich partiell zu identifizieren und widersprüchliche Positionen einzunehmen. „Durch eine fluide Geschlechtsidentität kann keine Prädisposition für eine bestimmte sexuelle Rolle entstehen, welche dann bewertet werden kann. Sexuelle Positionen können entstehen und wieder vergehen.“ Laut Vanessa Ohlhausen ist die polymorphe Sexualität von absoluter Gleichwertigkeit geprägt.

„In dem die Verbindungen zwischen binären Geschlechtskategorien und Machtlegitimationen kritisch hinterleuchtet werden, wird die hochaktuelle Auseinandersetzung mit Gender im Kontext fundamentaler Sozialmuster geortet und Vanessa schafft ein holistisches Plädoyer für eine polymorphe Gesellschaftsstruktur. Mittels der Medien Tanz und Film zieht sie die Betrachtung sinnigerweise immer wieder zurück auf den Menschen und pflanzt in uns Samen für neue Selbsterkenntnisse – erste Schritte für eine gemeinsame Veränderung“, erklärt Professorin Christine Lüdeke, die die Masterthesis betreute.

Die Thesis „Tantra“ verfasste Vanessa Ohlhausen im Studiengang „Design & Future Making“. Die „Philosophie“ des Studienganges orientiert sich an dem Bild einer offenen Zukunft, in der verschiedene Sichtweisen, Erfahrungen und Kompetenzen zusammenkommen. Es soll nicht mehr vom Gleichen, vielmehr soll eine gemeinsame Zukunft entworfen werden. Damit werden junge Experten befähigt, ihre Expertise auf eine interessante Weise weiterzuentwickeln. In drei Semestern entwickeln die Studierenden ihre Ideen und Experimente zwischen Technologie, Material und Verfahrenstechnik. Das Studium bereitet die Studierenden außerdem auf die interdisziplinäre Arbeitswelt vor, in der es nicht mehr nur um fachliche Expertise geht, sondern immer auch um die Frage, was wir mit diesem Wissen anfangen, welche Probleme wir in den Blick nehmen und zu welcher Lösung wir beitragen. Im Fokus steht die transdisziplinäre Verknüpfung mit anderen Disziplinen der beiden Fakultäten für Technik sowie für Wirtschaft und Recht der Hochschule.

Fotos: Stella Höttler, Porträt: Marcel Härtling

Pressekontakt: birgit.meyer(at)hs-pforzheim(dot)de, Tel: +49 (7231) 28-6718