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Bagger steigern Goldabbau im Regenwald

Prof. Bernhard Peregovich (Universität Santarem) und Prof. Mario Schmidt (HS PF) vor einer Waschrinne (v.l.)

Baggereinsatz in einer Goldmine im Amazonas-Regenwald. (Foto: HS PF)

Goldminen im Tagebau (Garimpos) im brasilianischen Regenwald. (Foto: HS PF)

Goldgrube inmitten des Amazonas-Regenwaldes. (Foto: HS PF)

Bei der Gewinnung von Gold im Amazonas-Regenwald vollzieht sich derzeit ein wichtiger technologischer Wandel. Wurden früher hauptsächlich einfache Abbaumethoden mit Dieselpumpen eingesetzt, so findet man heute Bagger in fast allen Goldminen der Region des Amazonas-Nebenflusses Tapajós. Das ergaben Erhebungen, die Professor Mario Schmidt, Direktor des Instituts für Industrial Ecology (INEC) der Hochschule Pforzheim, in Brasilien durchgeführt hat. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Benjamin Fritz und Sally Springer und dem Geologen Professor Bernhard Peregovich von der brasilianischen Bundesuniversität in Santarem war er drei Wochen in der Goldabbau-Region unterwegs. Die Reise erfolgte im Rahmen des Forschungsprojektes „NAGold – Nachhaltigkeitsaspekte der Goldgewinnung und des Goldrecyclings und Lehren für ein umfangreiches Metallrecycling“, das u.a. vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.

„Der Bagger-Einsatz führt zu einer drei- bis vierfachen Produktivität. Das heißt aber auch, dass fast viermal so viel Fläche in der gleichen Zeit bearbeitet werden kann“, fasst Mario Schmidt die Ergebnisse zusammen. Der Druck auf den Regenwald nimmt damit zu, die Folgen davon sind noch nicht absehbar. Allerdings sieht Schmidt auch positive Effekte: Durch die Bagger nimmt die schwere Körperarbeit für die einfachen und meist sehr armen Goldsucher, brasilianisch Garimpeiros, ab. Außerdem kann die Infrastruktur verbessert werden, was sich auf die sozialen Bedingungen auswirkt. Auch Flüsse werden entlastet, weil weniger Schlamm eingetragen wird. Theoretisch könnten die Bagger auch helfen, die Wiederaufforstung nach dem Goldabbau zu beschleunigen. Das machen momentan aber noch die wenigsten Goldminen, brasilianisch Garimpos. Negative Effekte sind der beschleunigte Abbau und auch die wachsende Infrastruktur, die einen Besiedlungsdruck auf die entlegene Region nach sich ziehen kann.

Etwa 70 Prozent der Goldminen arbeiten derzeit noch ohne Genehmigung und werden als illegal bezeichnet, was hauptsächlich an dem bürokratischen Genehmigungsverfahren in Brasilien liegt. Deshalb wird von vielen gefordert, die Legalisierung der Goldminen voranzutreiben, was auch mit Auflagen für den Betrieb der Minen verbunden wäre. Dadurch könnten Umweltbelastungen reduziert werden, da mit der Genehmigung Mindestanforderungen, z.B. beim Umgang mit Quecksilber oder bei der Wiederaufforstung, bestehen.

„Man wird den Goldabbau im Regenwald nicht völlig unterbinden können. In der Tapajós-Region arbeiten schätzungsweise 100.000 Menschen in den Goldminen. Sie betrachten das als ihren Beruf, der ihnen einen bescheidenen Wohlstand ermöglicht“, erklärt Mario Schmidt. „Will man etwas für den Regenwald tun, so muss man das soziale Problem lösen. Die Situation ist ausgesprochen komplex. Aber das ist eben das Problem der Nachhaltigkeit – nicht wie es im Lehrbuch steht, sondern wie es in der realen Welt zu lösen ist.“