Symposium beleuchtete Herausforderungen und innovative Ansätze rund um nachhaltige Materialkreisläufe im Gesundheitswesen

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7. Symposium Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz

Gruppenfoto hintere Reihe v.l.n.r.: Dr.-Ing. Marc Hoffmann (Universitätsklinikum Jena); Meike Lutz, M.Sc. (CIRCULARMED GmbH); Charlotte Jansen, Dipl.-Kffr. (Gesundheitsholding Lüneburg GmbH); Franziska Zecha, M.Sc. (Hochschule Pforzheim); Prof. Dr. Ing. habil. Volker Biehl (Hochschule Pforzheim); Stephan Fimpeler MBA, Prokurist (REMONDIS Medison GmbH); Marcel Kern, M.Sc. (Hochschule Pforzheim); Jannick Friedrichs, M.Sc. (Dräger Medical Deutschland GmbH); Prof. Dr.-Ing. Jörg Woidasky (Hochschule Pforzheim); vordere Reihe v.l.n.r.: Fiona Walter, M. Sc. (Sana Einkauf & Logistik GmbH); Dr. med. Marie Reumann (BG Klinken Ludwigshafen und Tübingen gGmbH); Marius Menyhart, M.Sc. (Aesculap AG); nicht im Bild: Prof. Anne-Kathrin Cassier-Woidasky (htw saar/Universität Trier); Dr. rer. nat. Jim Magiera (ZEISS Innovation Hub @ KIT); Fotograf: Juliano Bezerra de Araujo.

Am 5. Dezember 2025 fand das 7. Symposium Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz zum Theme Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen statt. Teilnehmende aus Klinik, Forschung, Industrie und Beschaffung kamen zusammen, um aktuelle Herausforderungen und innovative Ansätze rund um nachhaltige Materialkreisläufe im Gesundheitswesen zu beleuchten. Im Mittelpunkt standen die Reduktion von Einwegabfällen, nachhaltiges Produktdesign, Digitalisierung und innovative Recyclingkonzepte – praxisnah und mit konkreten Beispielen aus dem Klinikalltag.

An der Hochschule Pforzheim arbeitet seit 2024 die INEC-Forschungsstelle „Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen“ in mehreren Forschungsprojekten an kreislaufwirtschaftlichen Ansätzen. Ihr Direktor Prof. Jörg Woidasky skizzierte einleitendend die Forschungsarbeiten der Hochschule Pforzheim vor allem zur Produkt-Verbrauchsmessung, der Materialbestimmung und der Bestimmung kreislaufwirtschaftlicher Kennwerte für Krankenhäuser. Das Entwicklungsziel ist hier ein aus Stoffstrom- und Energiesicht transparenten Krankenhauses als Voraussetzung für ressourceneffiziente Prozesse im Gesundheitswesen.

Block 1: Ökologische Produkt- und Prozessgestaltung

Meike Lutz von der CIRCULARMED GmbH eröffnete den ersten Themenblock mit einem Überblick über die enorme Abfallmenge im deutschen Gesundheitswesen – jährlich fallen 4,8 Millionen Tonnen an, davon allein 750 Tonnen unsortierter Restmüll pro Klinik. CIRCULARMED analysiert Abfallströme und setzt auf Digitalisierung, einheitliche Farbcodes und standardisierte Sortiersysteme, um Wertstoffe gezielt zurückzugewinnen und mittelfristig eine Recyclingquote von 70 Prozent zu erreichen.

Franziska Zecha von der Hochschule Pforzheim machte anhand aktueller Materialflussanalysen sichtbar, dass medizinische Verbrauchsprodukte einen zentralen Beitrag zu den CO₂-Emissionen und zum Abfallaufkommen leisten: Pro Krankenhausbett entstehen täglich bis zu 2,5 kg CO₂e durch die Materialherstellung sowie die Entsorgung der Verbrauchsmaterialien.

Marius Menyhart von der Aesculap AG zeigte, wie Lebenszyklusanalysen (LCA) in die Produktentwicklung integriert werden. Am Beispiel von Einweg- und Mehrwegscheren wurde deutlich, dass Mehrwegprodukte mit steigender Nutzung ökologisch überlegen sind, es aber an harmonisierten Bewertungsstandards und belastbaren Daten fehlt.

Marcel Kern und Prof. Dr. Ing. habil. Volker Biehl von der Hochschule Pforzheim stellten Design-Strategien zur kreislaufgerechten Produktgestaltung von Medizinprodukten vor. Ferner zeigten sie auf, welche Vorgaben hinsichtlich der Regulatorik zu beachten sind. Im Forschungsprojekt SEB wird das kreislaufwirtschaftliche Potential von Beatmungssystemen untersucht. Ein Teilaspekt beschäftigt sich hierbei mit einem ökobilanziellen Vergleich von Einweg- und Mehrwegbeatmungssysteme, um fundierte Entscheidungshilfen für Hersteller und Kliniken zu liefern.

Block 2: Kreislaufwirtschaft im medizinischen und pflegerischen Alltag

Im zweiten Block standen konkrete Praxisbeispiele im Mittelpunkt. Dr.-Ing. Marc Hoffmann vom Universitätsklinikum Jena berichtete über den Aufbau eines effizienten Abfallmanagements mit zentraler Logistik, Wertstoffhöfen und kontinuierlichen Sortieranalysen. Durch Transparenz, Farbleitsysteme und Schulungen der Mitarbeitenden konnte das Klinikum nicht nur Kosten senken, sondern auch die Menge an recycelbaren Wertstoffen steigern.

Prof. Dr. Anne-Kathrin Cassier-Woidasky (HTW Saar/Universität Trier) analysierte die Abfallentstehung im OP-Bereich aus Nutzerperspektive. Sie zeigte, dass Zeitdruck, Personalmangel und strenge Hygienevorgaben die Abfalltrennung erschweren, aber gezielte Schulungen und passgenaue Sammel- und Produktlösungen die Kreislaufwirtschaft unterstützen können.

Dr. med. Marie Reumann von den BG Kliniken Ludwigshafen und Tübingen präsentierte das Projekt SustainMED, das mit einer digitalen Plattform den gesamten Lebenszyklus medizinischer Produkte analysiert und Pilotprojekte für nachhaltige Alternativen wie Rollenhandtücher, Handschuhverbrauchsreduktion und das Recycling von Einmalinstrumenten umsetzt. Besonders hervorzuheben ist der durch das Projekt eingeleitete Kulturwandel: Inzwischen trennen alle OP-Säle Papier und Plastik, was messbare Einsparungen und einen nachhaltigen Strukturwandel bewirkt.

Charlotte Jansen von der Gesundheitsholding Lüneburg zeigte, wie durch das interdisziplinäre „Team Grün“, einheitliche Abfallkonzepte, Plakate und gezielte Kommunikation die Mitarbeitenden motiviert werden, Kreislaufwirtschaft praktisch zu leben und Abfallströme effizient zu steuern .

Block 3: Innovationen für die Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen

Fiona Walter von der Sana Einkauf & Logistik GmbH erläuterte, wie Nachhaltigkeit schrittweise in Lieferantenbewertungen, Ausschreibungen und Produktvergleiche integriert wird. Sana arbeitet an einem DIN-Standard für Ökobilanzen und einem Tool, das die Umweltwirkung von Produkten transparent und vergleichbar macht – eine Voraussetzung, um nachhaltige Alternativen in die Breite zu bringen.

Jannick Friedrichs von der Dräger Medical Deutschland GmbH stellte das Rücknahmesystem für Atemkalkkartuschen vor, das jährlich rund 65.000 Kartuschen recycelt. Dabei wird der gebrauchte Atemkalk zur Säureneutralisation genutzt und die CO₂-Bilanz deutlich verbessert.

Stephan Fimpeler von der REMONDIS Medison GmbH und Dr. rer. nat. Jim Magiera vom ZEISS Innovation Hub @ KIT präsentierten ein Pilotprojekt, bei dem infektiöser Sonderabfall per KI-gestützter Röntgentechnik analysiert wird, um Wertstoffpotenziale zu identifizieren und die Ressourcenschonung weiter zu erhöhen. Beide Beispiele zeigen, wie Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle den Wandel zu geschlossenen Kreisläufen im Gesundheitswesen ermöglichen .

Fazit

Das Symposium hat gezeigt: Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen ist keine Zukunftsvision, sondern wird an vielen Stellen bereits praktisch umgesetzt – auch wenn noch einige Herausforderungen zu bewältigen sind. Entscheidend ist der offene Austausch, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und der Mut, neue Wege zu gehen. Besonders das Leitbild eines „transparenten Krankenhauses“, in dem Daten zu Materialflüssen, Verbräuchen und Umweltauswirkungen offen kommuniziert und als Grundlage für Verbesserungen genutzt werden, wurde als wichtiger Baustein für nachhaltige Entwicklung deutlich. Uns motiviert es, durch diese Plattform konkrete Ideen und Erfahrungen zusammenzubringen, um gemeinsam mit Partner:innen aus Praxis, Wissenschaft und Industrie nachhaltige Lösungen für das Gesundheitssystem voranzubringen. 

Das Symposium Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz ist eine jährlich vom Institut für Industrial Ecology (INEC) der Hochschule Pforzheim organisierte Veranstaltungsreihe, die sich als interdisziplinäre Plattform für Austausch und Vernetzung versteht. Eingeladen sind Studierende, Hochschulangehörige und externe Gäste aus Praxis, Wissenschaft und Industrie, um gemeinsam Lösungsansätze für eine nachhaltigere Entwicklung zu diskutieren. Die Reihe geht weiter: Das 8. Symposium ist für das Sommersemester 2026 geplant.

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