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Nachhaltigkeitsmanagement bei Dr. Bronner’s – ein Erfahrungsbericht

Nachhaltigkeitsmanagement bei Dr. Bronner’s – ein Erfahrungsbericht

Den Auftakt der Ringvorlesung „Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit“ machte im Wintersemester 2018/19 Axel Rungweber, Geschäftsführer Europa von Dr. Bronner‘s, einem amerikanischen Produzenten von biozertifizierten und fair gehandelten Kosmetikprodukten. Der Vortrag wurde von Prof. Dr. Katharina Kilian-Yasin organisiert, Ethikbeauftragte der Hochschule Pforzheim und Studiengangleiterin Wirtschaftsingenieurwesen International.

Im Mittelpunkt des Vortrags „Managing Sustainable Value Chains – The Case of Dr. Bronner`s“ standen Fragestellungen, wie ein Unternehmen für Kosmetikartikel in einem gesättigten Markt Erfolg haben kann und wie sich Lieferketten nachhaltig gestalten lassen. Nach Einschätzung von Axel Rungweber sind Glaubwürdigkeit, Integrität und Authentizität die Antwort auf diese Frage und müssen sich als Werte und gelebte Praxis wie ein roter Faden im gesamten Geschäftsmodell des Unternehmens wiederspiegeln. Gelingt dieses Vorhaben, dann werden aus Kunden Markenbotschafter, welche die Werte und die Philosophie des Unternehmens nach außen transportieren. Die Unternehmensphilosophie umfasst laut Axel Rungweber auf sechs Prinzipen: verantwortungsvolles Wachstum, sorgsamer Umgang mit Kunden, Behandlung von Mitarbeitern wie Familie, fairer Umgang mit Lieferanten, verantwortungsvoller Umgang mit der Erde und natürlichen Ressourcen sowie der Einsatz für das Richtige. Die Einhaltung dieser Prinzipien hat für das Unternehmen stets Vorrang, selbst wenn dadurch betriebswirtschaftliche Nachteile entstehen.

Im Rahmen seines Vortrages gab Axel Rungweber den ZuhörerInnen einen spannenden, praxisnahen und tiefen Einblick in verschiedene Arbeitsbereiche des Unternehmens. Er sprach über die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen eines kleinen Unternehmens im deutschen Markt, bei der Positionierung gegenüber etablierten Marken und über die Herausforderung Profit zu erwirtschaften und gleichzeitig die sozial ausgerichtete Philosophie des Unternehmens zu wahren. Er referierte über die Herausforderungen bei der Einhaltung von Standards und Zertifizierungsvorgaben. Für seine Produkte verwendet das Unternehmen so weit wie möglich Rohstoffe aus fairem Handel, um Nachhaltigkeit in den Lieferketten voranzutreiben. Um die erwünschte Transparenz und Kontrolle über die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Rohstoffe vor Ort zu erhalten, setzt Dr. Bronner’s eigene Fairtradeprojekte um. Ein Beispiel hierfür ist Palmöl aus der ghanaischen Stadt Asuom. Dort werden Palmfrüchte von mehreren hunderten kleinen Familienbetrieben, die schon seit Generationen Palmfürchte anbauen, kultiviert. Ferner informierte er über interkulturelle Aspekte bei der Zusammenarbeit mit Zulieferern in der ganzen Welt. Herr Rungweber sprach davon, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit darauf basiert, den Dorfbewohnern auf Augenhöhe zu begegnen und deren Kultur zu respektieren. Fühlen sich die Menschen akzeptiert und respektiert, haben sie eine stärkere Bindung zum Unternehmen und dem Projekt. Nach Auffassung des Referenten Axel Rungweber lassen sich die Prinzipien des erfolgreichen Agierens von Dr. Bronner’s auf viele Unternehmen und Startups übertragen. Lieferketten nachhaltig zu gestalten bleibt eine große Herausforderung für Unternehmen und erfordern innovative Lösungsvorschläge, auch und gerade von den Studierenden in der Zuhörerschaft.

Seinen Ursprung hat das Unternehmen Dr. Bronner’s in der Seifensiederei der Familie Heilbronner im schwäbischen Laupheim. Der Familie Heilbronner gelang es erstmals Flüssigseifen herzustellen, die an Kunden in ganz Deutschland geliefert wurden. Emanuel Heilbronner, Seifensieder in dritter Generation, emigrierte 1929 in die USA, um dem aufkeimendem Antisemitismus in Deutschland zu entfliehen und dort seine eigenen Ideen zur Seifenherstellung umzusetzen. Er verschrieb sich dem Ziel einer gerechten Welt ohne Krieg und Hass und hielt Vorträge über seine Vision. An seine Zuhörer verschenkte er dabei stets Seifen, so dass einige allein wegen der Seifen seine Vorträge besuchten. Schließlich gründete er mit Dr. Bronner’s seine eigene Seifenproduktion in den USA. Seine Vision „We are ALL-ONE or None!“ platzierte er fortan auf der Verpackung all seiner Produkte.

Informationen zum Unternehmen finden Sie hier.