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MESOR Unternehmensnetzwerk gestartet

Pforzheimer Professoren begleiten Materialeffizienz-Aktivitäten der IHK Freiburg

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein hat den Startschuss zu einem neuartigen Netzwerk gegeben, das die Kosteneinsparungen im Energie- und Materialbereich von produzierenden Unternehmen zum Ziel hat. In diesem Fall gilt sogar: Was gut für die Wirtschaft ist, tut auch der Umwelt gut. Denn mit der Bereitstellung von Energie- und Rohstoffen sind meistens auch Belastungen der Umwelt und des Klimas verbunden.

Vierzig Prozent der Kosten im verarbeitenden Gewerbe gehen im Durchschnitt auf das Konto Material und Rohstoffe, das ist doppelt so viel, wie für Personal ausgegeben wird. Viele kleine und mittlere Unternehmen haben ein großes Einsparpotenzial, wissen aber oft nicht, wo und wie sie ansetzen können.

Hierzu soll das Unternehmensnetzwerk Materialeffizienz Südlicher Oberrhein MESOR dienen. Es bietet den Unternehmen methodische Unterstützung und Beratungsdienstleistungen an; es werden spezielle Software-Tools bereitgestellt, Workshops durchgeführt und Erfahrungen ausgetauscht. Materialeffizienz bedeutet dabei, dass bei gleichem Firmenumsatz weniger Energie und Material eingesetzt wird, das Verhältnis von Aufwand zu (ökonomischem) Nutzen optimiert wird – mit der Konsequenz geringerer Kosten.

Mit dabei sind die Professoren Mario Schmidt und Dr. Peter Saile und IAF-Mitarbeiter M. Sc. Dipl. Ing. (FH) René Keil von der Hochschule Pforzheim, die das Konzept in enger Kooperation mit der IHK in Freiburg entwickelt haben. Unter ihrer Leitung wird derzeit auch ein computergestützter MESOR-Assistent entwickelt, der den Unternehmen eine Anleitung zur Selbsthilfe geben soll und die Einsparpotenziale mit anschaulichen Diagrammen visualisieren wird.

Der Leiter des zuständigen Geschäftsbereichs der IHK Freiburg, Werner Reif, betont, dass MESOR das erste Netzwerk zur Materialeffizienz in Deutschland ohne staatliche Zuschüsse ist. Bereits in zahlreichen konkreten Pilotprojekten in der Vergangenheit hatte er gelernt, dass sich solche Projekte für die Unternehmen wirtschaftlich rechnen – wenn die Geschäftsleitungen sich zu entsprechenden Analysen und Maßnahmen durchringen. Das Überwinden dieser Anfangsbedenken stellt somit die größte Hürde für Materialeffizienz-Maßnahmen dar.

Diese Erfahrung haben auch Prof. Schmidt und sein Team am Institut für Angewandte Forschung gemacht: „Unternehmen sind bei solchen Managementthemen zu Recht sehr vorsichtig. Alle paar Jahre gibt es eine neue Mode mit neuen Begriffen: TQM, Six Sigmas, Kaizen, Lean Management, usw. Wir wollen den Unternehmen einfach nur vermitteln, dass sie ihr eigenes Produktionssystem aus einem etwas anderen Blickwinkel – der Energie- und Materialsicht – betrachten sollen. Sie werden dann selbst eine Menge Einsparpotenziale entdecken.“

Bereits in der Vergangenheit haben die Professoren Schmidt und Saile über ein Dutzend Unternehmen im Raum Freiburg zur Materialeffizienz erfolgreich beraten. Nun soll mehr Breitenwirkung erreicht werden. Denn die Materialaufwendungen im verarbeitenden Gewerbe betragen bundesweit etwa 600 Milliarden Euro pro Jahr. Optimistische Schätzungen gehen von einem Einsparpotenzial von 10-15 Prozent aus; eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums schätzt die Einsparungen in Deutschland vorsichtig, aber immerhin ohne größere Investitionsmaßnahmen auf 6 Milliarden pro Jahr. Damit würde die Wettbewerbsposition der deutschen Wirtschaft deutlich gestärkt und zudem ein Beitrag zur Umwelt- und Ressourcenschonung geleistet werden.