• search
    Suche
  • Login

News |

Klaus Töpfer beim Tag der Nachhaltigkeit an der Hochschule

Klaus Töpfer mit der "Sylvicultura Oeconomica" von Carlowitz im Gespräch mit Prof. Hendrik Lambrecht, Rektor Prof. Ulrich Jautz und Prof. Mario Schmidt (v.r.n.l.)

Der ehemalige Bundesumweltminister und Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen Klaus Töpfer besuchte gestern die Hochschule Pforzheim und hielt im vollbesetzten Audimax einen Vortrag beim Studium Generale. Am Tag der Nachhaltigkeit veranstaltete die Hochschule einen Stakeholder-Dialog mit Vertretern aus der Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Zahlreiche Initiativen präsentierten sich auf dem Campus.

Professor Klaus Töpfer kam auf Einladung des Pforzheimer Professors Hendrik Lambrecht. Beide sind momentan in einem Gremium aktiv, das mit der Suche nach einer Lösung für die Atommülllagerung befasst ist.

Töpfers Vortrag kreiste um den Begriff des Anthropozäns, also des von Menschen gemachten geologischen Zeitalters. Durch Klimaveränderungen, neue Materialien und Gestaltung der Landschaft beeinflusst der Mensch dauerhaft die Geologie der Erde, so die Anthropozän-Hypothese. Töpfer warnte insbesondere davor, technische Lösungen auszuprobieren, die sich hinterher nicht mehr rückholen lassen. Er sprach in diesem Zusammenhang von Pfadabhängigkeiten. Als Beispiel nannte er das Geo-Engineering zur vermeintlichen Lösung des Klimaproblems. Eine Demokratie brauche Alternativen, meinte er, und wenn von alternativlos gesprochen werde, so müsse man stets auf der Hut sein. Das teilweise studentische Publikum forderte er auf, kritisch zu sein und solche einfachen Lösungen zu hinterfragen. Überhaupt sei das die Basis wissenschaftlichen Arbeitens, und er brachte das – frei nach Popper – auf die einfache Formel: „Verifizieren führt zu Ideologien, Falsifizieren ist Wissenschaft.“

Ein besonderes Schmankerl war dann noch die Ausstellung des alten Folianten von Hans Carl von Carlowitz, dem Begründer der Nachhaltigkeit, aus dem Jahr 1713. Töpfer bezog sich in seinem Vortrag immer wieder auf ihn, denn Carlowitz dachte als Erster darüber laut nach, was getan werden müsste, damit nachfolgende Generationen genügend Holz für ihr Wirtschaften, und insbesondere für den Bergbau im Erzgebirge, zur Verfügung haben. Er verwendete als Erster den Begriff der Nachhaltigkeit und war nebenbei der Begründer der Forstwirtschaft.