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Grundsätze digitaler Produktpässe – Herausforderung für Industrie, Handel und Behörden

Professor Dr. Claus Lang-Koetz, Tim Bartram und Dr. Christian Haubach (v.l.n.r.), Foto: M. Schmidt

Am 2. Juni war Tim Bartram von der GS1 Germany GmbH in der Ringvorlesung Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit zu Gast. Er ist als Senior Manager Collaborative Research Projects tätig und an vielen Forschungs- und Entwicklungsprojekten auf EU-Ebene beteiligt. Ziel dieser Projekte ist es, mittels digitalisierter Prozesse bessere und schnellere Geschäftsentscheidungen in Wertschöpfungsnetzwerken zu unterstützen. In seinem Vortrag ging er auf digitale Produktpässe sowie die Herausforderungen, die sich für Industrie, Handel und Behörden ergeben, ein. Darüber hinaus zeigte er auf, welche Rolle dabei den Enabler-Technologien der GS1 zukommt bzw. zukommen kann.

GS1 Standards im Kontext nachhaltiger Wertschöpfungsnetzwerke

Der wohl bekannteste GS1 Standard ist die sogenannte Global Trade Item Number (GTIN, ehem. EAN). Diese findet sich unter dem Barcode und identifiziert seit 50 Jahren Produkte global, überschneidungsfrei und eindeutig. Mehr als 110 Millionen Produkte sind weltweit mit Barcodes ausgezeichnet und über 6 Milliarden Barcodes werden täglich weltweit gescannt. Ziel von Standards wie der GTIN ist es, Produkte oder andere Vermögenswerte weltweit eindeutig zu identifizieren, relevante Informationen zu erfassen und verlässliche Informationen mit anderen Partnern der Wertschöpfungsnetzwerke zu teilen. Hier lässt sich somit eine Anknüpfung zum digitalen Produktpass erkennen, der im Zuge der Ecodesign Directive der EU als Instrument für mehr Datentransparenz im Lebenszyklus von Produkten dienen soll.

Anhand eines Schokoriegels zeigte Herr Bartram auf, wie schnell die Menge an notwendigen Daten innerhalb eines Wertschöpfungsnetzwerkes ansteigt, da die Logistik, der Handel, rechtliche Anforderungen und der Kunde Zugriff auf unterschiedliche Informationen erfordern. Diese reichen von Produktgewicht und -größe über Lagerungstemperatur bis hin zu Angaben zu Inhaltsstoffen und Allergenen.

Erste Modelle zur Bereitstellung von digitalen Produktpässen  

Im zweiten Teil seines Vortrags gab Herr Bartram dem Publikum die Möglichkeit, anhand von zwei verschiedenen Produkten selbst mit dem Smartphone die hinterlegten Produktinformationen abzurufen. Beide Kunststoffverpackungen sind mit einem digitalen Wasserzeichen versehen, in dem eine eindeutige Identifikation kodiert ist.

Beim Scannen verweist der unsichtbare Code zunächst auf einen Datensatz bei einem exklusiven Dienst für digitale Produktpässe. Dieser Dienst legt die Informationen zur Weitergabe fest, wobei es sich nicht um Originaldatensätze handelt. Die Funktionalität ist zudem anhängig von der Laufzeit des Dienstes und ein einzelner Ausfall legt das gesamte System lahm. Wichtig für die Umsetzbarkeit digitaler Produktpässe sind das Thema Interoperabilität und die Unabhägigkeit von proprietären Lösungen. So können die Informationen, die für ein Produkt relevant sind, für verschiedene Kategorien unterschiedlich sein. Die Formate, in denen Daten zu Verfügung gestellt werden, müssen jedoch interpretationsfrei und interoperabel sein.

Seinen Vortrag schloss Herr Bartram mit einem Überblick über die EU-Ökodesign-Verordnung sowie Aspekten darin, die GS1 bei deren möglicher Umsetzung aktuell beschäftigen. Eine wesentliche Frage ist insbesondere, wie Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen erreicht werden kann.

Die Ringvorlesung geht nun in die Sommerpause und ist im Wintersemester zurück.