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Die Produkte der Zukunft: grün und sozialverträglich? Ein Blick in das Innovationsmanagement von Industrieunternehmen

Prof. Dr. Claus Lang-Koetz

Ein Nachhaltigkeitsmanagement umzusetzen, also Ökonomie, Ökologie und Soziales integriert zu betrachten, ist für viele Unternehmen mittlerweile eine wichtige Aufgabe. Jedoch gibt es aber auch interessante Stellgrößen im Innovationsmanagement des Unternehmens. Hier werden neue Ideen generiert und das Angebot der Zukunft des Unternehmens auf den Weg gebracht. Und in der technischen Umsetzung wird schließlich der Lebenszyklus der zukünftigen Produkte festgelegt. 

Wie kann nun aber ein „nachhaltiges Innovationsmanagement“ konkret in der Praxis gestaltet werden? Dieser Frage ging Dr. Claus Lang-Koetz, Professor für Nachhaltiges Technologie- und Innovationsmanagement an der Hochschule Pforzheim, in seinem Vortrag nach.

Grüne Produkte mit bislang geringer Marktdurchdringung

In seiner Einführung stellte Claus Lang-Koetz erst einmal ein paar grundlegende Überlegungen an: Aus gesellschaftlicher Sicht sollten Produkte generell nachhaltig sein, aber was bedeutet das konkret? Der Referent zeigte auf, wie der Stand bei den so genannten „grünen Produkten“ ist. Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt, dass besonders umweltfreundliche Produkten erst 8,6 Prozent des Umsatzes am Markt ausmachen. Die Bunderegierung verfolgt das Ziel, hier bis 2030 34 Prozent  zu erreichen. Hier gibt es also noch Einiges zu tun.

Unternehmensumfrage zur Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in das Innovationsmanagement 

Schließlich stellte Dr. Lang-Koetz dazu die Ergebnisse einer Unternehmensumfrage vor, die er kürzlich zusammen mit Dr. Sven Schimpf vom Fraunhofer-Verbund für Innovationsforschung durchgeführt hat. In der Umfrage wurden von Dezember 2018 bis Februar 2019 zahlreiche Industrieunternehmen in Deutschland angesprochen, 110 Unternehmen nahmen schließlich teil.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass ein großer Anteil der teilnehmenden Unternehmen Nachhaltigkeit in ihren strategischen Innovationszielen berücksichtigt. Nachhaltigkeit ist aber bei weitem kein integrierter Teil des Innovationsmanagements. 

So werden zwar in der Innovationsorganisation Nachhaltigkeitsaspekte zum Teil berücksichtigt: Die ökonomische Perspektive spielt wie zu erwarten eine große Rolle, sie wird von 69,1% der Teilnehmer im Innovationsprozess berücksichtigt. Eine kleinere Rolle spielen Umweltaspekte (58,2%) und soziale Aspekte (40,0%). Überraschenderweise beziehen Unternehmen selten ihre eigenen Nachhaltigkeitsexperten in das Innovationsmanagement ein. Dies deutet darauf hin, dass die interdisziplinäre Integration zwischen den beiden Themen noch ein großes Verbesserungspotenzial zu haben scheint. Auch fließen Nachhaltigkeitsaspekte nur wenig in die operative Arbeit des Innovationsmanagements ein.

Die Charakterisierung der Stichprobe zeigt, dass es sich bei den Teilnehmern um Unternehmen handelt, die im Vergleich zum Branchendurchschnitt sowohl im Innovationsmanagement als auch im Nachhaltigkeitsmanagement als aktiv angesehen werden können. Daher können die Ergebnisse nur bedingt verallgemeinert werden. 

Eine wichtige Erkenntnis ist jedoch, dass es noch einigen Erklärungsbedarf dazu gibt, was Nachhaltigkeit für das Innovationsmanagement im Unternehmen bedeutet. Hier muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Auch muss eine Konkretisierung z. B. durch Zielvorgaben oder die Festlegung von Bewertungskriterien erfolgen und das Fachpersonal des Nachhaltigkeitsmanagements stärker in Innovationsaktivitäten eingebunden werden.

Einfache Erklärungsansätze und Bewertungsmethoden 

Abschließend zeigte Claus Lang-Koetz auf, wie Nachhaltigkeitsthemen einfach dargestellt und bei der Bewertung von Produktideen Umweltaspekte gut erklärt und angewendet werden können. So wird zum Beispiel mit der Landesagentur Umwelttechnik BW eine informative Website umgesetzt, mit der Innovationsideen im Hinblick auf Umweltaspekte verbessert werden können. Hier und auch bei weiteren Themen der angewandten Forschung kann gerade das Institut für Industrial Ecology (INEC) der Hochschule Pforzheim gut unterstützen und praxisnahe Hilfestellungen für Unternehmen bieten.