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Die Energieversorgung von morgen am Beispiel der Elektrizitätswerke Schönau

Armin Komenda (l.) und Thies Stillahn (r.), Elektrizitätswerke Schönau

Die Energieversorgung von morgen am Beispiel der Elektrizitätswerke Schönau

Am 4.12.18 fand die Ringvorlesung im Rahmen einer Veranstaltung, die zur Vortragsreihe Spektrum Wirtschaftsprüfung gehörte, statt. Referenten waren Armin Komenda, Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und Thies Stillahn, der für die EWS im Bereich Strategische Geschäftsfeldentwicklung tätig ist. Der Vortrag der beiden handelte von der Idee hinter Genossenschaften, der Geschichte der EWS sowie der Art und Weise der zukünftigen Energieversorgung.

 

Armin Komenda begann den Vortrag mit einer kurzen Einführung zum Thema Genossenschaft. Seit über 150 Jahren gibt es Genossenschaften in Deutschland und rund 20 Millionen Menschen in Deutschland sind Mitglied in einer Genossenschaft, d. h. ca. jeder vierte Bürger. In Baden-Württemberg ist sogar jeder Dritte Mitglied in einer Genossenschaft. Genossenschaften basieren auf dem Demokratieprinzip, so hat jedes Mitglied unabhängig vom Anteil eine Stimme. Das Ziel von Genossenschaften ist die wirtschaftliche Förderung der Mitglieder mit dem Grundgedanken „Was einer nicht schafft, das schaffen viele“. Dabei gibt es verschiedene Genossenschaftsformen: z. B. Genossenschaften, die von ihren Mitgliedern beliefert werden, wie etwa Winzergenossenschaften oder Genossenschaften, von denen Mitglieder Leistungen beziehen wie etwa Metzger- oder Bäckergenossenschaften. Genossenschaften sind vielfältiger als man denkt, (un)bekannte Beispiele für Genossenschaften sind Intersport, Euronics oder Taxiverbunde. Ein neuer Schwerpunkt für Genossenschaften bildet sich momentan im Gesundheitswesen und der Energieversorgung. Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV), Dachverband der deutschen Genossenschaftsorganisation, verfolgt das Ziel den Genossenschaftsgedanken auch im Ausland zu etablieren, so auch im Rahmen der Elektrifizierung ländlicher Regionen in Asien und Afrika.

 

Nach dieser kurzen Einführung ging es mit dem Thema Energiegenossenschaften und die Energiewende weiter. Die Notwendigkeit der Energiewende ist für die Referenten unumstritten. Der wahrnehmbare Klimawandel sowie die verfehlten Klimaschutzziele zwingen dazu. Sie betonten auch, dass in der Presse kaum erwähnt wird, dass Deutschland aufgrund der nicht erreichten Klimaschutzziele Strafzahlungen ins Haus stehen. Im Jahr 2017 lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bei ca. 33 %. Dieser Vortragsteil endete mit dem Hinweis, dass Energiegenossenschaften keine Neuentwicklung sind: die zwei ältesten Energiegenossenschaften wurden 1910 in Baden-Württemberg gegründet, ihr Ziel war die Elektrifizierung entlegener ländlicher Regionen.

 

Bei den EWS handelt es sich ebenfalls um eine Energiegenossenschaft. Ihren Ursprung haben die EWS in der Bürgerinitiative „Eltern für eine atomfreie Zukunft“. Diese formierte sich 1987 im 2.500 Einwohner Städtchen Schönau vor dem Hintergrund der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl 1986. In einer Art Crowdfundingkampagne wurde damals Geld gesammelt, um dem damaligen Betreiber das Stromnetz abzukaufen.

 

Im Anschluss daran sprach Thies Stillahn über den Wandel in der Energieversorgung. Zu nennen sind hierbei drei Megatrends: Solarisierung/Dezentralisierung, Digitalisierung und Elektrifizierung (Sektorkopplung von Strom mit Wärme und Mobilität). Herr Stillahn brachte die Vision der EWS für die Energieversorgung der Zukunft wie folgt auf den Punkt: „Wir wollen die Chancen der Digitalisierung nutzen, um ein dezentrales, bürgernahes System auf Basis der Erneuerbaren zu realisieren.“.

Das Unternehmen arbeitet daher momentan zusammen mit weiteren Partnern im Rahmen eines Projekts an der „Modellregion Schönau“. Dabei sollen sich mehrere bürgerliche Energieproduzenten zu einer regionalen Gemeinschaft zusammenschließen. So soll der Strom dort verbraucht werden, wo er erzeugt wird. Hierzu ist es notwendig die Haushalte mit einer neuen Digitaltechnik auszustatten, die erfasst wo wieviel Strom erzeugt wird, wo er gebraucht wird und die eine entsprechende Verteilung steuert. Sollte der Strombedarf einmal nicht von der Gemeinschaft gedeckt werden können, springen die EWS ein. Ebenso kann ein Stromüberschuss ins Stromnetz eingespeist werden.

Der Frage, ob man sich mit einem solchen Modell nicht ins eigene Fleisch schneiden und Kunden verlieren würde, stehen die beiden Referenten ruhig gegenüber, denn dieses Modell benötigt immer noch jemanden der den Handel managt, Steuern errechnet, Abgaben abführt und Strom zur Verfügung stellt, wenn die Gemeinschaft ihren Bedarf einmal nicht selbst decken kann.

Herr Komenda und Herr Stillahn sind sich sicher, dass die EWS auch bei der Energiewende ähnlich wie 1987 wieder zu einem Pionier der Stromerzeugung und -versorgung werden können.