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BMBF gibt innovativen Forschungsprojekten der Hochschule Pforzheim den Zuschlag

Über ein Gesamtfördervolumen von fast 700.000 Euro freuen sich (v.l.n.r.): Professor Rudi Kurz, Dekan der Fakultät für Wirtschaft und Recht, Professor Mario Schmidt, Leiter des Instituts für Angewandte Forschung, und Professor Ralph Schieschke, Rektor der Hochschule Pforzheim

Ministerium unterstützt drei IAF-Projekte mit knapp 700 000 Euro für die Dauer von zwei Jahren

Das BMBF wird mit einem Gesamtvolumen von weit über einer halben Million Euro das Pforzheimer Institut für Angewandte Forschung (IAF) fördern. Für drei zukunftsweisende Forschungsprojekte wird das IAF der Hochschule Pforzheim insgesamt fast 700.000 Euro für die Dauer von zwei Jahren erhalten. Damit konnte sich das IAF in einem harten Wettbewerb um immer knapper werdende Finanzmittel erfolgreich durchsetzen. Die Pforzheimer Anträge wurden aus zahlreichen Vorschlägen aus ganz Deutschland ausgewählt. Dabei wurden die Projektanträge in einem strengen Begutachtungsverfahren von Experten bewertet; nur die besten erhalten die ersehnten Fördergelder. "Wir freuen uns über die zusätzlichen Mittel sehr", sagte Professor Mario Schmidt, Leiter des Instituts für Angewandte Forschung, im heutigen Pressegespräch, "zumal wir in direkter Konkurrenz zu namhaften Universitäten und großen For­schungs­einrichtungen standen. Wir können nun zusätzliches Personal für den Forschungsbereich finanzieren."

Die drei BMBF-Projekte werden im Rahmen von bedeutenden Fachpro­grammen des Bundes gefördert und wurden heute an der Hochschule Pforzheim vorgestellt: Zwei Projekte beschäftigen sich mit Forschung für den Klimaschutz. Im dritten Projekt wird ein Thema weiter erforscht, das in der momentanen Politik eine wichtige Rolle spielt: der effiziente Umgang mit Ressourcen. Es wird im Rahmen des BMBF-Programms "Innovationen als Schlüssel für Nachhaltigkeit der Wirtschaft" gefördert. Die Forschung erfolgt in enger Kooperation mit anderen Forschergruppen und namhaften Unternehmen aus ganz Deutschland. Bei zwei Projekten übernehmen die Pforzheimer Wissenschaftler sogar die Leitung der Konsortien. Damit werde auch die Lehre an der Hochschule weiter gestärkt, da die innovativen Inhalte direkt in die Masterausbildung einfließen können, wie der Dekan der Fakultät für Wirtschaft und Recht, Professor Dr. Rudi Kurz, betonte.


Mit EINBLIK mehr Klimaschutz in den Unternehmen
Im Projekt "EINBLIK - Kumulative Emissionsintensitäten zur Bewertung der Klimaschutz-Performance längs Lieferketten" geht es um die Einbeziehung von Emissionen an anderen Produktionsstandorten. Denn mit der Auslagerung von Produktionen ins Ausland wandern quasi auch die Emissionen aus, schädigen aber trotzdem das Erdklima. Zusammen mit der Technischen Universität Braunschweig und den beiden Unternehmen Volkswagen und Systain aus der Otto-Unternehmensgruppe gehen die Wissenschaftler der Frage nach, wie man die Klimaschutz-Aktivitäten von Unternehmen bewerten und vergleichen kann. Dabei werden die Emissionen immer auf das bezogen, was an Wertschöpfung in den Unternehmen entstanden ist: Hohe Emissionen für einen geringen wirtschaftlichen Output sind natürlich weniger sinnvoll als für eine hohe Wertschöpfung - hier zeigt sich der Effizienzanspruch der Pforzheimer Ökonomen. Mit den Projektergebnissen wird es zum Beispiel möglich sein, die Klimaschutzleistung verschiedener Werke eines Konzerns zu vergleichen, obwohl alle etwas anderes produzieren. Minderungsmaßnahmen wird man dann dort ergreifen, wo der wirtschaftliche Nutzen für die Emissionen am geringsten ist.

Das Projekt EINBLIK baut auf einer Vorstudie auf, die vom Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg vor zwei Jahren als innovatives Projekt finanziert wurde. Ohne die, so Professor Schmidt, wäre der jetzige Erfolg beim BMBF nicht möglich gewesen, denn an Fachhochschulen sei die Forschung immer noch die Ausnahme neben den umfangreichen Lehraufgaben. Strukturelle Förderungen seien da dringend erforderlich, um das vorhandene Forschungspotential zu nutzen.


Ressourcen sparen und Unternehmen optimieren
Ausgangspunkt im Projekt "KOMSA - Kombination von Optimierungsmethoden und Stoffstromanalyse zur Verbesserung des betrieblichen Materialeinsatzes" sind die hohen Kosten, die produzierende Unternehmen durch den Einsatz von Materialien und Energie haben. Im Durchschnitt machen sie in Deutschland inzwischen mehr als die Personalkosten aus. Die Idee ist nun, nicht weiter an der Personalkostenschraube zu drehen, sondern bei den Materialeinsatzkosten anzusetzen: Wie können Materialien und Energie sparsamer verwendet werden, d.h. die Einsatzmengen durch intelligente und sparsame Prozesse verringert werden? Wie erkennt man Ineffizienzen in den Unternehmen? Oft genug entscheidet diese Frage über die wirtschaftliche Weiterexistenz. Das Ziel des Forschungsverbundes ist deshalb die Integration solcher Methoden in praxistaugliche Software, die von den Firmen dann eingesetzt werden kann. Kooperationspartner sind die Universität Lüneburg, der große Chemiehersteller Ciba und die Lohnhärterei Hanomag in Hannover.


Innovationen in der Halbleiterproduktion für den Klimaschutz
Das dritte Verbundprojekt "Technologien und Konzepte zur Minderung von Treibhausgasemissionen bei der Herstellung von Halbleiter-Bauelementen und Solarzellen" wird von der Firma M+W Zander geleitet. Das Stuttgarter Generalunternehmen erstellt u. a. schlüsselfertige Hightech-Fabriken im Halbleiterbereich. Im Projekt geht es deshalb um die Verringerung von Umweltbelastung durch die Halbleiterherstellung. Das Konsortium, an dem neben den Pforzheimern und M+W Zander auch die Firma Centrotherm Clean Solutions GmbH in Blaubeuren und das Institut für Halbleiterphysik in Frankfurt/Oder beteiligt sind, wollen industrietaugliche Abgasbehandlungstechnologien entwickeln, mit der die Freisetzung von Treibhausgasen verringert werden kann.


Zum Institut für Angewandte Forschung
Für die Forschung an der Hochschule Pforzheim ist überwiegend das Institut für Angewandte Forschung (IAF) zuständig. In verschiedenen technischen und wirtschaftswissenschaftlichen Schwerpunkten arbeiten Professoren zusammen mit Projektmitarbeitern an innovativen Forschungsthemen. Die notwendigen Finanzmittel werden überwiegend im Wettbewerb mit anderen deutschen Forschungseinrichtungen in öffentlichen Ausschreibungen akquiriert, aber auch mittels Projektaufträgen aus der Wirtschaft eingeworben. Die Projekte sind jedoch stets zeitlich befristet. So müssen die Forscher am IAF ihre Leistungs- und Innovationsfähigkeit immer wieder neu unter Beweis stellen. Zu den Besonderheiten dieser Fachhochschulforschung gehören eine enge Zusammenarbeit mit Unternehmen und damit der Praxisbezug. Durch die Kooperation mit Universitäten können die Projektmitarbeiter auch oft eine Doktorarbeit erstellen, was an Fachhochschulen sonst nicht möglich ist.