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Bildgewaltiger Film – Do, 21.3., 17:15

Wo landet ein Teil unseres Wohlstandsmülls? Was geschieht mit ihm? Ist uns das bewusst, wenn wir ständig mit Whatsapp, Facebook und Jodel rumspielen oder auf dem Computer googlen? Zum Semesterauftakt wird am Donnerstag (17:15, W2.3.01) an der Hochschule der Film "Welcome to Sodom" gezeigt, der uns bildgewaltig und ohne viel belehrende Kommentare in diese andere Welt eintauchen lässt.

Sodom– so bezeichnen die Menschen im westafrikanischen Ghana die etwa 16 km2 große Mülldeponie Agbogbloshie nordwestlich der Hauptstadt Accra, auf der täglich containerweise Elektro- und Elektronikschrott aus Europa und Amerika abgeladen wird. Eigentlich dürfte dies gar nicht passieren, denn nach der Basler Konvention3 von 1989 dürfen nur funktionierende Altgeräte ins Ausland exportiert werden. Experten nehmen aber an, dass nur 20% der Geräte, die nach Agbogbloshie gelangen, tatsächlich funktionsfähig sind. Alle anderen Geräte werden von den etwa 6.000 Menschen, die in Slums auf und nahe der Mülldeponie leben, zerlegt. Mit primitivsten Mitteln.

Die Vereinten Nationen rechnen, dass jährlich zwischen 20 und 50 Millionen Tonnen Elektromüll anfallen, von dem ein Großteil in Ghana landet. Vor allem die wichtigen Rohstoffe Kupfer, Aluminium, Zink und Eisen werden zur Wiederverwertung verkauft und landen so auf dem Rückweg nach Europa wieder in den Herstellerländern. Durch die unsachgemäße Verwertung wandern aber giftige Rohstoffe wie Blei, Phosphor, Cadmium, Quecksilber und Arsen in den Boden, das Grundwasser und das Wasser der Lagune, in die hinein sich Agbogbloshie erstreckt und die bis zur Jahrtausendwende ein Vogelschutzgebiet war. Nicht nur dadurch ist der Aufenthalt auf der Deponie höchst gesundheitsschädlich: Um an die Rohstoffe zu gelangen, werden die Kunststoffgehäuse der Computer und Monitore verbrannt. Dies setzt Dioxine und andere gefährliche Substanzen frei, die dann durch die Atemwege in den Blutkreislauf gelangen.

Der Dokumentarfilm „Welcome to Sodom“ lässt die Zuschauer hinter die Kulissen der größten Müllhalde Europas mitten in Afrika blicken und portraitiert die Verlierer der digitalen Revolution. Dabei stehen nicht die Mechanismen des illegalen Elektroschrotthandels im Vordergrund, sondern die Lebensumstände und Schicksale von Menschen, die am untersten Ende der globalen Wertschöpfungskette stehen. Anders als in herkömmlichen Dokumentationen werden keine Fakten präsentiert oder Experten interviewt. Es werden die Aussagen von Betroffenen aus dem Off eingespielt, auf Englisch mit deutschen Untertiteln. Die Stärke des Films liegt in der Atmosphäre: Man fühlt sich wie bei einem 90-minütigen Besuch an diesem schmutzigsten Ort der Welt – und ist hinterher froh, dort nicht leben zu müssen.

Recycling geht natürlich auch besser und professioneller. Moderne Recyclingbetriebe in Europa können heute bis zu 17 verschiedene Metalle aus Elektronikschrott zurückgewinnen. Ohne größere Umweltbelastungen. Aber dazu müssen sie vorher fachgerecht eingesammelt und sortiert worden sein.

Der Film wird im Rahmen der Ringvorlesung „Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit“ am 21.März um 17:15 Uhr in Raum in W2.3.01 gezeigt.

Quellen:

http://www.welcome-to-sodom.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Elektromülldeponie_Agbogbloshie/

Kontakt: Institut für Industrial Ecology - Prof. Dr. Mario Schmidt