Gerichtsfeste Beweissicherung durch verteilte Technologien

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In einem neuen Beitrag in der Fachzeitschrift Datenschutz und Datensicherheit (DuD) stellen RechtswissenschaftlerInnen des vunk-Instituts und WirtschaftsinformatikerInnen des IoS3 an der Hochschule Pforzheim sowie des KIT ein Verfahren vor, das helfen soll, Rechtsverstöße im Internet zukünftig rechtlich und technisch sicherer beweisen zu können

Die Verfolgung von Rechtsverstößen im Internet scheitert nicht selten an ihrem Nachweis. Digitale Inhalte sind in hohem Maße flüchtig und manipulierbar. Werden Rechtsverstöße zum Beispiel von Betroffenen oder von Schutzorganisationen oder staatlichen Stellen erkannt, müssen diese zum Zwecke eines späteren Beweises vor Gericht dokumentiert werden. Das geschieht bei Verstößen im Internet häufig durch Screenshots. Bei oder vor Erstellung eines Screenshots können jedoch beweiserhebliche Manipulationen geschehen: Indem der zugrunde liegende Quelltext einer Webseite umgeschrieben wird. Oder, indem der Screenshot selbst wird verändert wird; sei es durch nachträgliche Bildbearbeitung oder durch den Einsatz von KI-basierten Verfahren wie Deepfakes. 

Rechtsprechung und wissenschaftliche Analysen weisen auf die geringe Beweiskraft von Screenshots hin. Im Rahmen der EVIDENTT-Studie – ein Kooperationsprojekt zwischen dem vunk-Institut an der Hochschule Pforzheim und dem AIFB-Institut des KIT, das im Rahmen des Ideenwettbewerbs Blockchain im Auftrag der Baden-Württemberg-Stiftung durchgeführt wurde  – konnte die Machbarkeit einer technischen Lösung für eine zuverlässige und gerichtsfeste Dokumentation von Rechtsverstößen im digitalen Raum gezeigt werden.

In einem neu erschienenen Beitrag in der Zeitschrift für Datenschutz und Datensicherheit stellen die am Projekt Beteiligten das System EVIDENTT vor: eine Kombination aus Distributed-Ledger-Technologie (DLT) und einer verifizierenden Crowd-Absicherung des Verstoßes. Der Beitrag befasst sich im Kern mit der Frage, inwiefern das System eine zuverlässige, datenschutzfreundliche und vor allem gerichtsfeste, also auch mit den gerichtlichen Beweisvorschriften vereinbare Dokumentation von Rechtsverstößen im digitalen Raum unterstützen kann.

Kroschwald, S./Schuster, T./Al-Washash, Z./Secci, A./Kruse, N./Ullrich, M./Schiefer, G., Gerichtsfeste Beweissicherung im Daten- und Verbraucherschutz – DLT-basierte Lösung mit Crowd-VerifikationDuD 3/2026, S. 145-151

Zum Artikel: https://link.springer.com/article/10.1007/s11623-026-2221-9?utm_source=rct_congratemailt&utm_medium=email&utm_campaign=nonoa_20260330&utm_content=10.1007%2Fs11623-026-2221-9