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Führung + Kreativität

Be the change you want to see in this world

An einem sonnigen Frühlingstag im April startete im Literarischen Colloquium am Wannsee die neue Runde des KSG-Ideenaufrufs „F+X“. Nachdem im vergangenen Jahr das Thema „Kreativität“ bearbeitet wurde, beleuchteten die sechs ausgewählten Projekte der Stiftung in diesem Jahr das Thema „Führung + Verantwortung“. Als Ergebnis sollte mit Hilfe der Theaterautorin Maxi Obexer eine szenische Lesung entstehen, zu der jeder Partner eine oder mehrere Szenen beisteuert.

Das HEED-Team wählte auf Grundlage der intensiven Vorarbeit, die der Masterstudiengang Produktentwicklung im Rahmen ihrer Human Ressource Management-Vorlesung bereits im Wintersemester geleistet hatte, das Thema „Künstliche Intelligenz in der Produktentwicklung“ aus. Die Master-Studierenden beschreiben für das Jahr 2060 dazu folgendes Szenario „Da die „Künstliche Intelligenz“ im Jahr 2060 und darüber hinaus eine Vielzahl an menschlichen Aufgaben übernommen hat, soll die Ausbildung von Studenten auf die „weichen“ Fähigkeiten der Menschen zurückgreifen, um „Führung“ und „Verantwortung“ im zwischenmenschlichen Sinne zu lehren. Durch die immer stärker werdenden Fähigkeiten der KI müssen die Studierenden ein verändertes Wissens- und Handlungsspektrum aufbauen, um sich gegen die KI durchzusetzen. Zudem muss die Interaktion zwischen Mensch und Maschine, das zugehörige ethische Verständnis und der richtige Umgang mit Führungs- und Verantwortungskompetenzen geklärt und definiert sein.“

Im Nachgang des Kick-Offs arbeitete das HEED-Team das Thema zunächst weiter aus und kreierte das Szenario eines mittelständischen Radlader-Herstellers, dessen Entwicklungsteam am Montagmorgen mit einem Zeitungsartikel über eine neue KI-Software konfrontiert wird. Diese wird beim chinesischen Konkurrenten eingesetzt und kann vollautonom günstiger und besser Maschinen entwickeln.

Mit dieser Grundlage fand im Mai in Kooperation mit Anja Oßwald von der Denkbank und Maxi Obexer der Auftaktworkshop mit dem HEED-Team und den Studierenden des Master Produktentwicklung statt. Die vier Teams gingen noch einmal völlig frei und mit einigen Tipps von Maxi Obexer ans Werk und arbeiteten die für das Theater immens wichtigen Konflikte heraus, die sich im Zusammenspiel des Entwicklungsteams mit der KI ergeben könnten. So enstanden vier ganz unterschiedliche Szenen, die sehr facettenreich das mögliche Zusammenspiel der Mitarbeitenden und der KI darstellten. In der Szene „Der Wegsparer“ zeigt Siri dem Finanzvorstand auf, was dank der neuen KI schon alles weggespart wurde. Dieser ist zunächst euphorisch – bis er am Ende selbst weggespart wird. „Wir schaffen uns ab“ spielt damit, wer hier eigentlich wen abschafft: Schafft das Unternehmen die Mitarbeiter, die Angst, das Geld, die Jobs, den Entwicklungsleiter ab oder am Ende die Chinesen auch sich selbst? Bei „Mondays for Machines“ versuchen die Nachhaltigkeitsbeauftragte und der Finanzboss die KI durch Komplimente und Schmeicheleien, aber auch durch Bestechungen, Bedrohungen und Beschimpfungen auf ihre Seite zu ziehen. In „Nur noch kurz die Welt retten“ fragen sich die betroffenen Mitarbeitenden, was die KI eigentlich alles leisten kann, ob sie die 10 Gebote kennt, ihre Fenster putzen oder gar die Welt retten kann. Die letzte Szene „Verantwortung und KI“ zeigtein Konfliktgespräch zwischen dem Finanzverantwortlichen und dem Produktentwicklungsleiter des Unternehmens auf, die mit unterschiedliche Ängsten und Hoffnungen auf die KI reagieren und sich fragen, wie sie ihre Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitenden weiter erfüllen können.

Die fünf Szenen wurden von Maxi Obexer im Nachgang weiter zugespitzt und in eine aufführungsreife Form gebracht. Eine Auswahl der Szenen wurde mit den Beiträgen der anderen Projektpartner in ein Bühnenstück gegossen, das den Namen „Be the change you want to see in this world“ trägt. Dieses Stück zeigt die unterschiedlichsten Facetten von Verantwortung, sei es im beruflichen, akademischen oder privaten Bereich. Uraufgeführt wurde es in Form einer Szenischen Lesung am 12. September bei der Abschlussrunde des Ideenaufrufs im Literarischen Colloquium in Berlin, wo sie bei allen Anwesenden auf große Begeisterung stieß, was nicht zuletzt auch den tollen Schauspieler*innen zu verdanken war. In der Diskussion des Stückes ergaben sich anregende Gespräche über die Relevanz der vielschichten Themen und auch neue Kooperationen der Projektpartner wurden angestoßen, sodass der Ideenaufruf sein Ziel der Vernetzung und des Perspektivenwechsels durchweg erfüllte.

Eine Dokumentation der Ergebnisse wird in Kürze unter www.fuehrungplusx.de zu finden sein.