• search
    Search
  • Login

News | 

Talkrunde zum Thema "Industrie 4.0"

Quelle: UF automation GmbH

Wie wirkt sich die zunehmende Digitalisierung auf Unternehmen und ihre Angebote aus? Welche neuen Geschäftsmodelle sind jetzt gefragt? Wie können traditionelle Stärken bewahrt und gleichzeitig neue Technologien mit Mehrwert auf den Markt gebracht werden? Diesen Fragen widmete sich eine Talkrunde zum Thema "Industrie 4.0"  Guido Sand, Professor für Automatisierungstechnik an der Fakultät für Technik, war einer der insgesamt vier Teilnehmer. Das Gespräch zwischen Professor Sand, Dipl.-Ing. Rene Hirschmugl (Bereichsleiter Prozessindustrie evon GmbH), Reiner Müller (Geschäftsbereichsleiter Wirtschaftsförderung Stadt Pforzheim) und Uwe Fuchs (Geschäftsführer UF automation GmbH) fand im Rahmen des 25-jährigen Firmenjubiläums der Pforzheimer UF automation GmbH am 27. Oktober 2017 statt. 

 

Was ist Industrie 4.0?

Prof. Dr.-Ing. Guido Sand:

"Industrie 4.0 wurde auf der Hannover Messe 2013 vom Präsidenten der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften, Prof. Dr. Henning Kagermann, ausgerufen. Der Begriff umschreibt, dass die industrielle Produktion mehr und mehr von Informations- und Kommunikationstechnologien durchdrungen wird; Schlüsseltechnologien sind das Internet der Dinge, die Virtualisierung von Fabriken, maschinelles Lernen und Produktionsoptimierung. Experten erwarten, dass diese Technologien individuelle Produkte zum Preis von Massenprodukten und eine Selbstoptimierung der Produktion und der Anlagenstruktur ermöglichen."

Guido Sand

Was hat sich durch Industrie 4.0 geändert?

Prof. Dr.-Ing. Guido Sand:

"Die technologischen Grundlagen werden seit Jahrzehnten erforscht und entwickelt: die digitale Automatisierung seit Industrie 3.0  in den 1970ern, das Internet seit den 1960ern, die künstliche Intelligenz seit den 1970ern, die Optimierung seit den 1940ern. Seit Industrie 4.0 reden auch Manager und Politiker und Vertreter der Gesellschaft über Digitalisierung in der Industrie. Es gibt neue Ideen durch andere Perspektiven, aber auch mehr Arbeit um sich mit unrealistischen Erwartungen auseinanderzusetzen. Es herrscht ein Erwartungsdruck, sich zur Digitalisierung in der Industrie zu positionieren – für Unternehmen, insbesondere Automatisierungsanbieter und -anwender, im Rahmen wissenschaftlicher Konferenzen oder im Bereich der Hochschullehre von Technik, Wirtschaft und Recht."

 

Besteht Forschungsbedarf?

Prof. Dr.-Ing. Guido Sand:

"Es sind noch viele Fragen offen: Wie verteilt man kognitive Aufgaben optimal auf Mensch und Maschine? – Denken Sie in diesem Zusammenhang an den tödlichen Tesla Unfall. Wie macht man das Internet sicher? Wie interpretiert man die Ergebnisse von künstlicher Intelligenz? Wie findet man global optimale Produktionspläne? Ganz praktisch fehlt vielen Unternehmen Orientierungs- und Anwendungswissen: Welche Virtualisierungs- und Analysewerkzeuge gibt es? Was leisten sie? Wie kann ich die Wertschöpfung für mich bewerten? Im Hinblick auf Anwendungen stellen sich die Fragen: Welche Problemstellungen lassen sich durch digitale Technologien lösen? Gibt es Referenzfälle? Wie kann ich Lösungen aus anderen Bereichen übertragen? Wo liegen meine Innovationspotenziale?"

Kann man Industrie 4.0 studieren?

Prof. Dr.-Ing. Guido Sand:

"Industrie 4.0 entspricht nicht der Begründung der Relativitätstheorie: Die relevanten Methoden und Technologien sind prinzipiell bekannt und seit längerem studierbar. Relevante Fächer werden neu gebündelt, z.B. im Master-Studiengang "Mechatronische Systementwicklung" an der Hochschule Pforzheim: Mathematik, Modellierung, Simulation, Regelungstechnik, und Optimierung werden mit Projektmanagement und dem Erwerb von Forschungskompetenzen kombiniert.
Entscheidender ist die Fähigkeit zum horizontalen Denken, Innovieren und Problemlösen über Fächergrenzen hinweg: Ingenieure, Informatiker, Mathematiker und Betriebswirte müssen enger denn je kooperieren. Das erfordert den Mut und die Fähigkeit zu häufigen Perspektivwechseln.

Das Projekt HOTSPOT an der Hochschule Pforzheim setzt hier an. Es ermöglicht und fördert transdisziplinäre Arbeit  aktuell unter dem Oberthema Digitalisierung."

 

Die Fragen stellte Moderatorin Susi Herzberger.

Anmerkung: Der hier veröffentlichte Auszug der Talkrunde fokussiert ausschließlich die Wortbeiträge von Herrn Prof. Dr. Sand.

 

Weiterlesen:
https://engineeringpf.hs-pforzheim.de/fakultaet/stiftungsprofessuren/
https://www.hs-pforzheim.de/profile/guidosand/