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Studierende entwickeln Digitalisierungsstrategie

Jonathan Schemel (r.) und Kolja Klug (l.) studieren Medizintechnik.

Jonathan Schemel (r.) und Kolja Klug (l.) haben den Arbeitsalltag von medizinischem Personal in Baden-Württemberg analysiert – und darauf aufbauend ein Konzept entwickelt, das als Planungshilfe für zukünftige Krankenhäuser dienen kann. In einem Fachmagazin für Krankenhaustechnik und -management wird über ihre Projektarbeit „Krankenhaus4.now“ berichtet.

Krankenhaus-Konzeptplanung 2025: Medizintechnik-Projektarbeit an der Fakultät für Technik
 

Zwei weithin bekannte – vor allem aktuell bewusst wahrgenommene – Probleme im Klinikalltag: überlastetes Pflegepersonal und veraltete Technik. Wie können Innovationen in der digitalen Medizintechnik genutzt werden, um Effizienz und Qualität im Gesundheitswesen zu steigern? Zwei Studierende des Bachelorstudiengangs „Medizintechnik“ an der Fakultät für Technik der Hochschule Pforzheim haben den Arbeitsalltag von medizinischem Personal in Baden-Württemberg analysiert – und darauf aufbauend ein Konzept entwickelt, das als Planungshilfe für zukünftige Krankenhäuser und für die Modernisierung von bestehenden Krankenhäusern dienen kann. „Wir zeigen auf, inwieweit eine Interoperabilität aus innovativen Technologien wie Internet of Things (IoT), Robotik, Logistikautomatisierung und eine elektronische Patientenakte (ePA) den Krankenhausalltag erleichtern können. Mit aktuellen Beispielen möchten wir zeigen, was heute bereits möglich ist und in Zukunft realistisch umsetzbar sein wird“, so die Studierenden Kolja Klug und Jonathan Schemel.

Die aktuelle Situation ermittelte das Duo zunächst im Rahmen einer anonymen Online-Umfrage, die sich an sämtliche Personalgruppen im Krankenhaus richtete. Der Titel ihrer entstandenen Projektarbeit „Krankenhaus 4.now“ sei dabei schon ein Hinweis auf zentrale Themen der Untersuchung: „Der Suffix 4.0 beschreibt branchenübergreifend die Einführung digitaler Technologien und die digitale Vernetzung. Now – Jetzt steht nicht nur für die Aktualität des Themas, sondern vielmehr für seine Überfälligkeit, denn Digitalisierung und Modernisierung kommen im Gesundheitssektor im Branchenvergleich nur sehr langsam an“, so Professorin Dr. rer. nat. Ute Marx, die die Arbeit wissenschaftlich betreute. Wie relevant Analyse und Ausblick der beiden 23-Jährigen aktuell ist, zeige auch die Publikation ihrer Projektarbeit in einer medizinischen Fachzeitschrift, so die Pforzheimer Professorin. Der dreiteilige Beitrag in dem Magazin für Krankenhaustechnik und -management gliedert sich in Umfrageergebnisse, Technologien und Strategiekonzept.

Professorin Dr. rer. nat. Ute Marx

„Die Umfrage kann als Einstieg in die Krankenhaus-Konzeptplanung 2025 gesehen werden. Sie verdeutlicht den Handlungsbedarf in den kommenden Jahren, um sowohl die Behandlungsqualität für die Patienten als auch die Arbeitsbedingungen für das Krankenhauspersonal nachhaltig verbessern zu können“, so die Studierenden.

Von Materialbestellung und Auswertung von Labor- und Diagnostikdaten über Patientenüberwachung und Belegungs- und Bettensteuerung bis hin zur Dienstplanerstellung – im Rahmen ihrer Projektarbeit erfassten Kolja Klug und Jonathan Schemel die Ist-Situation, entwickelten ein Verständnis von Abläufen und identifizierten schließlich Verbesserungsmöglichkeiten. „Unsere Konzeptplanung schweift dabei nicht in visionäre Ferne. Wir zeigen ganz konkret auf, was man unmittelbar innerhalb von fünf Jahren umsetzen kann und was man dazu in die vorhandene Krankenhausstruktur implementieren kann“, so die Studierenden. „Die Innovation der Arbeit liegt in der Gesamtbetrachtung und Zusammenführung der einzelnen Technologien mit einem Fokus auf Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung“, so Ute Marx.

„Für die Implementierung einer digitalisierten Infrastruktur haben wir uns das Konzept der Balanced Scorecard (BSC) zunutze gemacht. Dabei handelt es sich um ein Strategiefindungs- und Umsetzungstool, das neben der Finanzperspektive auch die Patienten-, Mitarbeiter- und Prozessperspektive mit einbezieht, um Ziele und Maßnahmen festzulegen, zu planen und zu überwachen. Unser Konzept wurde durch die fünfte Dimension Datenschutz aufgrund der hohen Brisanz im Gesundheitsbereich erweitert“, so die Studierenden.

Durch den demografischen Wandel, das verstärkte Gesundheitsbewusstsein und den medizinisch-technischen Fortschritt ist die Medizintechnik-Branche seit Jahren im Aufwind. In der Übersicht der Bundesländer nimmt Baden-Württemberg die Position als führender Medizintechnik-Standort Deutschlands ein. Auf diesen Aufwärtstrend hat die Hochschule Pforzheim mit der Einrichtung des Bachelorstudiengangs „Medizintechnik“ reagiert. Dieser wurde in enger Abstimmung mit Medizintechnik-Unternehmen der Region konzipiert und ging im Wintersemester 2012/2013 an den Start. Absolventinnen und Absolventen arbeiten in der Entwicklung, der Zulassung und im Vertrieb medizintechnischer Produkte, aber auch in der Beratung von Industrieunternehmen und öffentlichen Institutionen des Gesundheitswesens. Ein weiteres wichtiges Tätigkeitsfeld umfasst die Einrichtung, die Instandhaltung und das Qualitätsmanagement in Kliniken und Laboren.