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Vernetzt in die Zukunft

Dr.-Ing. Andreas Wolf. Foto: Axel Grehl

Dr.-Ing. Andreas Wolf. Foto: Axel Grehl

Intelligente Haushaltsgeräte, sprechende Smartwatches oder das Pakete-Tracking – die Digitalisierung erobert nach und nach den Alltag der Menschen. Und auch Unternehmen setzen zunehmend auf eine Produktion, die sich auf das Internet of Things stützt. Welche Potenziale dies vor allem für den europäischen Wirtschaftsraum in sich birgt und welche Rolle Ingenieure dabei spielen werden, darüber sprach Dr.-Ing. Andreas Wolf beim Studium Generale an der Hochschule Pforzheim in seinem Vortrag „Von den ,Dingen‘ im Internet of Things – Die Zukunft des Maschinenbaus“.

„Ein ‚Internet der Dinge‘ kann nur so gut sein, wie die Dinge, die Teil dieses Netzwerks sind“, rückte Professorin Dr. Frauke Sander, die gemeinsam mit Professorin Dr. Christa Wehner die wissenschaftliche Leitung der beliebten Vortragsreihe innehat, gleich zu Beginn des Abends die Kernaufgabe künftiger Maschinenbauer in den Fokus. Als Wegbereiter des Internet of Things – also der Einbindung von physischen und virtuellen Objekten in Netzwerke, so dass diese selbständig miteinander kommunizieren können – benannte Dr.-Ing. Andreas Wolf unter anderem die rasante Entwicklung von Rechenleistung als Grundlage der Digitalisierung. „Das Mooresche Gesetz besagt, dass sich diese alle zwei Jahre verdoppelt“, gab das Vorstandsmitglied des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer Baden-Württemberg einen Ausblick auf die Entwicklung der Ressource Rechenleistung.

Diese Entwicklung befeuere das Internet of Things. „Für das Internet bedeutet das, dass es immer schneller wird, wenn wir Geräte miteinander vernetzen, also eine Cloud bilden“, erklärte Andreas Wolf. Ein Potenzial, das auch die Industrie entdeckt hat, die ihre Anlagen ebenfalls mithilfe des Internet of Things vernetzt und ähnlich den Smart Home Anwendungen sehr einfach steuerbar machen will. Die Vision: „Unsere Maschinen sollen miteinander kommunizieren und Informationen austauschen können – und das ist dann künftig sogar über ein Handy steuerbar“, so Wolf. Vor allem für den Standort Baden-Württemberg mit seinen rund 350.000 Beschäftigten – davon sind etwa 17 Prozent Ingenieure – im Segment Maschinen- und Anlagenbau sei diese Entwicklung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit von enormer Bedeutung.

Professorin Dr. Christa Wehner (links), Dr.-Ing. Andreas Wolf und Professorin Dr. Frauke Sander. Foto: Axel GrehlProfessorin Dr. Christa Wehner (links), Dr.-Ing. Andreas Wolf und Professorin Dr. Frauke Sander. Foto: Axel Grehl

Für die Maschinenparks der Zukunft bedeutet das flexibler einsetzbare Geräte und mehr interne Vernetzung. „Die Idee ist, dass es keine starre Maschine mehr gibt, sondern dass sie je nach Bedarf individuell zusammengebaut wird“, so Andreas Wolf. Greifer, Kamera oder Laser könnten so je nach Produkt unterschiedlich von ein und derselben Maschine eingesetzt werden. Mithilfe der entsprechenden Software werde das Gerät dann für die verschiedenen Arbeitsschritte programmiert. Abseits des Internet of Things brauche es also immer das erfolgreiche Zusammenspiel von Soft- und Hardware. „Ein Roboter kann anfangs nichts, wir müssen ihm mittels Software erst beibringen, was er tun soll. Doch ohne die entsprechende Hardware, zum Beispiel einen Greifer, kann auch er nichts ausrichten“, veranschaulichte Andreas Wolf. Das Internet of Things ermögliche nun zusätzlich eine Steuerung via Applikation – kurz App – anstelle der lokalen Bedienung vor Ort. Zum Schutz vor dem Zugriff Dritter könnte die Vernetzung der Maschinen innerhalb einer Local Cloud stattfinden, also abseits des öffentlichen Internets. Sowohl die Planung dieser Maschinen als auch deren Vernetzung sei ein neues Arbeitsfeld für künftige Ingenieure und Entwickler.

Damit Deutschland und insbesondere Baden-Württemberg wettbewerbsfähig bleiben, sei die fortschreitende Digitalisierung aus mehreren Gründen von immenser Bedeutung. Zum einen ermögliche sie der Exportnation die Betreuung von Kunden auf der ganzen Welt, ohne selbst vor Ort sein zu müssen. Zum anderen könnte dank Automatisierung vieler Prozesse der Produktionsstandort Deutschland trotz hoher Lohnkosten attraktiv bleiben. Voraussetzung für zukünftige Erfolge seien die Ingenieure, Entwickler und Konstrukteure, von denen es allerdings immer weniger gibt. „Unser Problem ist die Überalterung der Disziplinen bei immer weniger Studienanfängern in den technischen Fächern“, erklärte Andreas Wolf. Schon jetzt zeige sich hinsichtlich der Bewerberzahlen ein Mangel, der in wenigen Jahren gravierende Folgen haben könnte. „Auf der anderen Seite haben wir riesige Herausforderungen, die mit der Demografie zu tun haben“, prognostizierte Andreas Wolf. Die Weltbevölkerung wächst rapide. Damit einher gehe ein steigender Bedarf an Ressourcen. Ausgebremst werden könne dieses Wachstum nur durch technischen wie medizinischen Fortschritt.

Für die Versorgung der Bevölkerung brauche es in Zukunft Weiterentwicklungen in vielen Bereichen wie zum Beispiel Infrastruktur, Landwirtschaft oder auch Logistik. In diesem Zuge plädierte Andreas Wolf für eine Rückkehr zum Lokalen. „Wir können diese Ideen nutzen, um auch in einem Hochlohnland wieder zur lokalen Produktion zurückzufinden. Zugleich können wir diese Technologien exportieren, um unser Gewicht in der Weltwirtschaft aufrecht zu erhalten“, erklärte der Maschinenbauer. Denn nur mit Qualität, Know-how und Innovationen könnten Deutschland und die EU am Markt bestehen. Die theoretischen Grundlagen dafür würden an den Universitäten und Hochschulen gelegt. Dem Maschinenbau, so wurde klar, gehe die Arbeit in Zukunft nicht aus: „Für die Ingenieure gibt es also viel zu tun. Wir in Europa sitzen in einem Boot und sollten gemeinsam rudern, damit es in die richtige Richtung geht.“

Der Vortrag von Dr.-Ing. Andreas Wolf, der als Livestream aus dem Audimax der Hochschule Pforzheim gesendet wurde, ist noch bis 8. Juni hier abrufbar.