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Professorin Dr. Jasmin Mahadevan mit dem Sonderpreis der Catharina Vierordt Stiftung ausgezeichnet

Lehre und Forschung in internationalem und interkulturellem Management

Anerkennung für die Preisträgerin: Karla Kellner (Initiatorin und Mitstifterin der Catharina Vierordt Stiftung), Professorin Dr. Jasmin Mahadevan (HSPF), Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim Peter Boch (v.l.n.r.).

„Was hilft es uns, wenn wir Kultur verstehen?“ Eine Frage, auf die Dr. Jasmin Mahadevan, Professorin an der Fakultät für Technik der Hochschule Pforzheim, eine klare Antwort hat: Die Bewusstheit über die eigene Kultur und das gleichzeitige Verständnis für die Andersheit anderer ist eine zentrale Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts. Dies an Studierende als Führungskräfte sowie an Entscheider von morgen weiterzugeben, ist Kern ihrer Professur im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule. Für diese Sensibilisierung anderer, ihren Einsatz des „Werkzeugs Kultur“ in Alltag, Forschung und Lehre sowie für ihre besondere Leistung im wissenschaftlichen Diskurs wurde Jasmin Mahadevan am Freitag, den 26. Januar 2018, von der Catharina Vierordt Stiftung ausgezeichnet – eine Stiftung, die sich der Frauenförderung in Pforzheim und der Region verpflichtet hat.

In der Laudatio, die Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch auf die Preisträgerin hielt, betonte er, wie wichtig es gerade in der akademischen Ausbildung junger Menschen sei, interkulturelles Verständnis als zentrale Managementkompetenz der Gegenwart und Zukunft zu vermitteln. Im Geiste der Catharina Vierordt, die durch die Übernahme des Amtes ihres verstorbenen Mannes als Goldkontrolleurin der Stadt Pforzheim im 19. Jahrhundert in erster Linie soziokulturelle und geschlechterspezifische Grenzen überschritten hat, würdigte er den Einsatz von Jasmin Mahadevan, als Professorin ein Bewusstsein für Kultur zu schaffen und das Verständnis für deren Wandelbarkeit weiter voranzutreiben. 

Kultur bezieht sich dabei nicht nur auf die Nationalität, sondern auf eine Vielzahl von Rollen und normativen Erwartungen, die jeder Mensch in Interaktion mit anderen erfüllt. Eine unter vielen ist die Geschlechterrolle und die damit verknüpften Assoziationen. Zentral ist dabei die Annahme, dass Kultur erlernt und nicht angeboren ist. Sie ist in ständigem Wandel begriffen, formbar und veränderbar im Zusammenwirken der Gesellschaft. Sie entsteht aus dem menschlichen Miteinander, was jede und jeden zu Produkten und gleichzeitig aktiven Produzenten von Kultur macht.

Karla Kellner (Initiatorin und Mitstifterin der Catharina Vierordt Stiftung, l.) und Preisträgerin Professorin Dr. Jasmin Mahadevan von der Hochschule Pforzheim.

Der Grund warum es Kultur überhaupt gibt ist einfach: Kultur bereitet auf das Unerwartete vor, sie liefert erlernte Bedeutungen für das Unbekannte. Das daraus resultierende Gefühl von Gleichheit und Gemeinsamkeit gibt Menschen Sicherheit – die jedoch trügerisch ist, und immer nur eine quasi willkürliche Auswahl aller möglichen Handlungsweisen und Bedeutungen darstellt. Der erste Schritt zu interkultureller Kompetenz ist daher die Hinterfragung der eigenen Normalität und der Mut, in Austausch mit anderen zu treten. Da die heutige globalisierte Welt mehr denn je durch kulturelle Vielfalt geprägt ist, auch ohne dass physikalische Ländergrenzen überschritten werden, ist es notwendig, Motivation, Wissen und Handwerkszeug für interkulturelles Zusammenwirken zu verbreiten. Außerdem müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden, in denen gemeinsam im Interesse aller eine neue „Inter-Kultur“ entsteht. Professorin Dr. Jasmin Mahadevan lehrt und forscht an der Hochschule Pforzheim, um genau auf diese Herausforderung vorzubereiten.

Weitere Informationen:
Professorin Dr. Jasmin Mahadevan

Jasmin Mahadevan folgte dem Ruf an die Hochschule Pforzheim im Jahr 2009. Sie lehrt und forscht im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen im Fachgebiet internationales und interkulturelles Management und blickt in diesem Gebiet auf eine langjährige Praxis- und Forschungserfahrung zurück. Eine Vielzahl von Forschungspublikationen in international anerkannten und begutachteten Zeitschriften wurden von ihr publiziert.
In ihrem kürzlich publizierten Lehrbuch „A Very Short, Fairly Interesting and Reasonably Cheap Book about Cross-Cultural Management” skizziert Jasmin Mahadevan die Konturen eines zeitgemäßen interkulturellen Managements, das über klassische Theorien und Modelle hinausgeht und Lösungen für aktuelle Probleme liefert. Erschienen ist es in einer kritischen Managementreihe, deren Ziel es ist, Inhalte so aufzubereiten, dass daraus lesbare, gut verständliche, anwendungsorientierte und vor allem kurze Literatur entsteht, die keine inhaltlichen Kompromisse macht und zum Hinterfragen anleitet.

Über die Catharina Vierordt Stiftung
Als erste Frauenstiftung der Stadt Pforzheim stellt die Catharina Vierordt Stiftung die Förderung von Pforzheimer Frauen und Mädchen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Ziel ist es, Frauen und Mädchen so zu unterstützen und zu bestärken, dass sie auf allen Gebieten des Lebens gleichberechtigt ihren Platz einnehmen. Zu diesem Zweck fördert die Stiftung zukunftsweisende Vorhaben und innovative Projekte unter besonderer Berücksichtigung frauenspezifischer Lebensverhältnisse und Anliegen.
Catharina Vierordt (1755-1842) war die erste Goldkontrolleurin der Stadt und prüfte im markgräflichen Auftrag den Goldgehalt des Pforzheimer Schmucks. Sie erkämpfte die Amtsnachfolge ihres Mannes nach dessen Tod und übte das wichtige öffentliche Amt der Goldkontrolle viele Jahre lang aus. Catharina Vierordts Entschlossenheit, sich als Frau und Mutter beruflich und gesellschaftlich einen gleichberechtigten Platz zu erobern, ist das zentrale Leitmotiv der Stiftung.