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Klimaschutz: Auf die Vorkette kommt es an!

Die Emissionsbilanzen dürfen nicht an nationalen Grenzen Halt machen

Mit dem Klimagipfel in Kopenhagen haben die Emissionsbilanzen von Personen, Produkten und Unternehmen wieder Hochkonjunktur. Wer stößt wie viel Treibhausgase – gemessen in Kohlendioxid-Äquivalenten – aus? Unternehmen haben dabei das Problem, dass aufgrund der sinkenden Fertigungstiefe ein großer Teil ihrer Emissionen „vorgelagert“ erfolgen: bei den Zulieferern von Rohstoffen und Vorprodukten. Diese Beiträge werden meistens unterschätzt.

Aktuelle Rechnungen des IAF in Pforzheim haben gezeigt, dass z.B. ein mittelständisches Unternehmen, das Geräte der Meß- und Regelungstechnik herstellt, nur 10 % seiner Emissionsbilanz selbst am Standort freisetzt, durch den Verbrauch fossiler Energieträger. Auch der Verbrauch von elektrischer Energie oder die eingekauften Transportdienstleistungen haben keinen überragenden Beitrag. Sie machen höchstens etwa 20 % aus. Der Rest stammt von den „CO2-Rucksäcken“ der Vorprodukte und Dienstleistungen, die das Unternehmen einkauft. Diese teilen sich zwischen Inland und Ausland etwa zur Hälfte auf. Das heißt: Das Unternehmen greift auf Vorprodukte zurück, die im Ausland hergestellt wurden und die dort Treibhausgasemissionen verursacht haben. Das ist eine typische Situation für die produzierenden Unternehmen der meisten Branchen in Deutschland.

Deshalb kommt es in den Unternehmen nicht nur auf Maßnahmen zum Energiesparen oder Einsatz von regenerativen Energien an. Gerade der Einkauf kann wesentlich zur Verbesserung der Klimabilanz der Unternehmen beitragen. Dazu sind jedoch Verfahren erforderlich, die Klimaperformance von Lieferanten zu bewerten. Das IAF hat in den vergangenen Jahren entsprechende Methoden entwickelt, solche Emissionsbeiträge in der Supply Chain zu ermitteln oder mit volkswirtschaftlichen Input-/Outputanalysen zumindest abzuschätzen.

Was für Unternehmen gilt, hat übrigens auch Bedeutung für jeden einzelnen Konsumenten. Die üblichen Klimarechner und auch die offiziellen statistischen Angaben der Pro-Kopf-Emissionen sind meistens nur die nationalen Gesamtemissionen geteilt durch die Einwohnerzahl. In Deutschland liegt der Wert derzeit bei knapp unter 10 Tonnen CO2-Äquivalent pro Einwohner und Jahr. Zum Vergleich: Für die USA gibt man einen Wert von ca. 19 Tonnen pro Kopf und Jahr an, für China 4,6 Tonnen pro Kopf und Jahr.

 

Dabei wird allerdings verkannt, dass wir mit unserem Konsum für mehr Emissionen „verantwortlich“ sind. Denn viele unserer Produkte wurden im Ausland, z.B. in China, produziert und haben zur dortigen nationalen Emissionsbilanz beigetragen. Solche Emissionen bezeichnet man in der Fachwelt als graue Emissionen oder als embodied emissions. Es gibt Abschätzungen, wie groß die Pro-Kopf-Emissionen wären, wenn man diese Beiträge mit berücksichtigt.

So hat eine norwegische Forschergruppe ausgerechnet, dass die deutschen Pro-Kopf-Emissionen dann bei 15 Tonnen pro Kopf und Jahr liegen, in den USA sogar bei 28 Tonnen pro Kopf und Jahr. Die Werte beziehen sich auf Analysen aus dem Jahr 2001, lassen sich aber weitgehend auf heutige Verhältnisse übertragen.

Damit wird deutlich, dass der Endverbrauch der eigentliche Bezugspunkt der Emissionsbilanzen sein sollte. In Zeiten eines globalen Handelssystems sind nationale Emissionsbilanzen kaum tauglich, die Verantwortlichkeit für die Emissionen abzubilden. Sie werden aber weiterhin notwendiger Ausgangspunkt für die Ermittlung der Emissionen und für Planung klimapolitischer Maßnahmen sein. Die Bedeutung für Unternehmen liegt darin, dass Outsourcing von Produktionsstandorten in das Ausland deren Klimabilanz nicht zwangsläufig verbessert. Denn für das Klima ist nur die globale Bilanz entscheidend. Das muss bei künftigen Emissionsbilanzen stärker berücksichtigt werden.