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Ihr STUDIUM GENERALE TEAM
Prof. Dr. Frauke Sander & Prof. Dr. Nadine Walter
Wirtschaft und Politik im Umbruch - Chancen und Risiken einer neuen Weltordnung
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(v.l.n.r.) Rektor Prof. Dr. Ulrich Jautz, Prof. Dr. Nadine Walter, Referent Prof. Dr. Michael Hüther und Prof. Dr. Frauke Sander
Offene Märkte, Freihandelsabkommen und multilaterale Kooperationen – die Welt hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg immer weiter vernetzt. Globalisierung und freier Handel schienen uns selbstverständlich. Doch spätestens seit der Corona-Pandemie verändert sich die Dynamik zwischen den Kontinenten rasant und scheinbar unaufhaltsam. Welche Gefahren das birgt und welche Chancen in der Veränderung stecken, erläuterte Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, am Mittwochabend im Studium Generale der Hochschule Pforzheim.
Der Vortrag des Experten trug den Titel „Doppelter Epochenbruch: Wie Geopolitik Europas Wirtschaftsordnung verändert“. Hüther legte anschaulich dar, was er unter dem doppelten Epochenbruch versteht. Zum einen steigen Handelshemmnisse, der Protektionismus nehme zu und in vielen Ländern seien die Freiheitsrechte unter Druck. Zum anderen sinke die Relevanz Europas. „Die EU setzt keine relevanten Standards mehr für die Welt“, so Hüther. Gleichzeitig begann schon während der Amtszeit von Barack Obama ein schrittweiser Rückzug der USA aus ihrer bisherigen internationalen Führungsrolle – mit der Konsequenz, dass Europa nicht mehr erste Priorität der Amerikaner sei.
Gleichzeitig stehen Europa und China gleichermaßen vor der Herausforderung einer Überalterung ihrer Bevölkerung, die das Wirtschaftswachstum durch einen Fachkräftemangel langfristig einbremsen könnte. „China wird seinen Einfluss in der Welt weiter ausbauen. Vor allem durch Innovationen im Bereich Künstliche Intelligenz wird das Land versuchen, dem demografischen Wandel entgegenzuwirken“, sagte Hüther.
Was bedeutet das für Europa? Was jetzt zähle sei laut Hüther, die Potenziale Europas zu nutzen. Die Unabhängigkeit der EU sei derzeit in den Erneuerbaren Energien am stärksten, daran solle man weiter anknüpfen. Zudem finde eine Abwertung des Dollars als weltweite Leitwährung statt, man könne versuchen, den Euro zu stärken und als Machtinstrument zu nutzen. Dazu brauche es aber ein geschlossenes Europa und starke politische Führung, so Hüther.
Künstliche Intelligenz – zwischen Realität und Hype
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(v.l.n.r.) Prof. Dr. Nadine Walter, Prof. Dr. Ralf Otte, Rektor Dr. Ulrich Jautz und Prof. Dr. Frauke Sander. Foto: Susanne Materac / Hochschule Pforzheim
„Wir sprechen immer darüber, was alles möglich ist mit Künstlicher Intelligenz. Lassen Sie uns heute auch darüber sprechen, was nicht möglich ist“, beginnt Dr. Ralf Otte seinen Vortrag am Mittwochabend. Er ist Professor für Industrieautomatisierung und Künstliche Intelligenz an der Technischen Hochschule Ulm und sprach im Studium Generale über die aktuelle Realität der Technologie, mit der hohe Erwartungen verbunden sind. Das Publikum – begeistert.
Bereits in den 1950er Jahren begann die Geschichte der Künstlichen Intelligenz. Sie ist ein Forschungsgebiet der Informatik und beschäftigt sich seit den Anfängen mit algorithmischen Problemlöseverfahren. „Wir befinden uns heute bereits in der dritten Welle der Künstlichen Intelligenz. Die Chatbots, die bereits 65 Prozent der Deutschen nutzen, basieren auf sogenannten Large Language Models, die darauf trainiert werden, menschliche Sprache zu verstehen“, erläuterte Otte. „Die Weiterentwicklung von KI hat zur Vermenschlichung der Technologie geführt. Wir nutzen sie im Alltag und haben das Gefühl, sie versteht uns. Doch sie hat Grenzen.“
Prof. Dr. Ralf Otte ist Professor für Industrieautomatisierung und Künstliche Intelligenz an der Technischen Hochschule Ulm.
Fotos: Susanne Materac/ Hochschule Pforzheim
Der Experte stützte seinen Vortrag vor allem auf den Vergleich von Künstlicher Intelligenz und dem menschlichen Gehirn. Mit vielen Alltagsbeispielen machte er seinen Vortrag lebendig und sorgte für den einen oder anderen Lacher im Audimax. „KI hat kein Bewusstsein und da liegt der große Unterschied zum Menschen. Denken Sie zum Beispiel an kleine Kinder, die sind lernfähig. Sie handeln logisch. Sie fassen einmal auf eine heiße Herdplatte und verstehen, dass das wehtut“, sagte Otte und betonte, dass die KI genau dort ihre zentrale Grenze habe: Sie habe keine Fähigkeit, aus vorhandenen Daten verlässlich in die Zukunft zu schließen. Vor diesem Hintergrund sei eine technologische Revolution kurzfristig nicht zu erwarten.
Die Fehlerquote ist hoch, deswegen sei der Mensch auch unersetzlich, so Otte. Man versuche seit Jahren, Künstliche Intelligenz in Bereichen wie der Strafverfolgung zu nutzen. Bei einer Gesichtserkennung an Flughäfen aber beispielsweise, die potenzielle Straftäter*innen identifizieren könnte, haben aktuelle KI-Tools eine Fehlerquote von einem Prozent. „Das sind bei einer Million geprüfter Gesichter zehntausend fälschlich verdächtigte Personen. Nicht auszumalen, welche Auswirkung das auf die Anzahl der Falschverurteilungen hätte“, sagte Otte.
Das Fazit des Experten am Ende des Abends: KI nehme den Menschen nicht die Arbeit weg, sie verändere Arbeit lediglich. Kenntnisse in KI-Tools seien dabei, vor allem auf dem Arbeitsmarkt, die Zukunft. Die KI-Revolution, die den Menschen und seine Komplexität ersetzen könne, sei aber in weiter Ferne.
Am Ende des Vortrags nutzten die Zuschauer*innen die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit Prof. Dr. Otte ins Gespräch zu kommen.
Wenn Erinnerungen verblassen: Matthias Jucker gibt Einblicke in den Stand der Alzheimer-Forschung
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Professor Dr. Matthias Jucker sprach an der Hochschule Pforzheim über neue Erkenntnisse in der Alzheimer-Forschung. Credit: Cornelia Kamper/ Hochschule Pforzheim
Alle 3 Sekunden erkrankt irgendwo auf der Welt ein Mensch neu an Demenz, weltweit sind aktuell ca. 60 Mio. Menschen betroffen und die Weltgesundheitsorganisation benennt Demenz als die siebthäufigste Todesursache weltweit. Damit gehört Demenz, und speziell Alzheimer, das in vielen Fällen Ursache einer Demenz ist, zu den folgenschwersten Erkrankungen des höheren Lebensalters. Zugleich gehört sie auch zu jenen Krankheiten, zu denen trotz intensiver Forschung noch viele Fragen unbeantwortet sind. Aber was wäre, wenn sich Alzheimer schon sehr viel früher erkennen ließe – und wenn es gelänge, die Krankheit noch vor dem Auftreten schwerer Symptome zu verlangsamen?
Im Studium Generale der Hochschule Pforzheim eröffnete Professor Matthias Jucker, Neurowissenschaftler von der Universität Tübingen, dem Publikum einen Blick hinter die Kulissen der Alzheimerforschung. Anschaulich und kenntnisreich erläuterte er, wie Alzheimer entsteht, warum die Krankheit vermutlich Jahrzehnte vor den ersten Symptomen beginnt und welche Hoffnungen mit neuen Diagnose- und Therapieansätzen verbunden sind.
Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Erkenntnis, dass Alzheimer nicht erst mit den ersten Gedächtnisproblemen beginnt. Vielmehr, so Jucker, setzten krankhafte Prozesse im Gehirn oft schon viele Jahre vorher ein. „Alzheimer beginnt mindestens 20 Jahre vor den klinischen Symptomen“, erklärte er. Gerade diese lange Vorphase eröffne neue Möglichkeiten für Forschung, Diagnose und Therapie. Anschaulich schilderte Jucker, wie sich krankhafte Eiweißablagerungen im Gehirn über lange Zeit entwickeln und warum die Wissenschaft heute versucht, genau an diesem frühen Punkt anzusetzen.
Prof. Dr. Nadine Walter, Prof. Dr. Ulrich Jautz, Neurowissenschaftler Prof. Dr. Matthias Jucker und Prof. Dr. Frauke Sander. Foto: Cornelia Kamper / Hochschule Pforzheim. Dabei spannte der Neurowissenschaftler den Bogen von der Diagnose bis zur Therapie. Er erläuterte, wie sich Alzheimer heute deutlich präziser und einfacher diagnostizieren lasse als noch vor wenigen Jahren – und künftig wohl sogar auch durch Bluttests. Besonders eindrücklich war sein Einblick in aktuelle Therapieansätze mit Antikörpern, die gezielt gegen krankhafte Eiweißablagerungen wirken. Diese Medikamente seien ein wichtiger Fortschritt, auch wenn sie noch keine Heilung ermöglichten. „Es gibt noch keine befriedigende Therapie, aber vielleicht bald“, so Jucker.
Zugleich machte der Referent deutlich, dass Forschung selten geradlinig verläuft. Gerade darin lag für viele im Publikum die besondere Stärke des Abends: Jucker zeigte Wissenschaft als offenen, schrittweisen Prozess, in dem neue Erkenntnisse frühere Annahmen verändern und Fortschritte oft in kleinen, aber entscheidenden Schritten entstehen. Immer wieder gelang es ihm, komplexe biomedizinische Zusammenhänge verständlich und mit einem feinen Sinn für Humor zu vermitteln.
Zum Schluss richtete Jucker den Blick auf die Prävention. Neben bekannten Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, sozialer Isolation oder bestimmten Vorerkrankungen verwies er auch auf neuere Forschungsbefunde, etwa zu möglichen Zusammenhängen zwischen Impfungen und einem geringeren Alzheimer-Risiko. Eine einfache Lösung gebe es zwar nicht, doch der Abend machte deutlich, dass die Forschung heute weiter ist als noch vor wenigen Jahren – und dass die Hoffnung berechtigt ist, Alzheimer künftig früher erkennen und wirksamer behandeln zu können
Wenn Argumente keine Keulen sind: Marie-Theres Braun zeigt, wie Überzeugen ohne Rechthaberei gelingt
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Prof. Dr. Christa Wehner, Prof. Dr. Ulrich Jautz, Rhetorikexpertin Marie-Theres Braun sowie Prof. Dr. Frauke Sander (v.l.n.r.) freuen sich über den Auftakt des Studium Generale. Foto: Susanne Materac
Volles Haus, gespannte Aufmerksamkeit und viele Aha-Momente prägten den Abend im Studium Generale der Hochschule Pforzheim. Mit ihrem Vortrag „Menschen überzeugen – Die Stärke der kooperativen Kommunikation“ zeigte Marie-Theres Braun pointiert und unterhaltsam, dass gute Gespräche nicht dort beginnen, wo man am lautesten recht hat, sondern dort, wo man trotz unterschiedlicher Standpunkte im Gespräch bleibt. Im Zentrum ihres Vortrags stand die Frage, wie Verständigung gelingen kann, wenn Positionen verhärtet sind, auch mal die Emotionen hochkochen und das Zuhören zunehmend hinter dem eigenen Rechthaben zurücktritt.
Als besondere „Brandbeschleuniger“ benannte die Referentin drei Muster: emotional aufgeladene Wertethemen, binäres Denken in Kategorien wie richtig oder falsch sowie ein Gefühl von Ohnmacht. Wo diese Faktoren zusammenkämen, entstünden schnell extreme Kommunikationsformen. Die einen zögen sich zurück, die anderen gingen frontal in den Angriff. Beides, so ihre Botschaft, helfe nicht weiter. „Kommunikation ist kein Kriegsschauplatz“, sagt Rhetoriktrainerin Marie-Theres Braun, „es geht nicht darum, anderen mit schlagfertigen Sprüchen zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat“. Stattdessen lenkte Braun den Blick auf die Zwischentöne: „Es gibt auch einen Raum dazwischen“, sagte sie, „und in diesem Raum liegt unsere Überzeugungskraft.“
Besonders anschaulich wurde der Abend dort, wo Braun ihre Methoden mit Beispielen aus Alltag, Beruf und Öffentlichkeit verknüpfte. Eindrucksvoll schilderte sie etwa, wie stark Diskussionen heute von Polarisierung geprägt seien – in Online-Foren, bei der Gender-Frage oder auch in Team-Besprechungen. Im Streit, so ihre Beobachtung, unterstellten die Beteiligten dabei oft der andere sei „dumm, krank oder böse“. Das Gegenüber werde zur Karikatur. Solche Zuschreibungen, so Braun, blockierten jedoch jedes ernsthafte Gespräch. Denn wer sein Gegenüber bloßstellt oder mundtot macht, mag rhetorisch punkten, überzeugt aber niemanden. Entsprechend schlussfolgerte Braun: „Verlierer stimmen nicht zu. Verlierer rüsten auf.“
Erst wenn Menschen sich verstanden fühlen, sind sie bereit, ihre eigene Position zu überdenken. Das bedeutet, aktiv zuzuhören, Fragen zu stellen und zu versuchen, die Perspektive des Anderen einzunehmen. Erfolgreiche Kommunikation legt den Fokus daher darauf, Widerstand nicht zu verstärken, sondern zu reduzieren. Zugleich betonte sie, dass kooperative Kommunikation nichts mit Nachgiebigkeit zu tun hat. Es gehe weder um faule Kompromisse noch darum, die Wahrheit automatisch in der Mitte zu suchen. Entscheidend sei vielmehr, die andere Person ernst zu nehmen, ohne den eigenen Standpunkt aufzugeben.
Brauns Kernbotschaft: Wer Menschen gewinnen will, sollte auf kooperative Gesprächstechniken, kluge Wortwahl und eine Haltung setzen, die Unterschiede aushält, statt sie sofort zu bekämpfen. Gerade in polarisierten Zeiten wirkte das wie eine kleine Revolution mit großen Chancen: weniger Schlagabtausch, mehr Bewegung im Denken. Zum Abschluss gab sie den Tipp: „Reden Sie doch mal mit einem Kotzbrocken. Anfangs vielleicht nicht mit dem Größten, fangen Sie klein an, um eine positive Erfahrung zu machen. Am Ende zeichnet sich ein gutes Gespräch auch nicht dadurch aus, dass eine Person zu hundert Prozent recht hat, sondern dadurch, dass hinterher beide ein bisschen anders denken als vorher“.
Überzeugen ohne Lautstärke: Marie-Theres Braun machte im Studium Generale deutlich, warum gute Gespräche nicht vom Rechthaben leben – sondern vom Zuhören, Verstehen und Aushalten von Unterschieden. Foto: Susanne Materac- 20. Mai 2026: Prof. Dr. Michael Hüther: „Doppelter Epochenbruch – Geopolitik und Ökonomie"
- 15. April 2026: Prof. Dr. Mathias Jucker: „Alzheimer – Forschung gegen das Vergessen“
- 25. März 2026: Marie-Theres Braun: “Menschen überzeugen - die Stärke der kooperativen Kommunikation”
- 19. November 2025: Christoph Heusgen: „Kriege, Krisen, Konflikte: neue Wege für die deutsche Außenpolitik“
- 12. November 2025: Peter Holzwarth: Organisierte Kriminalität – unterschätztes Risiko oder medialer Mythos?
- 24. April 2024: Uwe Schneidewind: „Urbane Zukunftskunst: Städte nachhaltig gestalten“
- 06. Dezember 2023: Prof. Dr. Hanno Beck: “Glück - was im Leben wirklich zählt”
- 23. November 2022: Professor Dr. Mario Schmidt: Ist die Goldstadt Pforzheim auch Recyclinghauptstadt? Herkunft und Verbleib von Gold
- 07. Dezember 2022: Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt: Verkanntes Menschenrecht? Aktuelle Auseinandersetzungen um die Religionsfreiheit
- 25. November 2021: Prof. Dr. Theo Wehner: Schlafen Sie auch oder sind Sie dauernd beschäftigt?
Historie des STUDIUM GENERALE
Seit 1985 lädt die Hochschule Pforzheim Studierende, Professoren, Mitarbeiter und interessierte Gäste aus der Stadt und der Region zu einem anspruchsvollen STUDIUM GENERALE-Programm ein. Die Referenten sind renommierte Wissenschaftler, Unternehmer, Politiker, Künstler und Menschen, die Außergewöhnliches geleistet haben. Hunderte von interessierten Zuhörern nutzen immer wieder die Chance zur Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Themenfeldern, um ihren Horizont zu erweitern, Neues, Anregendes, manchmal auch Irritierendes zu erfahren und interessante Persönlichkeiten aus der Nähe zu erleben. Seit Oktober 2020 können alle Vorträge im Live-Stream über den YouTube-Kanal des STUDIUM GENERALE auch bequem von zu Hause aus oder von überall verfolgt und die Aufzeichnung noch etwa vier Wochen lang angeschaut werden. Sie alle sind herzlich eingeladen zum STUDIUM GENERALE an Ihrer Hochschule!
Die wissenschaftlichen Leiterinnen sind die Professorinnen Dr. Frauke Sander und Dr. Nadine Walter.
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