Vortrag zu Amish - Klischee und Realität
Professor Richard Page zu Gast an der Hochschule
Professor Richard Page vom German Department an der Pennsylvania State University hielt im Rahmen der Summer School 2010 am 22. Juni einen spannenden kulturwissenschaftlichen Vortrag über die amerikanische Religionsgemeinschaft der Amish.
Der amerikanische Professor für Deutsch und Linguistik freute sich sehr über seine diskussionsfreudigen Zuhörer, die zu einem großen Teil aus Pforzheim und Umgebung kamen.
|
Professor Richard Page
Pennsylvania State University |
In seinem Vortrag ging Page zunächst auf die Wurzeln der Amisch-Bewegung ein. Deren Ursprünge liegen in der Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts und gehen auf den Namensgeber Jakob Ammann zurück, dessen Gemeinde sich 1693 von den Mennoniten ablöste. Diese hauptsächlich aus Südwestdeutschland, dem Elsaß und der Schweiz stammenden Menschen ließen sich seit dem 17. Jahrhundert in Pennsylvania und anderen US-Staaten nieder.
Heute gibt es in insgesamt 27 amerikanischen Bundesstaaten Siedlungen der Amische, von denen die größten in Pennsylvania, Ohio und Indiana liegen.
Page führte Interviews zur den gesellschaftlichen Werten und Lebensformen der Amischen und betonte die große Offenheit und Neugier der "Amish People" für sein Forschungsprojekt. Er nahm die gängigsten Klischees und Stereotypen über die Religionsgemeinschaft unter die Lupe. Das romantische Bild eines stressfreien Lebens auf der Farm im Einklang mit der Natur halte dem disziplinierten Alltag der Amischen und ihrem Streben nach wirtschaftlichem Erfolg nicht stand.
Page verdeutlichte das ungewöhnliche Lebensmodell der Amische anhand der Grundwerte im so genannten "Schleitheimer Artikel" von 1527. Die Gemeinschaft ist wichtiger als das Individuum und diese lebt abgesondert von der Welt. Sichtbar transportiert wird dies durch verschiedene Symbole, wie etwa in der Kleidung, die ohne Muster und Knöpfe ganz schlicht gehalten ist. Frauen tragen Häubchen als typische Kopfbedeckung und Männer breitkrempige Filzhüte. Elektrizität, und damit auch die Nutzung von Unterhaltungsmedien, spielt im Leben der Amsichen keine Rolle. So sei ihre Lieblingsbeschäftigung das Besuchen von benachbarten Familien und Gemeindeangehörigen, fügt Page schmunzelnd hinzu.
|
| Richard Page |
Man möchte annehmen, dass in unserer modernen, technisierten Welt der Zulauf zur Religionsgemeinschaft zurückgehe, so überrascht
die hohe Wachstumsrate von vier Prozent jährlich. Von ursprünglich 60 Einwanderer-Familien in den amerikanischen Siedlungen ist die Gemeinschaft auf über 230.000 Menschen angewachsen. Page nimmt an, dass die Spaltung in verschiedene progressive Amisch-Gruppen, die sich in ihrem Lebensstil zunehmend dem Zeitgeist annähern, wohl auch ein Grund dafür sei. Mit seinem Vortrag verschaffte Professor Page dem Zuhörerkreis einen Einblick in eine unbekannte Lebenswelt, der neugierig machte.
Text: Christiane Förster
Bilder: Michael Karalus
zurück