Hart ausgebremst
Vom Umgang mit der Wirtschaftskrise
"Bremsspuren - Vom Erfolg in die Krise" lautete der Titel des Gastvortrags von Manfred Wolf am Montag, den 17. Mai, an der Hochschule in Pforzheim. Bemerkenswert offen schilderte der Geschäftsführer des Automobilzulieferers MANN + HUMMEL die Erfahrung, als erfolgsverwöhntes Unternehmen von der Wirtschaftskrise voll getroffen zu werden: "Wir hatten überhaupt keine Erfahrung mit Einbrüchen, wir kannten nur Wachstum".
Der Hersteller von Filtersystemen kannte seit Jahren nur eine Richtung: Nach oben: 1,8 Mrd. Euro Umsatz, über 12.000 Mitarbeiter weltweit, seit den 1990er Jahren weltweit vertreten, unter den Top 100 der weltweiten Autozulieferer. Und dann kam der Schock. Weltweit brauch der PKW-Absatz um 5 Prozent ein, sagenhafte 35 Prozent ging der Absatz von Nutzfahrzeugen zurück - wohlgemerkt: im Schnitt. Wuchsen die Absätze in einigen Weltgegenden noch leicht, erlitt der russische Markt praktisch einen Totalzusammenbruch.
Für Wolf, der 1977 mit einem Abschluss in Marktforschung die Hochschule Pforzheim verließ, gab es nur eine Strategie: Vollbremsung! Kurzfristige Planung statt langfristiger Strategie, Kostenmanagement statt Geschäftsausweitung, Kontrolle der Zahlung statt Gewinnung neuer Kunden - um nur wenige Beispiele zu nennen. Besonders hart: Während die Stammbelegschaft in Deutschland dank Kurzarbeit gehalten werden konnte, wurde weltweit Personal abgebaut.
Aktuell sieht MANN + HUMMEL Licht am Ende des Tunnels: Die Umsätze steigen wieder - und einige Maßnahmen aus dem Krisenjahr 2009 helfen dem Unternehmen auch langfristig: Die Konzentration auf neue Absatzmärkte stabilisiert das Geschäft, schwache bzw. angeschlagene Kunden und Lieferanten verschwinden vom Markt.
Auch neue Geschäftsfelder sollen helfen: Neben den klassischen Filtern widmet sich MANN + HUMMEL auch der Wasserfiltration und dem Markt mit Rußpartikelfiltern. Gerade erst wurde eine neue Fabrik in China eingeweiht.
Allerdings bleibt eine Unbekannte in der Kalkulation: Von einem Studierenden auf die aktuelle Eurokrise angesprochen, kann Wolf nur die Schultern zucken: Die Konsequenzen seien überhaupt noch nicht absehbar.
Die Folien des Vortrags können Sie
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Text und Bilder: Michael Karalus
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