Bin ich vielleicht Werbetexter? 

Bericht vom Texter-Workshop bei Scholz&Friends 2011 

Am 15. und 16. Oktober war es wieder so weit, die Friends riefen zum großen „Bin ich vielleicht Werbetexter“-Workshop nach Hamburg. Und wie 15 weitere Teilnehmer bin auch ich dem Ruf gefolgt. Im Vorfeld wollte ein Copytest mit vier unterschiedlichsten Aufgaben betextet werden. Dieser enthielt, neben dem obligatorischen Headlinegedresche, die Entwicklung einer App, eine Longcopy für Wandfarben (argh) und die Sache mit dem Schlüsselkratzer (hier galt es den versehentlich zugefügten Lackschaden in dem Geschäftsführerporsche mit einem einzigen Post-It zu rechtfertigen). Nachdem diese Hürde überwunden und die Zusage erhalten war, hieß es also einmal quer durch Deutschland. Auf der Strecke Pforzheim – Hamburg gibt es vor allem eines: Strecke.

Auf die umsorgte Unterbringung bei befreundeten Hansen will ich hier nicht weiter eingehen, aber sie war herzallerliebst. Und dann kam der Samstag. Mit minimaler Verspätung im Plaza del Friends angekommen, wurde ich mit warmem Kaffe und Frühstücksgebäck begrüßt. Doch, ein schöner Start. Kurzes Warmwerden mit den anderen Kursteilnehmern. Ein sympathisch bunter Haufen aus Politikwissenschaftlern, Germanisten, Designern, BWLern und Medienmenschen. Nach einer allgemeinen Begrüßung durch die Personalabteilung, vertreten durch Anna Schwabe und Nele Schnieder, folgte eine Agenturvorstellung des Vorstandsmitglied Matthias Schmidt. Der ehemalige Texter erzählte von aktuellen Kampagnen, der Ausrichtung von Scholz & Friends und Anekdoten rund um die Werbung. So hat Scholz & Friends scheinbar einen Ruf als „Texteragentur“ und diese sind in der Führungsetage auch nichts Ungewohntes. Ja, hier gehört man hin. Nach dieser Einleitung brachte uns Marco Müller den Job eines Texters näher und ergründete in 15 Minuten, mit 130 (!!!) Powerpointfolien die unterschiedlichsten Beweggründe für diese Tätigkeitswahl. Kurzweilig und motivierend.

Jetzt stand nur noch das Briefing zwischen uns und dem Beginn des Workshops. Eine schöne Aufgabe. Es ging um Bier, Holsten. Ein mal alles neu bitte. Neuer Claim und neue Kampagne. Großartig, kann man sich mit identifizieren und austoben. Für den weiteren Wochenendverlauf wurden wir gedrittelt und jede Truppe von einem der drei Texter, Holger Kohl (Hamburg), Clemens Sehi (Hamburg) und Marco Müller (Berlin), betreut.

So begann alles….

In der Gruppe angekommen wurde erstmal besprochen, ob wir alle das Briefing richtig verstanden hatten. Dies driftete schnell in ein erstes Brainstorming ab. Mit reger Beteiligung des ganzen Teams wurden unterschiedlichste Kerngedanken gesammelt, verworfen, diskutiert und wiederverwertet. Was dabei rauskam waren zwei Ansätze, die beide als verfolgenswert erachtet wurden. Die Claimfindung sollte es entscheiden. Wir zogen uns einzeln zurück und schrieben in 15 Minuten unzählige Claims. Diese wurden gesammelt und zusammen bewertet. Bei der Auswertung wurde dann schnell klar, auf welche Leitidee wir uns einigen  würden. Nur blieben jetzt zwei Claims im Rennen. Na dann sollen es eben die Maßnahmen entscheiden. Wir begannen also mit dem Sammeln von möglichen Kanälen, Aktionen, Spots und Anzeigenmotive. Es dauerte nicht lange, bis auch bei der Claimfrage Klarheit herrschte. Da einer der beiden mehr Raum für Motive und Aktionen bat. Und so kamen wir an unseren Claim. Am Ende des ersten Tages standen wir vor einem Flipchart voller Ideen. Vor dem verdienten Feierabendbier (Holsten) ordneten wir diese in Kanäle, Spots, Motive, Aktionen und Events. Weitere Entscheidungen sollte dann der nächste Morgen bringen.

Die Nacht in Hamburg kam, ging und war schön.

Motiviert stand die ganze Bande dann sonntags um 10:00 Uhr wieder auf der Matte. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es zurück an unsere Flipcharts. Den Vormittag verbrachten wir dann mit erneutem Bewerten, Ausarbeiten, gegenseitigem Präsentieren und Ordnen. Verwundert beobachteten wir wie das Mittagessen aufgetragen wurde. War es wirklich schon 13:00 Uhr? Es war, und das hieß nur noch zwei Stunden bis zur finalen Gruppenpräsentation. Also schnell essen, noch mal schnell Lagebesprechung und dann aber schnell, schnell. In kürzester Zeit wurden aus fast fertigen Motiven, Spots und Events, fertige Maßnahmen. Und plötzlich stand da auch unsere ausgearbeitet Powerpoint-Präsentation. 

Ganz wie nebenbei fügten sich alle Teile zusammen und wir konnten endlich die Pracht unseres vollständigen Konzeptes betrachten. Ein klein bisschen Stolz schwang schon mit, als wir vor dem Ergebnis unserer zweitägigen Arbeit standen. Sehr lange konnten wir diesen Moment jedoch nicht auskosten, da es auch schon an der Zeit für die Gruppenpräsentationen war.

Nach langem, anstrengendem Werkeln wurden jetzt die Gruppenergebnisse vorgestellt. Eine Jury  aus Kreativdirektor und einem weiteren Texter, die beide auch „in echt“ auf Holsten arbeiten, sollte dann Gruppenfeedbacks zu den Konzepten geben. Im Vortragsraum herrschte aufrichtige Spannung. Jeder wollte wissen in welche Richtung die anderen Teams gedacht haben. Einer der schönsten Momente des Wochenendes, alle Teams fuhren einen Sammelsurium unterschiedlichster Maßnahmen und strategischen Ansätzen auf. Die Teilnehmer hatten sichtbaren Spaß, nicht nur die eigene Gruppenarbeit endlich vorstellen zu können, sonder (oder besonders) auch an den Ideen aller anderen Gruppen. Wir feierten uns gegenseitig.

Nach diesem „Showdown“ gab es noch die Möglichkeit von dem entsprechenden Gruppenbetreuer ein sehr ausführliches Einzelfeedback zu bekommen. Sehr empfehlenswert und hilfreich für das eigene Vorankommen.

Das war er also, der Scholz & Friends Texterworkshop. Mit einem letzten gemütlichen  Beisammensein endete die Veranstaltung und die Kursteilnehmer machten sich auf den (teils mühesamen) Heimweg.

Was bleib noch zu sagen? Groß war es. Nicht nur im fachlichen Bereich konnte viel mitgenommen werden, sondern gerade auch im menschlichen. So viele engagierte Menschen aus ganz Deutschland (und der Schweiz), die Lust auf Neues und Spaß an der Sache hatten. Sehr erfrischend das Ganze. Und genau das war das Besondere an dem Wochenende, was einem selbst auf dem acht Stunden Heimweg noch ein Lächeln in den Mundwinkel zauberte.

Text: Alexander Schulze
Fotos: Scholz&Friends

Scholz &Friends

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