Begleiten, fordern und fördern
Simone Huck-Sandhu wird Professorin im Studiengang Werbung
Frau Huck-Sandhu, herzlich willkommen an der Hochschule Pforzheim. Wie ist Ihr Eindruck bislang?
Sehr gut. In persönlichen Gesprächen, im Rahmen eines Lehrauftrags und beim Alumni-Tag konnte ich die Hochschule schon etwas näher kennenlernen. Mir hat gefallen, wie interessiert, engagiert und reflektiert die Studierenden hier sind und wie stark sich die Absolventen noch immer mit „ihrer“ Hochschule identifizieren. Besonders beeindruckt war ich bei "IMPULSE 11" aber davon, dass Professoren auf ehemalige Studierende zugingen, die sie teilweise über zwanzig Jahre nicht mehr gesehen hatten, und sie sofort mit Namen begrüßen konnten. Diese Nähe ist es, die eine gute Hochschule für mich ausmacht: Studierende auf ihrem Weg zu begleiten, sie zu fordern und zu fördern.
Sie lehren und forschen im Bereich Public Relations. Was versteht man unter PR?
PR oder Öffentlichkeitsarbeit ist das Management von Kommunikation zwischen einer Organisation und ihren Bezugsgruppen. Als strategische Kommunikation sollte sie systematisch geplant, implementiert und evaluiert werden. Anders ausgedrückt: PR-Fachleute gestalten systematisch Beziehungen zu sämtlichen relevanten Gruppen innerhalb und außerhalb einer Organisation, z. B. zu Mitarbeitern, Journalisten, Investoren oder zur Gesellschaft insgesamt.
Was müssen angehende PR-Fachleute können?
Arbeitsgeber erwarten fundiertes Fachwissen und erste praktische Erfahrungen. Bewerber sollten deshalb das 1x1 der PR beherrschen, aber auch Managementkompetenzen und Social Skills mitbringen. Denn die PR entwickelt sich in den letzten Jahren immer stärker hin zu einer Managementfunktion. Mit der renommierten BWL-Ausbildung im Hintergrund haben Pforzheimer Studierende also prima Startbedingungen für den Berufseinstieg.
Sie werden federführend für das Zertifikatsprogramm PR-Referent/-in zuständig sein. Was erwartet die TeilnehmerInnen?
Ein spannendes und abwechslungsreiches Programm, das ihnen neue berufliche Perspektiven eröffnet und Spaß macht. In zwei Semestern lernen sie die theoretischen Grundlagen kennen, üben das PR-Handwerkzeug und erwerben strategisch-planerische Kompetenzen: Wie schreibt man eine Pressemitteilung? Worauf kommt es bei einem Interview an? Wie entwickelt man ein strategisches PR-Konzept? Das Programm steht allen Studierenden der Hochschule Pforzheim offen, unabhängig von Studienfach und -semester.Wer Interesse hat findet nähere Informationen auf der Hochschul-Website.
Sind denn die Berufsaussichten für PR-Referenten gut?
Ja, denn während andere Bereiche stagnieren, werden in der PR-Branche neue Stellen geschaffen. Hier gibt es viel Nachholbedarf, vor allem in mittelständischen und kleineren Unternehmen. Außerdem steht in vielen Unternehmen in den nächsten Jahren ein Generationswechsel an: Diejenigen PR-Fachleute, die mit dem ersten Professionalisierungsschub in den 1980er-Jahren in den Beruf kamen, gehen allmählich in den Ruhestand. Gut ausgebildete Young Professionals haben deshalb gerade in den kommenden Jahren sehr gute Chancen.
Sie werden auch in Bachelor- und Masterstudiengängen Lehrveranstaltungen zu PR und Marke anbieten. Wie sind diese ausgerichtet?
Im Prinzip ganz ähnlich. Mir ist auch hier die Verzahnung von Theorie und Praxis wichtig: eine solide theoretische Basis, Transfer durch Case Studys, kleine Übungen. Auch Exkursionen zu Unternehmen und Gastvorträge sind geplant. Ich bin im Landesvorstand der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG), dem Berufsverband der Kommunikationsmanager, aktiv und habe so ein breites Netzwerk in die Wirtschaft. Dieses Lehrkonzept ist im Lauf der elf Jahre, die ich an der Universität Hohenheim und an anderen Hochschulen im In- und Ausland unterrichtet habe, gewachsen.
Womit beschäftigen Sie sich in der Forschung?
In der Forschung interessieren mich Fragen rund um die Kommunikation in und von Unternehmen.Ich will Kommunikation beschreiben, analysieren und erklären, um Hinweise für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft abzuleiten. Derzeit beschäftige ich mich vor allem mit den Themen Kommunikation und Strategie, interne Kommunikation und Leitgrößen des Kommunikationsmanagements. Aber auch die integrierte Kommunikation begleitet mich seit längerem. Ich freue mich schon darauf, hier in Pforzheim gemeinsame Projekte mit Kollegen aus der Fakultät Wirtschaft und Recht sowie interdisziplinäre Studien in Angriff zu nehmen.
Wollten Sie schon immer PR-Professorin werden?
Nein. Ich wäre früher nicht einmal auf die Idee gekommen, dass „ProfessorIn“ ein normaler Beruf ist. Ich wollte Journalistin werden. Parallel zum Studium der Kommunikationswissenschaft habe ich drei Jahre für eine Zeitung geschrieben und das journalistische Handwerk von Grund auf erlernt. Gefallen haben mir vor allem die breite Themenpalette, Begegnungen mit interessanten Menschen und die Möglichkeit, Dingen auf den Grund gehen zu können. Aber bei einem PR-Praktikum wurde mir klar, dass strategische Unternehmenskommunikation mit der Vielfalt der Instrumente und der Managementkomponente genau „mein Ding“ ist. Im Hauptstudium habe ich dann das Fach PR vertieft, PR-Konzepte für mittelständische Unternehmen entwickelt und sie bei ihrer operativen PR-Arbeit beraten. Seither bin ich als Beraterin für strategische Kommunikation tätig, was ein willkommener Ausgleich ist – aber meine Berufung ist und bleibt Lehre und Forschung.
Was machen Sie, wenn Sie nicht am Schreibtisch sitzen oder im Hörsaal stehen?
Ich bin unterwegs. Reisen ist meine große Leidenschaft. Mit dem Traum von einer großen Weltreise hat es aus Zeitgründen zwar bislang nie geklappt. Aber mein Mann und ich nehmen einfach unsere Wunschziele eines nach dem anderen in Angriff. Die abenteuerlichste Reise bislang war eine Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking, weiter durch China und Vietnam bis nach Kambodscha. Neben dem Reisen habe ich zwei weitere Hobbys: Ich schwimme gern (leider aber nicht besonders schnell) und singe in einem Gospelchor. Das erdet.
Fotos : Katrin Hassenstein