Interkulturalität - Was ist das?
Wie wird es gelebt und ist es in Pforzheim zu Hause?
Was ist Interkulturalität, und gibt es Interkulturalität in Pforzheim? Diesen Fragen sind im Wintersemester 2011/12 deutsche und internationale Studierende in einem Seminar des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen/International Management nachgegangen. Unter der Leitung von Professorin Dr. Jasmin Mahadevan definierten 20 Studierende den Begriff und gingen ihrer eigenen und anderen Kulturen „auf den Grund“. Sammeln, verstehen und Brücken bauen auf der Grundlage der eigenen und der fremden Kultur – so das Ziel des Seminars, das in Kooperation mit der Integrationsbeauftragten der Stadt Pforzheim, Anita Gondek, durchgeführt wurde. Bürgermeisterin Monika Müller und Professorin Dr. Jasmin Mahadevan stellten das Projekt am Donnerstag, 15. Dezember 2011, der Öffentlichkeit vor. Die Ergebnisse werden in einer kleinen Ausstellung in der Cafeteria der Mensa, Tiefenbronner Straße 65, präsentiert.
Pforzheim ist vielfältig! Das Seminar, in dem bewusst Studierende aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zusammenarbeiteten, wollte diese Vielfältigkeit darstellen. Gleichzeitig sollten die Studierenden auf die Zusammenarbeit in internationalen Teams vorbereitet und für unterschiedliche Arbeitswesen sensibilisiert werden. Das Projekt förderte den Austausch mit internationalen Studierenden. 20 Studierende verschiedener Nationalitäten – aus Deutschland, Indonesien, Mexiko, der Türkei, Ungarn, Polen und Russland – sowie Studierende mit russland-deutschem und türkischem Migrationshintergrund arbeiteten gemeinsam. Sie entwickelten verschiedene Forschungsfragen zum Thema Interkulturalität in Pforzheim. „Meine einzige Vorgabe war, dass die Teams möglichst divers sind, also aus Studierenden möglichst vieler Nationalitäten und Herkunftskulturen bestehen“, sagte die Seminarleiterin Professorin Dr. Jasmin Mahadevan.
In sechs verschiedenen Teams wurden folgende Themen bearbeitet: Demographie, Bildung, internationale Küche und gelebte Religion in Pforzheim sowie kulturelle Verschiedenheit an der Hochschule insgesamt und in den internationalen Studiengängen. Aufgrund der internationalen Zusammensetzung der Teams, konnten die Studierenden schon bei der Planung verschiedene Perspektiven und Ideen miteinbringen und im späteren Verlauf verwirklichen: Wodurch zeichnet sich ein Migrationshintergrund eigentlich aus? Wie spielen Religion, Kindererziehung und Demographie in Pforzheim zusammen? Was macht eine(n) Pforzheimer(in) aus? Was verbirgt sich hinter dem Begriff Diversität? Was unterscheidet eine religiöse Gemeinde von einem Verein? Ausgestattet mit Fotokameras, Fragebögen und Aufnahmegeräten besuchten die Studierenden Schulen, Restaurants sowie religiöse Zentren, befragten Mitstudierende anderer Studiengänge und präsentierten immer wieder ihre neuesten Ergebnisse im Seminar. Zum Vorschein kamen interessante Aspekte, wie beispielsweise die Existenz eines Hindu-Tempels.

Das Projektteam mit Anita Gondek, der Integrationsbeauftragten der Stadt Pforzheim (vorne links)
Laut Jasmin Mahadevan, Studiengangleiterin des Bachelor-Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen / International Management, war es das wichtigste Ziel des Seminars, die eigenen interkulturellen Handlungskompetenzen zu erforschen und in einer realen interkulturellen Projektsituation umzusetzen.
Anita Gondek, Integrationsbeauftragte der Stadt Pforzheim, betonte, dass interkulturelles Lernen ein notwendiger Bestandteil von Integration sei. Sowohl Deutsche als auch Migranten müssten sich gleichermaßen in diesen Prozess einbringen. „Integration erfolgt unter drei Voraussetzungen“, stellte Gondek klar. „Man muss wollen, man muss können – aber man muss auch dürfen“. In einer regen Diskussion brachten die Studierenden verschiedener Nationalitäten und Herkunftskulturen ihre eigenen Sichtweisen und Perspektiven ein. Die Diskussion erfolgte in verschiedenen Sprachen – deutsch, englisch, spanisch, russisch, türkisch; untereinander wurde stets übersetzt.
In diesem gemeinsamen Prozess entstanden unerwartete Räume der Interkulturalität. So besuchte ein protestantischer Student eine Moschee in Pforzheim und ein muslimischer Student eine evangelische Gemeinde. Zu Tage kamen aber auch unerwartete Facetten von Diversität. So recherchierte beispielsweise eine Gruppe, dass Studierende der internationalen Studiengänge an der Hochschule Pforzheim mehr Geschwister haben und tendenziell weniger oft bei ihren Eltern wohnen. Diversität und Kultur wurde teilweise mit allen Sinnen erfasst: So wurde die Forschungsgruppe, die sich mit internationaler Küche in Pforzheim beschäftigte, zur Freude aller oft von Restaurantbesitzern zum Essen eingeladen. „Eine Wertung geben wir aber nicht ab“, sagte die Gruppe abschließend.
Zusammenfassend gewannen die Studierenden einen neuen, interkulturellen Blick auf sich, die Stadt Pforzheim und auf ihre weitere Zukunft. Eine Studentin formulierte es so: „Nun studiere ich schon drei Jahre in Pforzheim – und es ist wirklich unglaublich, was ich über die Stadt nicht wusste. Es gibt so viele tolle Menschen hier, die die Stadt weiterentwickeln.“ Am Ende waren sich die Studierenden daher auch einig: „Ein toller Aspekt des Seminars war, dass wir mit Leuten gesprochen haben, die wir sonst nie kennengelernt hätten, und dass wir in Situationen kamen, in die wir sonst nie geraten wären.“
Laut Dr. Jasmin Mahadevan ist damit das Ziel des Seminars erreicht: „Interkulturelles Lernen betrifft jeden Einzelnen, und zwar in Gesellschaft, Wirtschaft und Technik. Diese Erfahrung haben die Studierenden nun gemacht.“ Zu sehen sind die Projektergebnisse zu Interkulturalität in Pforzheim ab Dezember in der Cafeteria der Hochschule Pforzheim.
Text: Jasmin Mahadevan
Bilder: Karoline Klett/ Sabine Laartz
zurück
Kontaktdaten
Adresse
Tiefenbronner Str. 65
D - 75175 Pforzheim
Raum
T1.5.07
Telefon
(07231) 28-6476
Fax
(07231) 28-6057
E-Mail