Altes Druckhandwerk in neuem Gewand 

26.03.2009 

Die entscheidende Idee hatte Johannes Gutenberg: Er ordnete einzelne Buchstaben und Zeichen auf einer Druckplatte an, trug Farbe auf, presste sie auf Papier und konnte sie so beliebig oft vervielfältigen – der Bleisatz war erfunden. Auch wenn inzwischen fast alle Druckereien auf den kosten- und zeitsparenden Digitaldruck umgestiegen sind, lohnt sich die Beschäftigung mit der alten Technik durchaus. Nicht zuletzt aus künstlerischer Sicht - das zeigt eine Ausstellung an der Fakultät für Gestaltung, die am Donnerstag, 2. April 2009, 18 Uhr, mit einer Vernissage in der Holzgartenstraße 36 beginnt.

 

Seit den 1960er-Jahren existiert an der Fakultät eine Bleisatzwerkstatt, die jedoch lange Zeit nicht genutzt wurde. Grund war die digitale Revolution: Je mehr Aufgaben der Computer übernahm, umso weniger brauchte man die Werkstatt. Eigentlich schade, denn Bleisatzdruck sieht im Ergebnis nicht nur äußerst hochwertig aus, sondern vermittelt im Ausbildungsbetrieb auch eine handwerkliche Komponente, die bei der Arbeit an PC und Mac heute kaum noch nachvollziehbar ist. Vor zwei Jahren belebte die Fakultät für Gestaltung die Bleisatzwerkstatt deshalb wieder. Mit Hilfe zweier Pforzheimer Druckermeister – Manfred Morlock und Günter Neubert – lernten die Studierenden der Visuellen Kommunikation mit der traditionellen Technik umzugehen. Eine knifflige Angelegenheit, die viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung erfordert – etwa wenn es darum geht, die oft winzig kleinen Abstände zwischen den einzelnen Zeichen festzulegen – bei der aber spannende Ergebnisse entstanden.

 

Die Bleisatzausstellung „fliegen – Kopf“ zeigt vor allem Arbeiten der Studierenden aus den letzten Semestern. Mit Hilfe von Werkzeugen, Setzkästen und typischen Bleisetzer-Materialien wird aber auch der Entstehungsprozess veranschaulicht. Kurze Texte informieren über die Geschichte des Druckverfahrens und erklären die wichtigsten Begriffe, Fotos aus der Werkstatt geben einen Eindruck von der Arbeitsatmosphäre. Die Ausstellung „fliegen – Kopf“ ist bis zum 30. Juni 2009 zu sehen.