Neue Spielfiguren: Geldquelle oder Bankrott?
10.02.2010
Figuren von Harry Potter, der Eisbär Knut zum Kuscheln oder Prinzessin Lillifee in allen Variationen – die Spielwarenindustrie hat das Angebotsspektrum in den vergangenen Jahren drastisch erweitert. Wer allerdings die Lizenzrechte falsch beurteilt, den erwarten Gerichtsverfahren und Schadensersatzforderungen. Das Potenzial und die Risiken dieses Sektors stellte Professor Dr. Kai Saldsieder, Hochschule Pforzheim, auf der Nürnberger Spielwarenmesse Anfang Februar 2010 vor.
Seit Jahren kämpft die Branche mit sinkenden Absatzzahlen. Aufgrund des stetigen Geburtenrückganges, vor allem aber der sich ändernder Freizeittrends verlieren viele Unternehmen ihre Hauptkundengruppe: Die 6- bis 12-jährigen, die ihre Zeit immer lieber mit Fernsehen, Internetspielen und Technik-Gadgets verbringen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Vermarktung von Medien-Helden, im Fachjargon Licensing genannt, zusehends an Bedeutung. Allein in 2009 steigerte sich der Umsatz mit Spielwarenlizenzprodukten auf über 400 Millionen Euro, was knapp 20 Prozent des Gesamtmarktes entspricht. Die Vermarktung von Lizenzthemen ist allerdings wegen fixen Lizenzgebühren und einer unkalkulierbaren Nachfrage für viele Hersteller mit großen unternehmerischen Risiken verbunden.
Deutlich wurde dieser Bedeutungszuwachs auf der Nürnberger Messe am LicenseCenter. In einer extra Halle konnten Interessierte sich einen Überblick über mehr als 700 Lizenzthemen verschaffen. Dazugehöriges Managementwissen wurde parallel im Expertenforum, dem Toy Business Forum, angeboten. Neben Experten aus der Praxis war erstmalig auch die Hochschule Pforzheim vertreten war. Für die Fakultät Wirtschaft und Recht informierte Professor Dr. Kai Alexander Saldsieder über Grundlagen des Licensing in der Spielwarenindustrie sowie über die Chancen und Herausforderungen einer Vermarktung. Neben Praxishinweisen stellte Saldsieder eine von ihm durchgeführte empirische Untersuchung bei 63 Herstellern vor, die weitere Wachstumswege durch Erfolgsfaktoren des Licensing aufzeigt.
Mit mehr als 75.000 Fachbesuchern aus über 115 Nationen, 2.700 Ausstellern und der Präsentation von mehr als 1 Million Produkten ist die Nürnberger Spielwarenmesse die weltweit größte Messe für spielerische Freizeitgestaltung.