Ursachenforschung abgeschlossen - Abdichtungsmaterial entfernt
04.08.2009
Die Sparkasse Pforzheim Calw erhielt im Wintersemester 2008/09 im Hochschulgebäude an der Tiefenbronner Straße Räumlichkeiten für ihr Service-Center. Im Gegenzug finanzierte sie die Aufstockung eines Gebäudes, in dem unter anderem das Rechtsamt und das Akademische Auslandsamt Räume bezogen. Inbetriebnahme war im September
Der deutlich bemerkbare Geruch ließ wider Erwarten nicht nach. Der Geruch im Neubau der Hochschule sollte auf „normalen“ Ausdünstungen der Baustoffe basieren, die durch Lüften in den Griff zu bekommen seien und sich verflüchtigen würden, so die erste Interpretation von Laborwerten aus dem Oktober 2008. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. Genaue Untersuchungen im April/ Mai und ein baubiologisches Gutachten im Juni 2009 erhärteten den Verdacht, dass von der beauftragten Fachfirma ungeeignetes Material zum Einsatz gekommen war. Die Hochschulleitung und der Sponsor des Baus – die Sparkasse Pforzheim-Calw – reagierten sofort.
Worum geht es? Das Auslands- und Rechtsamt der Hochschule Pforzheim sollten durch die Aufstockung eines Flachdachgebäudes aus den 70er Jahren neue Räume bekommen. In der Tiefenbronner Straße begannen im Mai 2008 die Baumaßnahmen, finanziert durch die Sparkasse Pforzheim-Calw. Anfang September 2008 wurde die Aufstockung des Gebäudes durch Leichtbauweise fertig gestellt. 145 Quadtratmeter auf acht Räume im ersten Geschoss verteilt wurden bezogen. Im Oktober erfolgte eine erste Untersuchung, da sich die Ausdünstungen über das „gewöhnliche Neubaumaß“ hinaus bewegten und die Mitarbeiter sich gesundheitlich beeinträchtigt fühlten.
Die nachgewiesene erhöhte Konzentration von Kohlenwasserstoffen – insbesondere von Xylol - sei gesundheitlich unbedenklich, müsste aber überwacht werden. Der Betriebsarzt, der die Laborwerte interpretierte, empfahl vermehrtes Stoßlüften und eine erneute Messung nach sechs Monaten. Die Analyse der Laborwerte führte im Oktober 2008 allerdings auf eine falsche Fährte. Es handelte sich nicht – wie gedacht - um Ausdünstungen, wie sie Neu- bzw. Umbauten mit sich bringen, sondern waren Folgen einer falschen Materialverwendung. Die Ergebnisse der wiederholten Messung im April 2009, die einen leichten Anstieg der Konzentrationen nachwies und die darauffolgenden weiteren Untersuchungen, ließen keine andere Auslegung zu.
Die Hochschulleitung und die Sparkasse reagierten auf die neuen Messergebnisse und den betroffenen Mitarbeitern wurde im Mai angeboten, vorübergehend auf andere Räume auszuweichen. Ein Angebot, das im Semesterbetrieb sofort vom Rechtsamt und nach Abschluss des Semesters auch vom Auslandsamt angenommen wurde. Die Quelle der Geruchsbelästigung lag im Boden versteckt, wie genaue Analysen, die die Sparkasse als Bauträger in Absprache mit der Hochschulleitung in Auftrag gab, bestätigten. Die Leichtbauweise der Aufstockung basiert auf einem Stahlgerüst, das mit Dübeln auf dem Flachdach befestigt ist. Die von der beauftragten Fachfirma zur Abdichtung verwendete flüssige Dampfsperre ist für Innenräume nicht geeignet. Außerdem wurden die Stahlträger ebenfalls in eine flüssige Abdichtung gebettet, die ihren signifikanten Geruch bis heute verströmt – allerdings war dies hinter der aufgebrachten Verkleidung nicht erkennbar. Beide Stoffe wies das Ingenieurbüro Roth und Partner, Karlsruhe, als Quellen der Geruchsbelastung aus. Laboruntersuchung bestätigten die „Nasenproben“. Nachhaltige gesundheitliche Schäden sind bei den gefundenen Konzentrationen allerdings nicht zu befürchten.
„Wir werden der Sache auf den Grund gehen“, versprach Fred Theurer, Direktor der Sparkasse Pforzheim-Calw. Die Aussage Theurers ist wörtlich zu nehmen: Nach der abgeschlossenen Beweisaufnahme Mitte Juli 2009 wurde der Innenausbau des Neubaus, der bereits geräumt war, komplett entfernt. Im August wird das fragliche Abdichtungsmaterial großflächig abgefräst, Wanddämmungen und Boden entfernt. Bevor der erneute Einbau beginnt, werden Messungen erfolgen, damit „wir sicher sein können, dass der Bau nach der Sanierung einwandfrei ist“, erklärte Theurer. „Einzig das Linoleum wird nachher noch riechen“, bestätigte Professor Dr. Martin Erhardt, Rektor der Hochschule Pforzheim, und dieser Geruch sei „baubiologisch absolut einwandfrei“.
Die Sparkasse Pforzheim Calw und die Hochschulleitung bedauern, dass es in dem Erweiterungsbau zu Belastungen mit Schadstoffen gekommen ist. Die Sparkasse legt bei allen ihren Bauten größten Wert darauf, die Vorgaben von Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz einzuhalten, daher arbeitet sie ausschließlich mit entsprechend zertifizierten Firmen zusammen.