Der Blick von oben: Vom All in den Alltag
26.11.2009
Was hat die Raumfahrt mit dem Alltag zu tun? Dieser Frage geht am kommenden Mittwoch, 2. Dezember 2009, Professor Dr. Ernst Messerschmid nach. Ab 19 Uhr referiert der ehemalige Wissenschaftsastronaut im Rahmen des Studium Generale der Hochschule Pforzheim zum Thema „Vom All in den Alltag – wie Raumfahrt, Innovation und neues Wissen schafft“. Zur Veranstaltung im Walter Witzenmann Hörsaal, Tiefenbronner Staße 65, sind alle Interessierten herzlich eingeladen.
Die Raumfahrt hat das Leben grundlegend verändert und beeinflusst den Alltag. Aus eigener Erfahrung als Wissenschaftsastronaut an Bord der D1-Spacelab-Mission skizziert Professor Ernst Messerschmid die bisherige Raumfahrtnutzung und gibt Einblicke in das aktuelle Projekt der Internationalen Raumstation ISS. Die Raumstation wird seit 1998 unter Führung der USA und weiterer 25 Staaten, darunter Russland, Japan und Europa aufgebaut, mit wichtigen Beiträgen der Europäischen Raumfahrtagentur ESA (Columbus-Labor, das Autonome Transfer-Vehikel ATV und Nutzung mit eigenen Astronauten). Messerschmid, der dritte deutsche Astronaut im All, geht dabei auch auf seine nachfolgenden Aufgaben ein. Als „Nachwuchstrainer“ der Raumfahrt oblag ihm Auswahl, Training, Flugeinsatz und medizinische Betreuung von Astronauten. Der 64jährige schildert die Auswirkung von Strahlung und Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper, wie sie vor allem für Langzeitflüge auf der ISS und erst recht für zukünftige Raumflugmissionen zum Mond und weiter zum Mars relevant sind und daher besser verstanden und beherrscht werden müssen. Welche Ziele verfolgt die Raumfahrt und welche Erkenntnisse können gewonnen werden?
1945 in Reutlingen geboren, studierte Ernst Messerschmid Physik in Tübingen und Bonn. Nach seiner Promotion kam er 1978 zur Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR) nach Oberpfaffenhofen. Ab 1983 nahm Messerschmid an der D1-Spacelab-Mission teil. Der Wissenschaftsastronaut flog 1985 mit dem amerikanischen Space-Shuttle "Challenger" in den Weltraum. 1986 wurde er zum ordentlichen Professor und Direktor des Instituts für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart berufen, von 2000 bis 2004 übernahm er die Leitung des Europäischen Astronautenzentrums der ESA. Er war dort verantwortlich für das Astronautentraining und die Auswahl der europäischen Astronauten für Flüge zur Internationalen Raumstation ISS. Zu seinen derzeitigen Forschungsschwerpunkten gehören die Entwicklung von zukünftigen Raumstationen und Szenarien für Raumflugmissionen vom Mond bis zum Mars. Seit 2008 ist er außerdem im Vorstand des Innovationsrats Baden-Württemberg.