Der Doktor kommt nach Pforzheim – sehr gute Forschungsarbeit 

20.12.2010 

„Ein großartiger Erfolg und eine tolle Anerkennung“, kommentierte Professor Martin Erhardt die Genehmigung, ein Promotionskolleg an der Hochschule Pforzheim einrichten zu dürfen. In Kooperation mit der Universität Tübingen können künftig ausgezeichnete Studierende der Informationstechnologie der Hochschule Pforzheim den Doktorgrad erwerben. Die Kooperation der beiden Bildungseinrichtungen erhielt eines von acht Promotionskollegs, die das baden-württembergische Wissenschaftsministerium Ende Dezember 2010 bewilligte.

Das Promotionsrecht haben in Deutschland die Universitäten. „Wenn Fachhochschulen ihren Studierenden die Möglichkeit bieten können, den Doktor abzulegen, ist dies etwas Besonderes und zeigt die Qualität der Forschung an der Hochschule“, erklärte Professor Mario Schmidt, Leiter des Instituts für Angewandte Forschung an der Hochschule Pforzheim. Über Forschungsarbeiten, die sich um das Thema „Entwurf und Architektur Eingebetteter Systeme“ drehen, können Studierende der beiden Pforzheimer Masterstudiengänge Embedded Systems und Information Systems künftig den Doktortitel erwerben. Verantwortlich für dieses hochkarätige Projekt in Kooperation mit der Tübinger Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften ist der Pforzheimer Professor für Informationstechnik, Dr. Thomas Greiner.

 

Das Promotionskolleg erforscht den Entwurf und die Architektur eingebetteter Systeme. Bei eingebetteten Systemen handelt es sich um Hardware-Software-Systeme, die das Herz vieler moderner Produkte vom Auto über den Maschinenbau bis zur Kommunikationstechnik ausmachen. Diese Systeme übernehmen weitgehend unsichtbar eine Vielzahl von Steuerungs- und Überwachungsaufgaben. Sie sind die Basis der technologischen Entwicklung in wesentlichen Schlüsselbranchen und gelten als strategisch wichtiges Technologiefeld. Sie verfügen über ein enormes Innovations- und Wachstumspotenzial und bieten entsprechende Chancen für die Wirtschaft – unter Einbezug des Mittelstands.

 

Die Entwicklung dieser eingebetteten Systeme ist äußerst komplex. Damit beispielsweise die Sicherheitstechnik im Fahrzeug reibungslos funktioniert – also die einzelnen Komponenten ineinandergreifen – muss vor der eigentlichen Produktion  eine Vielzahl von Entscheidungen getroffen werden. Der anscheinend einfache Vorgang, das beim Bremsen auf rutschiger Straße das Auto stabilisiert und die Räder nicht blockiert werden, bedarf im Hintergrund zahlreicher Rechenleistungen. Wie wird ein solches Zusammenspiel aufgebaut und wie können Software und Hardware miteinander sinnvoll gekoppelt werden?  Diese zunehmenden Anforderungen an die digitale Signalverarbeitung müssen sinnvoller Weise frühzeitig berücksichtigt werden. Ziel des Promotionskollegs ist unter anderem die Entwicklung von standardisierten Verfahren in diesem Zusammenhang. Diese Verfahren – vereinfacht ausgedrückt eine Art abgestufte Checklisten - würden den Entwicklungsprozess grundsätzlich erleichtern. Es wäre möglich, frühzeitig alle Komponenten zu berücksichtigen. Der Prozess würde einfacher, zeit- und kostensparender. Embedded Systems gelten als einer der Wachstumsfaktoren für die baden-württembergische Wirtschaft. Allerdings könne das prognostizierte Potenzial von der Industrie nur ausgeschöpft werden, wenn eben diese Vereinfachung gelänge, erklärte Dr. Greiner.

 

Mit dem Promotionskolleg setzt die Hochschule zügig die Empfehlung des Wissenschaftsrats um, der die Einrichtung solcher Kollegs zur weiteren Entwicklung des Hochschulprofils ausdrücklich empfiehlt. Ab Mitte des kommenden Jahres 2011 können bis zu zehn Stipendien vergeben werden. Das Kolleg wird gemeinschaftlich von Professor Greiner und seinem Kollegen von der Universität Tübingen Professor Wolfgang Rosenstiel geleitet. Vorerst ist eine Laufzeit bis 2015 vorgesehen.