Studium Generale an der Hochschule Pforzheim 

Abkupfern bei der Natur 

Warum wächst ein Baum so wie er wächst? Eine scheinbar einfache Frage bildete den Ausgangspunkt für die Forschung von Professor Dr. Claus Mattheck. Mit dem Vorreiter der Bionik startet am Mittwoch, 2. November 2011, das Studium Generale an der Hochschule Pforzheim. Er leitet am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) den Bereich Biomechanik und spricht in Pforzheim über sein aktuelles Buch: „Denkwerkzeuge nach der Natur – Eine Anleitung zum verstehenden Sehen in Natur und Technik“. Zum Vortrag um 19 Uhr im Walter-Witzenmann Hörsaal, Tiefenbronner Straße 65, sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Originell, gute verständlich und auf eine gewinnende Art widmet sich der Claus Mattheck der Vermittlung seines Forschungsgebietes. Aus der Sicht des Ingenieurs ist die Natur eine Meisterin bei der Lastenverteilung. Die Konstruktion eines Blattes hält beispielsweise dem stärksten Wind stand. Aus dieser Erkenntnis können optimale und hoch stabile Formen für Bauteile abgeleitet werden. Mattheck ist überzeugt, dass mit Hilfe systematischer Naturbeobachtungen Konstruktionen bruchsicherer gestaltet werden können. Klare Forderung des Karlsruher Professors: Ein Ingenieur von heute benötigt einen Waldspaziergang und ein Geodreieck, um Maschinenteile leichter und widerstandsfähiger zu entwickeln. In seinem Vortrag nimmt er die Zuhörer daher auf solche Walspaziergänge mit.

Einfache Regeln des natürlichen Wachstums auf Bauteile übertragen – diese Überlegung griff Claus Mattheck auf. Mattheck ist einer der wenigen Wissenschaftler, die es in verschiedenen Disziplinen zu weltweiter Anerkennung gebracht haben. Er gilt als Vorreiter der Bionik, einem interdisziplinären Forschungsbereich, der sich mit der Entschlüsselung von „Erfindungen der belebten Natur“ und ihrer innovativen Umsetzung in der Technik beschäftigt. Der Pionier hat an der TU Dresden Physik studiert und wurde 1978 nach einem gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR abgeschoben. 1985 habilitierte er an der Fakultät Maschinenbau der Universität Karlsruhe mit dem Schwerpunkt Schadenskunde.

In seinen zahlreichen Publikationen legt Mattheck besonderen Wert auf die verständliche Vermittlung von Wissenschaft, so illustriert er seine Bücher zum Teil mit selbst gezeichneten Cartoons. Für seine Forschungen und die Art der Präsentation wurde Mattheck mehrfach ausgezeichnet. Neben dem Preis für seine herausragende Wissenschaftsvermittlung wurde er im Jahr 2003 für sein Lebenswerk mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet.

 

Kontakt:

Sabine Laartz, Leiterin der Pressestelle der Hochschule Pforzheim,
Tel.: (0 72 31) 28 – 60 05, pressestelle@hs-pforzheim.de