Kardinal Lehmann: Dialog und Interdisziplinarität 

10.07.2009 

„Man soll die Ökonomie nicht nur den Ökonomen überlassen!“ Karl Kardinal Lehmann, dem am Donnerstag, 9. Juli 2009, der Pforzheimer Hochschulpreis „“Hochschule und Wirtschaft“ überreicht wurde, plädierte für einen ganzheitlichen Ansatz in der Wirtschaft. Der Mainzer Bischof erhielt den Preis des Förderer- und Alumnivereins (FAV) der Hochschule Pforzheim für sein Engagement im Bereich Wirtschaftsethik. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird vom renommierten Pforzheimer Kosmetikunternehmen La Biosthétique gestiftet.

 

Als „idealen Vermittler zwischen Hochschule und Wirtschaft“ charakterisierte Professor Dr. Martin Erhardt, Rektor der Hochschule Pforzheim, Karl Kardinal Lehmann. Die Überlegungen der Verantwortlichen den Preis „Hochschule und Wirtschaft“ an einen ausgewiesenen Wirtschaftsethiker zu verleihen, liefen vor zweieinhalb Jahren immer wieder auf eine Person zu: Kardinal Lehmann. Der 73jährige mehrfach promovierte Wissenschaftler und Theologe setzt sich seit Jahren intensiv mit der Volkswirtschaftslehre auseinander. Der Mainzer Bischof plädiert dafür, den Bezug zur Realität nicht zu verlieren, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und den Blick über die eigenen Fachgrenzen zu wagen. Der berufliche Alltag dürfe nicht das allein bestimmende Element im Leben der Manager sein. Familie, ehrenamtliches Engagement und der Blick über den „Tellerrand“ könnten helfen, eine neue Perspektive einzunehmen.

 

Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz schätzt den direkten Kontakt mit den Menschen und setzt auf Dialog. Diese Lebenseinstellung verhelfe ihm zu einem „unverstellten Blick auf die Lebensverhältnisse in unserer Gesellschaft“, skizzierte Professor Albert Raffelt. Der Leiter der Unibibliothek Freiburg bescheinigte seinen ehemaligen Lehrer Lehmann in seiner Laudatio eine Persönlichkeit, die für den Dialog geschaffen sei.

 

Siegfried Weiser, Präsident von La Biosthétique und Ehrensenator der Hochschule, plädierte dafür, ethisches Handeln immer neu auf die Agenda zu setzen. Bei einigen Ökonomen stelle er die Tendenz fest, nach der Wirtschafts- und Finanzkrise wieder zur Tagesordnung überzugehen. „Das wäre fatal!“